Cochrane-Review 2023: Hormonelle Kontrazeption und COVID-19
Wichtigste Änderungen
- Erste systematische Auswertung: Keine vergleichenden Studien belegen ein erhöhtes Thromboembolie-Risiko durch hormonelle Kontrazeption bei COVID-19.
- Die Anwendung kombinierter hormoneller Kontrazeptiva hat keinen signifikanten Einfluss auf die Mortalität bei COVID-19.
- Das Hospitalisierungsrisiko könnte für Anwenderinnen mit einem BMI unter 35 kg/m2 sogar leicht gesenkt sein.
- Es besteht ein erheblicher Mangel an qualitativ hochwertigen Daten zu spezifischen Präparaten und Hormondosierungen.
Der neue Cochrane-Review (2023) untersucht als Erstveröffentlichung (Living Systematic Review) die Frage, ob die Anwendung hormoneller Kontrazeptiva bei einer COVID-19-Infektion das Risiko für Thromboembolien oder schwere Krankheitsverläufe erhöht. Da sowohl COVID-19 als auch hormonelle Verhütungsmittel unabhängige Risikofaktoren für Thrombosen darstellen, bestand in der Praxis große Verunsicherung.
Was hat sich geaendert?
Da es sich um eine Erstveröffentlichung handelt, definieren die Ergebnisse den aktuellen evidenzbasierten Ausgangspunkt:
- Kein nachweisbares Thromboembolie-Risiko: Es gibt bislang keine vergleichenden Studien, die ein erhöhtes Risiko für venöse oder arterielle Thromboembolien bei COVID-19-Patientinnen unter hormoneller Kontrazeption belegen.
- Keine erhöhte Mortalität: Die Nutzung kombinierter hormoneller Kontrazeptiva zeigt keinen Effekt auf die Sterblichkeit (OR 1.00).
- Hospitalisierung: Bei Frauen mit einem BMI unter 35 kg/m2 könnte die Hospitalisierungsrate unter kombinierter hormoneller Kontrazeption sogar leicht reduziert sein.
- Datenlücken: Es fehlen detaillierte Daten zu spezifischen Hormondosierungen und Präparate-Arten.
Neue Empfehlungen im Detail
Die Autorinnen und Autoren schlossen drei nicht-randomisierte Interventionsstudien (NRSI) mit insgesamt 314.704 Teilnehmerinnen sowie zwei Fallserien ein. Die Qualität der Evidenz wird durchgehend als sehr niedrig eingestuft.
| Aspekt | Bisher | Neu |
|---|---|---|
| Thromboembolie-Risiko | Unklar (theoretisches Risiko) | Keine vergleichenden Studien vorhanden (Evidenz sehr niedrig) |
| Mortalität | Unklar | Kein Effekt nachweisbar (OR 1.00) |
| Hospitalisierung (BMI < 35) | Unklar | Möglicherweise leicht gesenkt (OR 0.79) |
| Intubation | Unklar | Kein nachweisbarer Effekt |
Thromboembolien: Das primäre Ziel des Reviews konnte aufgrund fehlender vergleichender Studien nicht abschließend beantwortet werden. Lediglich in Fallserien wurden vereinzelte Thrombose-Fälle bei Anwenderinnen hormoneller Kontrazeptiva beschrieben, was jedoch keine statistischen Rückschlüsse zulässt.
Krankheitsschwere und Mortalität: Die vorliegenden Daten weisen darauf hin, dass hormonelle Kontrazeptiva keinen großen Effekt auf das Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs haben. Weder die Intubationsrate noch die Sterblichkeit waren in den untersuchten Kohorten signifikant erhöht.
Was bleibt gleich?
Die grundsätzliche klinische Vorsicht bleibt bestehen. Die Evidenz ist von sehr niedriger Qualität und weist ein hohes Verzerrungsrisiko auf. Wichtige Confounder wie Alter, Adipositas, vorausgegangene venöse Thromboembolien oder eine kürzliche Schwangerschaft müssen in zukünftigen Studien besser kontrolliert werden. Bis dahin gibt es jedoch keine Evidenz, die ein routinemäßiges Absetzen der hormonellen Kontrazeption bei einer COVID-19-Infektion rechtfertigt.
Praxis-Tipp
Bisherige Daten rechtfertigen kein routinemäßiges Absetzen der hormonellen Kontrazeption bei einer COVID-19-Infektion, da kein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe nachweisbar ist.
Häufig gestellte Fragen
KI-generierte Zusammenfassung basierend auf Inhalten von Cochrane. Alle Rechte liegen beim Herausgeber. Originaldokument ansehen→
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