StatPearls2026

Akutes akustisches Trauma (AAT): Diagnostik & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das akute akustische Trauma (AAT) ist definiert als eine plötzliche Schallempfindungsschwerhörigkeit, die durch die Exposition gegenüber intensivem Impulslärm wie Explosionen oder Schüssen verursacht wird. Die Lärmpegel überschreiten dabei typischerweise 140 dB für weniger als 0,2 Sekunden. Es unterscheidet sich von der klassischen Lärmschwerhörigkeit, die sich allmählich durch längere Exposition bei 100 bis 120 dB entwickelt.

Pathophysiologisch kommt es durch die mechanische und metabolische Schädigung zur Bildung von reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies im Innenohr. Dies führt zu einer Entzündungsreaktion und einer Schädigung der Haarzellen in der Cochlea. Zudem kann eine Hyperkontraktion des Musculus tensor tympani auftreten, was Symptome wie Ohrenflattern und Schmerzen erklärt.

Klinisch präsentiert sich das AAT häufig mit Hörverlust, Tinnitus, Otalgie, Schwindel und Hyperakusis. Obwohl das Trauma insbesondere im militärischen Umfeld häufig vorkommt, wird es im zivilen Bereich oft unterdiagnostiziert, da Betroffene die Symptome verzögert melden.

Empfehlungen

Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Behandlung des akuten akustischen Traumas:

Klinische Untersuchung und Diagnostik

Bei Verdacht auf ein akutes akustisches Trauma wird eine umfassende Kopf-Hals-Untersuchung mit detaillierter Otomikroskopie empfohlen. Eventuelle Trümmerteile nach einer Explosion sollten aus dem Gehörgang entfernt werden.

Zur audiologischen Beurteilung wird Folgendes empfohlen:

  • Eine Screening-Audiometrie sollte so schnell wie möglich nach dem Trauma erfolgen.

  • Ein umfassendes Audiogramm (inklusive Tympanometrie, Knochenleitungsschwellen und Sprachaudiometrie) ist indiziert, wenn der Hörverlust länger als 72 Stunden anhält.

  • Es wird eine Hochfrequenzaudiometrie bis 16 kHz empfohlen, da Standardtests bis 8 kHz ein AAT übersehen können.

  • Otoakustische Emissionen (OAE) und die Hirnstammaudiometrie (ABR) werden als objektive Tests empfohlen, insbesondere um eine Aggravation oder Simulation aufzudecken.

Indikationen zur fachärztlichen Überweisung

Es wird eine absolute Indikation zur Überweisung an die HNO-Heilkunde bei folgenden Befunden beschrieben:

  • Verdacht auf eine Felsenbeinfraktur

  • Trommelfellperforation

  • Anhaltende klare oder verfärbte Ohrsekretion, die sich nicht innerhalb weniger Tage zurückbildet

  • Fazialisparese

  • Hörverlust bei einem Patienten mit nur einem funktionierenden Ohr

Therapie

Wenn sichtbare Verletzungen des äußeren Ohres, des Gehörgangs oder des Trommelfells vorliegen, wird deren primäre chirurgische oder konservative Versorgung priorisiert. Bei einem rein sensoneuralen Hörverlust ohne weitere Traumata wird eine medikamentöse Therapie in Betracht gezogen.

Für Patienten mit einer temporären Schwellenverschiebung von mehr als 25 dB in drei aufeinanderfolgenden Frequenzen wird eine Therapie mit Glukokortikoiden empfohlen (starke Empfehlung). Diese kann intravenös, oral oder als intratympanale Injektion erfolgen.

Bei ausbleibendem Ansprechen auf die initiale Steroidtherapie kann eine hyperbare Sauerstofftherapie als Salvage-Therapie innerhalb eines Monats nach Beginn der Symptomatik erwogen werden.

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungsschemata für die Therapie des akuten akustischen Traumas:

Medikament / TherapieApplikationswegDosierungDauer / Hinweis
MethylprednisolonIntravenösTag 1: 125 mg, Tag 2: 80 mg, Tag 3: 40 mgAkuttherapie
PrednisonOral1 mg/kg (max. 60 mg/Tag)Für 1 bis 2 Wochen
DexamethasonIntratympanal24 mg/mLWöchentlich, bis zu 3 Injektionen
Hyperbare SauerstofftherapieInhalativ200-280 kPa für 120 MinutenTäglich für 10 Tage (als Salvage-Therapie)

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor der Verwendung von topischen Ohrentropfen, die Aminoglykoside (wie Neomycin) enthalten, da diese bei einer möglichen Trommelfellperforation ototoxisch wirken können. Zudem wird betont, dass eine weitere Lärmexposition strikt vermieden werden muss, insbesondere wenn der Hörverlust von Schwindel begleitet wird, um Risiken beim Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen zu minimieren.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass eine frühzeitige systemische Steroidtherapie innerhalb der ersten 24 bis 72 Stunden die Prognose des Hörverlusts signifikant verbessert. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Standard-Audiogramme bis 8 kHz ein akutes akustisches Trauma übersehen können, weshalb eine Hochfrequenzaudiometrie bis 16 kHz durchgeführt werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie definiert das akute akustische Trauma durch eine plötzliche Schallempfindungsschwerhörigkeit nach einem kurzen, intensiven Impulslärm von über 140 dB. Im Gegensatz dazu entsteht eine chronische Lärmschwerhörigkeit durch längere Exposition bei 100 bis 120 dB.

Es wird häufig ein Hochtonhörverlust mit einer Senke zwischen 2 und 6 kHz beobachtet. Die Leitlinie weist darauf hin, dass der stärkste Hörverlust oft bei 6 kHz auftritt, während sich die Werte bei 8 kHz wieder erholen können.

Gemäß den Empfehlungen ist eine sofortige Überweisung bei Verdacht auf eine Felsenbeinfraktur, eine Trommelfellperforation oder eine Fazialisparese indiziert. Auch bei anhaltender Sekretion oder wenn das einzig hörende Ohr betroffen ist, wird eine fachärztliche Vorstellung empfohlen.

OAEs werden als objektives und sensitives Verfahren zur Beurteilung der äußeren Haarzellen empfohlen. Sie sind laut Leitlinie besonders hilfreich, um eine Aggravation oder Simulation von Hörverlusten nach einem Explosionstrauma aufzudecken.

Die hyperbare Sauerstofftherapie wird als Salvage-Therapie (Rettungstherapie) in Betracht gezogen, wenn die initiale Behandlung mit Glukokortikoiden keine Besserung bringt. Es wird ein Beginn innerhalb eines Monats nach dem Trauma empfohlen.

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Quelle: StatPearls: Acute Acoustic Trauma (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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