StatPearls2026

Unterkieferfraktur: Diagnostik, Therapie, OP-Indikation

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die StatPearls-Leitlinie behandelt die Diagnostik und Therapie von Unterkieferfrakturen. Diese gehören neben Nasenbein- und Jochbeinfrakturen zu den häufigsten Gesichtsfrakturen und entstehen meist durch Traumata wie Verkehrsunfälle oder körperliche Auseinandersetzungen.

Aufgrund der ringförmigen Struktur des Unterkiefers treten in über 50 Prozent der Fälle multiple Frakturen auf. Häufig betroffene Regionen sind der Corpus mandibulae, der Kondylus und der Kieferwinkel.

Die Leitlinie betont, dass bei Unterkieferfrakturen häufig Begleitverletzungen vorliegen. Dazu zählen insbesondere Schädel-Hirn-Traumata, Risswunden im Kopf-Hals-Bereich sowie Verletzungen der Halswirbelsäule.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung von Unterkieferfrakturen:

Klinische Untersuchung und Diagnostik

Laut Leitlinie wird eine sorgfältige intraorale und extraorale Untersuchung empfohlen. Ein sublinguales Hämatom gilt dabei als starker Hinweis auf eine okkulte Fraktur.

Zur Überprüfung der dentalen Okklusion wird die Angle-Klassifikation herangezogen:

KlasseBeschreibung
Klasse I (Normalokklusion)Mesiobukkalhöcker des ersten oberen Molaren greift in die bukkale Furche des ersten unteren Molaren
Klasse II (Überbiss)Mesiobukkalhöcker des ersten oberen Molaren liegt mesial (anterior) der bukkalen Furche
Klasse III (Unterbiss)Mesiobukkalhöcker des ersten oberen Molaren liegt distal (posterior) der bukkalen Furche

Als schnelles diagnostisches Mittel wird der Zungenspatel-Beißtest beschrieben. Für die bildgebende Diagnostik empfiehlt die Leitlinie:

  • Mandibula-Zielaufnahmen zur Beurteilung von Kondylen und Collum mandibulae

  • Panoramaschichtaufnahme (Panorex) für Symphyse und Corpus mandibulae

  • Computertomographie bei Verdacht auf weitere Gesichtsfrakturen

  • Röntgen-Thorax bei bewusstlosen Patienten mit fehlenden Zähnen zum Ausschluss einer Aspiration

Akutversorgung und medikamentöse Therapie

Die initiale Behandlung fokussiert sich auf lebensbedrohliche Verletzungen, die Sicherung der Atemwege und den Schutz der Halswirbelsäule. Bis zum Ausschluss einer Verletzung wird die Einhaltung von Halswirbelsäulen-Vorsichtsmaßnahmen empfohlen.

Frakturen mit Beteiligung von Schleimhaut, Gingiva oder Zahnfächern werden als offene Frakturen klassifiziert. Hier wird eine antibiotische Therapie zur Abdeckung anaerober Erreger sowie eine Tetanusprophylaxe empfohlen.

Konservative und operative Therapie

Lineare, nicht dislozierte Frakturen oder Grünholzfrakturen können laut Leitlinie oft ambulant mit weicher Kost und Analgetika behandelt werden. Bei der maxillomandibulären Fixation (MMF) werden Ober- und Unterkiefer vorübergehend verdrahtet, um die Fraktur zu stabilisieren.

Eine offene Reposition mit interner Fixation (ORIF) wird unter anderem in folgenden Situationen empfohlen:

  • Mangelnde Compliance oder Kontraindikationen für eine MMF

  • Trümmerfrakturen oder zahnlose Kieferabschnitte

  • Frakturen im Bereich des Kieferwinkels oder der Subkondylarregion

Für Kondylusfrakturen zitiert die Leitlinie die Kriterien nach Zide und Kent zur Indikationsstellung einer ORIF:

IndikationsartKriterien nach Zide und Kent
Absolute IndikationDislokation in die mittlere Schädelgrube, unzureichende Reposition durch MMF, laterale extrakapsuläre Dislokation, Fremdkörper im Kiefergelenk
Relative IndikationBilaterale Frakturen mit Trümmerfraktur des Mittelgesichts, Malokklusion in der Anamnese, zahnloser Patient, Splinting nicht empfohlen

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Eine nasotracheale Intubation darf nicht durchgeführt werden, wenn der Verdacht auf Mittelgesichts-, Nasen- oder vordere Schädelbasisfrakturen besteht.

  • Die maxillomandibuläre Fixation (MMF) ist bei Patienten mit hohem Aspirationsrisiko (z. B. bei Schwangerschaft, Anfallsleiden) oder bei mangelernährten Patienten kontraindiziert.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Bei Patienten, die mit einer maxillomandibulären Fixation (MMF) mittels Drähten versorgt werden, wird dringend empfohlen, stets einen Drahtschneider bereitzustellen. Dies ist essenziell, um die Fixation im Falle von Erbrechen sofort lösen zu können und eine lebensbedrohliche Aspiration zu verhindern.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie beschreibt den Zungenspatel-Beißtest als schnelles diagnostisches Werkzeug. Der Patient beißt auf einen Spatel, der dann gedreht wird; bei einer Fraktur öffnet der Patient schmerzbedingt den Mund.

Frakturen, die mit einer Verletzung der Schleimhaut, der Gingiva oder der Zahnfächer einhergehen, werden als offene Frakturen eingestuft. In diesen Fällen wird eine antibiotische Abschirmung gegen anaerobe Erreger empfohlen.

Durch die Fraktur kann der Nervus alveolaris inferior geschädigt werden. Dies äußert sich laut Leitlinie häufig durch eine Hypästhesie oder Anästhesie an der Unterlippe und am Kinn.

Für die Beurteilung von Symphyse und Corpus wird eine Panoramaschichtaufnahme empfohlen, während für Kondylen Mandibula-Zielaufnahmen genutzt werden. Bei Verdacht auf weitere Gesichtsfrakturen ist eine Computertomographie indiziert.

Ja, das Vorhandensein von unteren Weisheitszähnen erhöht das Risiko für eine Fraktur im Bereich des Kieferwinkels. Zudem ist bei diesen Patienten laut Leitlinie das Infektionsrisiko signifikant höher.

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Quelle: StatPearls: Mandible Fracture (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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