StatPearls2026

Zahnavulsion: Replantation, Lagerung und Schienung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die StatPearls-Leitlinie behandelt das dentoalveoläre Trauma, welches von einfachen Kontusionen bis zur vollständigen Dislokation eines Zahns aus seiner Alveole (Zahnavulsion) reicht. Eine Avulsion erfordert in der Regel eine erhebliche Gewalteinwirkung, weshalb Begleitverletzungen der umgebenden Strukturen häufig sind.

Am häufigsten sind Kinder im Alter von 7 bis 11 Jahren betroffen, wobei Jungen doppelt so oft Verletzungen erleiden wie Mädchen. Die Verletzungen betreffen meist die bleibenden Zähne, insbesondere die mittleren oberen Schneidezähne.

Die Pathophysiologie beruht auf einem Riss der parodontalen Ligamentfasern (PDL). Eine rasche Austrocknung dieser Fasern an der Luft kann selbst nach erfolgreicher Replantation zu einer knöchernen Resorption der Zahnwurzel und letztlich zum Zahnverlust führen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte für das Management einer Zahnavulsion:

Diagnostik

Laut Leitlinie wird eine detaillierte Anamnese bezüglich der Zeit seit der Avulsion, des verwendeten Lagerungsmediums und der Art des Zahns (Milchzahn oder bleibender Zahn) empfohlen. Bei der körperlichen Untersuchung sollte die Alveole auf Fremdkörper und Zahnfragmente geprüft werden.

Es wird der Einsatz von intra- und extraoralen Röntgenaufnahmen oder CT-Scans empfohlen, um Frakturen zu beurteilen. Falls der Zahn nicht auffindbar ist, muss laut Leitlinie eine Intrusion, ein Verschlucken oder eine Aspiration ausgeschlossen werden.

Prä-Replantation und Lagerung

Die Leitlinie betont, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit der parodontalen Zellen durch die richtige Lagerung verlängert wird. Es wird empfohlen, den Zahn in einem isotonischen Medium zu lagern:

  • Milch wird als primäres Lagerungsmedium empfohlen (hohe Verfügbarkeit, optimaler pH-Wert und Osmolarität)

  • Speichel oder physiologische Kochsalzlösung gelten als Alternativen

  • Leitungswasser wird aufgrund der niedrigen Osmolalität als schädlich eingestuft

Zusätzlich wird eine anti-resorptive Therapie vor der Replantation beschrieben. Dabei wird der Zahn in einer antibiotikahaltigen Lösung gebadet, um Entzündungen durch nekrotische Zellen zu verhindern.

Replantation und Schienung

Die Replantation ist die Therapie der Wahl und sollte idealerweise innerhalb von 30 Minuten erfolgen (höchste Überlebenswahrscheinlichkeit). Nach 30 bis 60 Minuten gelten die PDL-Zellen als irreversibel geschädigt.

Nach der anatomischen Reposition wird eine Immobilisation empfohlen:

  • Verwendung einer flexiblen oder semi-rigiden Schiene (z. B. Titanium-Trauma-Splint)

  • Schienungsdauer von 2 Wochen bei regulärer Avulsion

  • Schienungsdauer von 4 Wochen, wenn die extraorale Trockenzeit 60 Minuten überschreitet

Bei einer Trockenzeit von über 60 Minuten wird empfohlen, das verbleibende parodontale Ligament vor der Replantation vollständig zu entfernen. Dies kann laut Leitlinie durch sanftes Scaling, Bimsstein-Prophylaxe oder ein dreiminütiges Einlegen in 3%ige Zitronensäure erfolgen, gefolgt von einer Fluoridbehandlung.

Nachsorge und medikamentöse Therapie

Es wird eine systemische Antibiotikagabe empfohlen, um Infektionen und Resorptionen vorzubeugen. Zudem sollte der Tetanusschutz überprüft und gegebenenfalls aufgefrischt werden.

Für die häusliche Pflege wird eine weiche Kost für mindestens zwei Wochen empfohlen. Die Leitlinie rät zudem zu einer zweimal täglichen Mundspülung mit Chlorhexidin 0,12 %.

Die klinische und radiologische Nachkontrolle sollte strukturiert erfolgen:

  • Entfernung der Schiene nach 2 Wochen inklusive Vitalitätstest (Pulsoxymetrie oder elektrischer Test)

  • Röntgenkontrollen nach 1, 3 und 6 Monaten

  • Bei fehlender Vitalität oder sichtbarer Resorption ist eine Wurzelkanalbehandlung indiziert

Dosierung

Die Leitlinie nennt spezifische Dosierungen für die systemische und topische medikamentöse Therapie:

Medikament / WirkstoffDosierungIndikation / Anwendung
Doxycyclin (systemisch)Erwachsene: Standarddosierung für 5 TageSystemische Infektionsprophylaxe nach Replantation
Doxycyclin (systemisch)Kinder < 50 kg: 100 mg an Tag 1, danach 50 mg für 4 TageSystemische Infektionsprophylaxe nach Replantation
Amoxicillin (systemisch)StandarddosierungAlternative bei Doxycyclin-Unverträglichkeit
Doxycyclin + Dexamethason (topisch)800 µg Doxycyclin + 640 µg Dexamethason für 20 MinutenAnti-resorptive Therapie (Einlegen des Zahns vor Replantation)
Chlorhexidin 0,12 %2x täglich spülenTopische Infektionsprophylaxe nach Replantation

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Milchzähne: Ausgeschlagene Milchzähne dürfen nicht replantiert werden, da dies den Keim des bleibenden Zahns schädigen kann.

  • Leitungswasser: Die Lagerung des Zahns in Leitungswasser ist kontraindiziert, da die niedrige Osmolalität die Zellen des parodontalen Ligaments zerstört.

  • Rigide Schienen: Es wird vor der Verwendung starrer Schienen gewarnt, da diese häufiger zu Resorptionen und Ankylosen führen als semi-rigide Schienen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, ausgeschlagene Milchzähne zu replantieren, da dies zu schweren Schäden am darunterliegenden Keim des bleibenden Zahns führen kann. Zudem wird betont, dass die extraorale Trockenzeit der kritischste Prognosefaktor ist; Leitungswasser ist aufgrund der niedrigen Osmolalität als Transportmedium ungeeignet und sollte zugunsten von Milch oder physiologischer Kochsalzlösung vermieden werden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird Milch aufgrund der guten Verfügbarkeit, des passenden pH-Werts und der enthaltenen Nährstoffe als primäres Lagerungsmedium empfohlen. Leitungswasser sollte zwingend vermieden werden, da es die parodontalen Zellen schädigt.

Es wird standardmäßig eine flexible Schienung für zwei Wochen empfohlen. Wenn die extraorale Trockenzeit des Zahns jedoch 60 Minuten überschreitet, rät die Leitlinie zu einer verlängerten Schienungsdauer von vier Wochen.

Die Leitlinie rät strikt von der Replantation von Milchzähnen ab. Ein Wiedereinsetzen birgt ein hohes Risiko, den darunterliegenden Keim des bleibenden Zahns dauerhaft zu schädigen.

Es wird eine systemische Gabe von Doxycyclin für fünf Tage empfohlen, wobei für Kinder unter 50 kg ein angepasstes Dosierungsschema gilt. Bei einer Unverträglichkeit kann laut Leitlinie auf Amoxicillin ausgewichen werden.

Bei einer Trockenzeit von über 60 Minuten gelten die parodontalen Zellen als irreversibel geschädigt. Die Leitlinie empfiehlt in diesem Fall, das restliche Ligament vor der Replantation chemisch oder mechanisch zu entfernen und den Zahn mit Fluorid zu behandeln.

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Quelle: StatPearls: Avulsed Tooth (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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