S3-Leitlinie Palliativmedizin bei Krebs (2026): Die wichtigsten Neuerungen
Wichtigste Änderungen
- Steroide sollen bei Atemnot nicht mehr routinemäßig eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A).
- Psychostimulanzien (Methylphenidat, Modafinil) werden bei Fatigue nicht mehr empfohlen.
- Topische und systemische Tranexamsäure wird zur Blutstillung bei malignen Wunden empfohlen.
- Routinemäßige Blutbildkontrollen bei Metamizol-Gabe entfallen nach neuer EMA-Bewertung.
- Neue eigenständige Kapitel zu den Themen 'Angehörige' und 'Spiritualität'.
Die S3-Leitlinie „Palliativmedizin für Patient:innen mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung“ wurde 2026 umfassend aktualisiert. Neben der Einführung einer gendersensiblen Sprache (Patient:innen) wurden zwei komplett neue Kapitel hinzugefügt und wichtige medikamentöse Empfehlungen aufgrund neuer Evidenz revidiert.
Was hat sich geaendert?
- Steroide bei Atemnot: Starke Negativ-Empfehlung gegen den routinemäßigen Einsatz.
- Psychostimulanzien bei Fatigue: Modafinil und Methylphenidat werden nicht mehr empfohlen.
- Metamizol: Routinemäßige Blutbildkontrollen zur Agranulozytose-Früherkennung entfallen nach neuer EMA-Bewertung.
- Maligne Wunden: Topische und systemische Tranexamsäure wird zur Blutstillung empfohlen.
- Neue Kapitel: „Angehörige“ und „Spiritualität“ wurden als eigenständige, umfassende Kapitel neu aufgenommen.
Neue Empfehlungen im Detail
Atemnot: Paradigmenwechsel bei Steroiden
Bisher wurden Steroide in der Praxis häufig zur symptomatischen Therapie der Atemnot eingesetzt. Die neue Leitlinie spricht sich nun strikt gegen diesen routinemäßigen Einsatz aus, da aktuelle Studien keinen signifikanten Nutzen, aber relevante Nebenwirkungen zeigen.
| Aspekt | Bisher (2019) | Neu (2026) |
|---|---|---|
| Steroide bei Atemnot | Kann erwogen werden (Empfehlungsgrad 0) | Sollen nicht behandelt werden (Empfehlungsgrad A) |
Ausnahme: Bei spezifischen Indikationen wie einer Lymphangiosis carcinomatosa oder einer tumorbedingten Atemwegsobstruktion kann ein Therapieversuch mit Dexamethason weiterhin individuell nützlich sein.
Fatigue: Keine Psychostimulanzien mehr
Auch bei der medikamentösen Behandlung der tumorbedingten Fatigue gab es eine Neubewertung. Die ASCO-Leitlinie 2024 folgend, rät die deutsche Leitlinie nun vom Einsatz wachheitsfördernder Medikamente ab.
| Aspekt | Bisher (2019) | Neu (2026) |
|---|---|---|
| Methylphenidat | Kann erwogen werden (Empfehlungsgrad 0) | Sollte nicht routinemäßig erfolgen (Empfehlungsgrad B) |
| Modafinil | Kann erwogen werden (Empfehlungsgrad 0) | Sollte nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B) |
Der Fokus der Fatigue-Behandlung liegt weiterhin auf nicht-medikamentösen Verfahren wie aerobem Ausdauer- und Krafttraining sowie psychoedukativen Interventionen (Empfehlungsgrad B).
Tumorschmerz und Metamizol
Metamizol bleibt ein wichtiger Baustein der Schmerztherapie. Die Leitlinie greift jedoch die EMA-Risikobewertung von 2024 zur Agranulozytose auf: Eine routinemäßige Kontrolle des Blutbildes bietet keinen Nutzen für die Früherkennung und wird nicht länger empfohlen. Stattdessen ist die klinische Aufklärung der Patient:innen über Warnsymptome (Fieber, Halsschmerzen, Schleimhautläsionen) essenziell.
Zudem bestätigt die Leitlinie, dass bei der Einstellung von opioidnaiven Patient:innen der direkte Wechsel auf niedrig dosierte starke Opioide (Stufe III) eine gleichwertige Alternative zu schwachen Opioiden (Stufe II) darstellt.
Maligne Wunden: Blutungsmanagement
Bei stärkeren Blutungen aus malignen Wunden empfiehlt die Leitlinie nun explizit den Einsatz von Antifibrinolytika (Tranexamsäure). Diese können sowohl systemisch (oral/i.v.) als auch lokal (z. B. als getränkte Kompressen) eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B).
Neue Kapitel: Angehoerige und Spiritualitaet
Die Leitlinie 2026 trägt der ganzheitlichen Palliativversorgung durch zwei neue Hauptkapitel Rechnung:
- Angehörige (Kapitel 7): Angehörige werden in ihrer Doppelrolle als „Sorgende“ und „Betroffene“ anerkannt. Die Leitlinie fordert ein systematisches Screening ihrer Belastungen (z. B. mittels CAREPAL-Fragebogen) und bedarfsadaptierte psychoedukative Unterstützung.
- Spiritualität (Kapitel 19): Spirituelle Bedürfnisse (Spiritual Needs) sollen initial und im Verlauf routinemäßig erfasst werden. Personenzentrierte Verfahren (z. B. würdezentrierte Therapie, Biografiearbeit) sollten bei spiritueller Belastung angeboten werden (Empfehlungsgrad B).
Was bleibt gleich?
Die Grundprinzipien der Symptomkontrolle und das WHO-Stufenschema zur Schmerztherapie behalten ihre Gültigkeit. Starke Opioide wie Morphin, Oxycodon und Hydromorphon bleiben die Mittel der ersten Wahl bei mittelstarken bis starken Tumorschmerzen. Auch die zentrale Bedeutung der multiprofessionellen Teamarbeit und der vorausschauenden Versorgungsplanung (Advance Care Planning) wird weiterhin als Fundament der Palliativmedizin bestätigt.
Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei der Verordnung von Metamizol auf routinemäßige Blutbildkontrollen zur Agranulozytose-Früherkennung; klären Sie Ihre Patient:innen stattdessen gezielt über klinische Warnsymptome wie Fieber und Halsschmerzen auf.
Häufig gestellte Fragen
KI-generierte Zusammenfassung basierend auf Inhalten von DGPPN. Alle Rechte liegen beim Herausgeber. Originaldokument ansehen→
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S3-Leitlinie Palliativmedizin 2026 Update