IQWiG-Leitliniensynopse (2018): Aktualisierungsbedarf für das DMP KHK
Wichtigste Änderungen
- Einführung des Marburger Herz-Scores zur Bestimmung der Vortestwahrscheinlichkeit bei Brustschmerz.
- Neue Themenfelder identifiziert: Monitoring/Follow-up und spezielle Formen der Angina.
- Anpassungen bei der medikamentösen Therapie, u. a. ACE-Hemmer nach Myokardinfarkt und Clopidogrel bei ASS-Unverträglichkeit.
- Betonung der gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) im Herz-Team bei komplexer KHK.
Das IQWiG hat 44 aktuelle Leitlinien analysiert, um den Aktualisierungsbedarf für die Disease-Management-Programm-Anforderungen-Richtlinie (DMP-A-RL) zur koronaren Herzkrankheit (KHK) zu ermitteln. Dabei wurden konkrete Änderungsbedarfe in drei Versorgungsaspekten sowie völlig neue Themenfelder identifiziert.
Was hat sich geändert?
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:
- Neue Versorgungsaspekte: Monitoring und Follow-up sowie spezielle Formen der Angina (mikrovaskulär, refraktär, vasospastisch) wurden als neue, bisher nicht in der DMP-A-RL adressierte Themen identifiziert.
- Diagnostik: Zur Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer stenosierenden KHK bei Brustschmerz wird der Marburger Herz-Score empfohlen.
- Medikamentöse Therapie: Konkretisierungen bei der Thrombozytenaggregationshemmung (z. B. Clopidogrel bei ASS-Unverträglichkeit) und dem Einsatz von ACE-Hemmern.
- Therapieplanung: Stärkere Betonung von Risikoscores zur Prognoseabschätzung und der gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making), insbesondere im Herz-Team.
Neue Empfehlungen im Detail
Diagnostik und Risikostratifizierung
Die Synopse zeigt, dass die Diagnostik strukturierter erfolgen sollte:
- Marburger Herz-Score: Auf hausärztlicher Ebene soll dieser Score genutzt werden, um die Wahrscheinlichkeit einer stenosierenden KHK bei Brustschmerzpatienten einzuschätzen.
- Ruhe-Echokardiografie: Wird nun allen Patienten mit bekannter oder vermuteter KHK empfohlen (u. a. zum Ausschluss alternativer Ursachen und zur Messung der linksventrikulären Ejektionsfraktion).
- Risikoscores: Zur Prognoseabschätzung bei stabiler KHK oder akutem Koronarsyndrom sollen etablierte Risikomodelle/Scores verwendet werden.
Medikamentöse Therapie
Im Bereich der medikamentösen Therapie ergaben sich Abweichungen und Ergänzungen zur bisherigen DMP-A-RL:
| Aspekt | Bisherige DMP-A-RL | Neue Leitlinienempfehlung |
|---|---|---|
| ASS-Unverträglichkeit | Keine spezifische Vorgabe | Clopidogrel soll als Medikament zweiter Wahl eingesetzt werden. |
| ACE-Hemmer | In der frühen Postinfarktphase (4-6 Wochen) indiziert | Sollen bei instabiler Angina oder nach akutem Myokardinfarkt (auch langfristig) gegeben werden. |
| Triple-Therapie | Individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung | Klare zeitliche Begrenzungen (z. B. 1-6 Monate) je nach Stent-Typ und Blutungsrisiko, um das Blutungsrisiko zu minimieren. |
Therapieplanung und Kooperation
- Herz-Team: Die Entscheidung für eine bestimmte Intervention bei komplexer KHK oder Hauptstammstenosen soll interdisziplinär im Herz-Team getroffen werden.
- Behandlungsplan: Patienten sollen einen detaillierten, evidenzbasierten Behandlungsplan erhalten, der Medikation, Follow-up und Lebensstiländerungen umfasst.
Neue Themenfelder: Follow-up und spezielle Angina-Formen
Das IQWiG identifizierte Themen, die bisher in der DMP-A-RL fehlen:
- Monitoring und Follow-up: Patienten mit stabiler KHK und nach Revaskularisation sollen mindestens einmal jährlich zu einem Follow-up eingeladen werden (im ersten Jahr alle 4-6 Monate).
- Spezielle Angina-Formen: Leitlinien geben nun spezifische Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie der mikrovaskulären, refraktären und vasospastischen Angina.
Was bleibt gleich?
Die grundlegenden Therapieziele und die Bedeutung der Lebensstilmodifikation (Raucherentwöhnung, körperliche Aktivität, Ernährung) bleiben bestehen. Auch die Empfehlungen zur kardiologischen Rehabilitation und die zentralen Säulen der medikamentösen Sekundärprävention (Statine, Betablocker) gelten weiterhin als Fundament der KHK-Behandlung. Es wurden keine Gliederungspunkte der bisherigen DMP-A-RL identifiziert, die durch die neuen Leitlinien für obsolet erklärt wurden.
Praxis-Tipp
Nutzen Sie den Marburger Herz-Score in der hausärztlichen Praxis zur strukturierten Abklärung von Brustschmerz und etablieren Sie feste Follow-up-Termine (mindestens jährlich) für Ihre KHK-Patienten.
Häufig gestellte Fragen
KI-generierte Zusammenfassung basierend auf Inhalten von IQWiG. Alle Rechte liegen beim Herausgeber. Originaldokument ansehen→
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