S3-Leitlinie Infarkt-bedingter kardiogener Schock (DGK, 2020)
Wichtigste Änderungen
- Bevorzugung von Medikamenten-beschichteten Stents (DES) bei der primären PCI.
- Bei Mehrgefäßerkrankungen wird im Akutstadium nur die Infarktarterie ('culprit lesion') behandelt.
- Die intraaortale Ballonpumpe (IABP) wird bei Pumpversagen nicht mehr empfohlen.
- Invasive Beatmung wird gegenüber der nicht-invasiven Beatmung bevorzugt (Ziel-SaO2 94–98 %).
- Ernährungspause bei unkontrolliertem Schock und strikter Verzicht auf Glutamin-Substitution.
Was hat sich geändert?
- Stent-Wahl: Medikamenten-beschichtete Stents (DES) werden bei der pPCI bevorzugt.
- Mehrgefäßerkrankung: Es wird ausschließlich die Infarktarterie ("culprit lesion") behandelt.
- Mechanische Unterstützung: Die intraaortale Ballonpumpe (IABP) wird bei Schock infolge Pumpversagens nicht mehr empfohlen.
- Beatmung: Invasive Beatmung wird der nicht-invasiven vorgezogen (Ziel-SaO2 94–98 %).
- Ernährung: Bei unkontrolliertem Schock wird eine Ernährungspause empfohlen; keine Glutamin-Substitution.
Neue Empfehlungen im Detail
Revaskularisation und Stenting
Die primäre perkutane Koronarintervention (pPCI) bleibt der Goldstandard. Neu ist die klare Empfehlung für Medikamenten-beschichtete Stents (DES). Bei Patienten mit koronarer Mehrgefäßerkrankung soll im Rahmen der Akutrevaskularisation nur die infarktverursachende Läsion ("culprit lesion") behandelt werden. Dies basiert auf den Ergebnissen der CULPRIT-SHOCK-Studie, die einen klaren Vorteil für dieses Vorgehen zeigte.
| Aspekt | Bisher | Neu |
|---|---|---|
| Stent-Typ | BMS oder DES | Bevorzugung von DES |
| Mehrgefäßerkrankung | Ggf. Mehrgefäß-PCI | Nur "culprit lesion" |
Mechanische Kreislaufunterstützung
Ein Paradigmenwechsel betrifft die intraaortale Ballonpumpe (IABP). Aufgrund der Ergebnisse der IABP-SHOCK II-Studie wird der Einsatz der IABP bei kardiogenem Schock infolge Pumpversagens nicht mehr empfohlen (Starke Ablehnung).
Temporäre mechanische Unterstützungssysteme (TMU, z. B. Impella, VA-ECMO) können bei ausgewählten Patienten als "Kann"-Empfehlung unter strengen Voraussetzungen (z. B. im Herz-Team evaluiertes Therapieziel, Registereinschluss) erwogen werden.
Beatmung und Intensivtherapie
Bei respiratorischer Insuffizienz soll der invasiven Beatmung der Vorzug gegeben werden, da sie konstante respiratorische Konditionen bietet und die Atemarbeit reduziert.
- Ziel-Sauerstoffsättigung (SaO2): 94–98 %
- Beatmungsmuster: Lungenprotektiv (Spitzendruck max. 30 mbar, Tidalvolumen 6–8 ml/kg)
Zudem wird bei unkontrolliertem Schock eine Ernährungspause empfohlen. Auf eine enterale oder parenterale Glutamin-Substitution ist komplett zu verzichten.
Was bleibt gleich?
Die rasche Diagnosestellung und unverzügliche Revaskularisation (Kontakt-Ballon-Zeit unter 90 min bei initialem Schock) bleiben essenziell. Die medikamentöse Kreislaufunterstützung erfolgt weiterhin primär mit Dobutamin (Inotropikum) und Noradrenalin (Vasopressor). Dopamin wird weiterhin stark abgelehnt. Auch das erweiterte hämodynamische Monitoring (z. B. HZV-Messung) bleibt Standard bei persistierendem Schock.
Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei Schock durch Pumpversagen auf die IABP und beschränken Sie die Akut-PCI bei Mehrgefäßerkrankungen strikt auf die Culprit-Lesion.
Häufig gestellte Fragen
KI-generierte Zusammenfassung basierend auf Inhalten von DGK. Alle Rechte liegen beim Herausgeber. Originaldokument ansehen→
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