IDSA-Leitlinien-Update 2026: Diagnostik komplizierter intraabdomineller Infektionen
Wichtigste Änderungen
- Klare Bevorzugung der CT als initiale Bildgebung bei Erwachsenen mit Verdacht auf Appendizitis, Divertikulitis oder Abszess.
- Ultraschall wird als primäre Bildgebung bei Kindern und Schwangeren mit Verdacht auf Appendizitis empfohlen.
- Blutkulturen sollen nur bei Sepsis-Zeichen (Hypotonie, Tachypnoe, Delir) oder Risiko für resistente Erreger abgenommen werden.
- Verzicht auf routinemäßige intraabdominelle Kulturen bei unkomplizierter Appendizitis.
Die Infectious Diseases Society of America (IDSA) hat den ersten Teil ihres Updates zur Diagnose und zum Management komplizierter intraabdomineller Infektionen (cIAI) veröffentlicht. Der Fokus liegt auf Risikobewertung, Bildgebung und mikrobiologischer Diagnostik.
Was hat sich geändert?
- Risikostratifizierung: Der APACHE-II-Score wird nun explizit für Erwachsene zur Einschätzung der Mortalität empfohlen.
- Bildgebung nach Patientengruppe: Klare Trennung der initialen Bildgebungspfade für Erwachsene (meist CT) im Vergleich zu Kindern und Schwangeren (primär Ultraschall).
- Blutkulturen: Gezielterer Einsatz; keine Routineabnahme bei immunkompetenten Patienten ohne Sepsis-Zeichen.
- Intraabdominelle Kulturen: Klare Empfehlung gegen Routinekulturen bei unkomplizierter Appendizitis.
Neue Empfehlungen im Detail
Risikostratifizierung
Für Erwachsene mit komplizierter intraabdomineller Infektion wird der APACHE-II-Score zur Risikostratifizierung innerhalb der ersten 24 Stunden nach Aufnahme empfohlen (bedingte Empfehlung). Alternativ kann der WSES Sepsis Severity Score verwendet werden. Für Kinder gibt es derzeit keinen empfohlenen spezifischen Score.
Bildgebung bei Verdacht auf Appendizitis
Die Wahl der Bildgebung richtet sich stark nach der Patientengruppe:
| Aspekt | Bisher | Neu |
|---|---|---|
| Appendizitis (Erwachsene) | Keine formelle Bevorzugung | CT als initiale Bildgebung |
| Appendizitis (Kinder) | Keine formelle Bevorzugung | Ultraschall als initiale Bildgebung, bei unklarem Befund MRT/CT |
| Appendizitis (Schwangere) | Keine formelle Bevorzugung | Ultraschall als initiale Bildgebung, bei unklarem Befund MRT |
Bildgebung bei weiteren Infektionen
Für die weiteren häufigen intraabdominellen Infektionen gelten nun folgende primäre Diagnosepfade:
| Aspekt | Bisher | Neu |
|---|---|---|
| Cholezystitis / Cholangitis (Erwachsene) | Keine formelle Bevorzugung | Ultraschall als initiale Bildgebung |
| Divertikulitis (Erwachsene) | Keine formelle Bevorzugung | CT als initiale Bildgebung |
| Intraabdomineller Abszess (Erwachsene) | Keine formelle Bevorzugung | CT als initiale Bildgebung |
| Intraabdomineller Abszess (Kinder) | Keine formelle Bevorzugung | Ultraschall als initiale Bildgebung |
Mikrobiologische Diagnostik: Blut- und Flüssigkeitskulturen
Die Leitlinie schränkt die ungerichtete Abnahme von Kulturen ein, um Überdiagnostik und unnötige Breitbandantibiose zu vermeiden.
Blutkulturen sollen abgenommen werden bei:
- Erhöhter Temperatur UND Sepsis-Zeichen (Hypotonie, Tachypnoe, Delir).
- Sorge vor antibiotikaresistenten Erregern (z. B. vorherige Antibiose, Kolonisation, Immunsuppression).
- Ohne diese Kriterien wird von einer routinemäßigen Abnahme abgeraten (bedingte Empfehlung).
Intraabdominelle Kulturen (Flüssigkeit/Abstrich):
- Empfohlen: Bei komplizierten intraabdominellen Infektionen während der chirurgischen Sanierung (Source Control).
- Nicht empfohlen: Bei unkomplizierter Appendizitis während der Appendektomie (bedingte Empfehlung).
Was bleibt gleich?
Die grundlegende Definition der komplizierten intraabdominellen Infektion (cIAI) bleibt bestehen: Sie erstreckt sich weiterhin über das Hohlorgan hinaus in den Peritonealraum und ist mit einer Peritonitis (mit oder ohne Abszess) assoziiert. Auch die Bedeutung der raschen chirurgischen oder interventionellen Herdsanierung (Source Control) als Basis der Therapie bleibt unangefochten.
Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei unkomplizierter Appendizitis auf routinemäßige intraabdominelle Abstriche und setzen Sie Blutkulturen gezielt nur bei Sepsis-Kriterien oder Resistenzrisiko ein.
Häufig gestellte Fragen
KI-generierte Zusammenfassung basierend auf Inhalten von IDSA. Alle Rechte liegen beim Herausgeber. Originaldokument ansehen→
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