Unani-Medizin: Ausbildungsstandards und Curricula
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie zu Benchmarks für die Ausbildung in der Unani-Medizin etabliert globale Standards für Qualifikationen und Curricula. Unani-Medizin, auch als Graeco-Arabische Medizin bekannt, hat ihre Ursprünge im antiken Griechenland und wurde in der islamischen Zivilisation sowie in Südasien weiterentwickelt.
Das System basiert auf einer ganzheitlichen Philosophie, die Gesundheit als Gleichgewicht der vier Säfte (Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle) und der vier elementaren Qualitäten (heiß, kalt, trocken, feucht) betrachtet. Eine Krankheit wird als Ungleichgewicht dieser Faktoren oder als strukturelle Anomalie verstanden.
Die Leitlinie zielt darauf ab, politische Entscheidungsträger und Gesundheitsbehörden bei der Etablierung angemessener Trainingsprogramme zu unterstützen. Dadurch soll eine sichere und qualitativ hochwertige Praxis der Unani-Medizin weltweit gewährleistet werden.
Empfehlungen
Die WHO-Leitlinie formuliert detaillierte Anforderungen an die Ausbildung von Unani-Praktizierenden. Es werden verschiedene Trainingsstufen definiert, um unterschiedliche Vorbildungen zu berücksichtigen.
Grundausbildung (Typ I und II)
Für die Grundausbildung werden verschiedene Einstiegswege und Curricula beschrieben:
| Trainingsstufe | Zielgruppe | Mindestdauer |
|---|---|---|
| Typ I-A | Traditionelle Heiler (min. 5 Jahre Erfahrung) | 2500 h + 750 h Praktikum |
| Typ I-B | Absolventen paramedizinischer Wissenschaften | 2500 h + 750 h klinische Praxis |
| Typ I-C | Ärzte anderer medizinischer Systeme | 1500 h + 750 h klinische Praxis |
| Typ II | Personen ohne medizinische Vorkenntnisse | 4000 h (oder 5 Jahre) inkl. 1000 h Klinik |
Spezialisierung (Typ III und IV)
Für fortgeschrittene Praktizierende sieht die Leitlinie spezialisierte Programme vor.
Das Typ-III-Programm richtet sich an Typ-II-Praktizierende und umfasst theoretischen Unterricht, praktische Ausbildung und eine Forschungsarbeit. Das Typ-IV-Programm dient der interdisziplinären Forschung und Super-Spezialisierung.
Assistenzberufe
Die Leitlinie definiert zudem Ausbildungsstandards für das assoziierte Fachpersonal. Dazu gehören:
-
Unani-Therapeuten für die Durchführung von Regimen-Therapien
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Unani-Apotheker für die Herstellung und Abgabe von Medikamenten
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Unani-Pflegekräfte zur Unterstützung bei der stationären und ambulanten Versorgung
-
Unani-Gesundheitspädagogen zur Gesundheitsförderung
Patientensicherheit und Infektionsschutz
Ein zentraler Bestandteil aller Curricula ist die Vermittlung von Sicherheitsaspekten. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit der Patientensicherheit.
Es wird eine umfassende Schulung in den Bereichen Abfallmanagement und Infektionsprävention gefordert. Besondere Aufmerksamkeit gilt der sicheren Durchführung invasiver Eingriffe und der Sterilisation von Instrumenten.
Zudem müssen Praktizierende in der Erkennung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen und Interaktionen geschult werden. Entsprechende Vorfälle sind an nationale Pharmakovigilanz-Systeme zu melden.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist bei der Anwendung von Unani-Arzneimitteln ein besonderes Augenmerk auf mögliche Interaktionen mit konventionellen Medikamenten zu legen. Es wird betont, dass Praktizierende unerwünschte Wirkungen, insbesondere bei Präparaten mit mineralischen oder metallischen Bestandteilen, systematisch über nationale Pharmakovigilanz-Systeme melden müssen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie richtet sich das Typ-I-C-Programm an Ärzte, die bereits einen Bachelor-Abschluss in einem anerkannten medizinischen System besitzen. Das Programm umfasst mindestens 1500 Stunden Theorie und Praxis sowie 750 Stunden klinische Praxis.
Die Leitlinie definiert für das Typ-II-Programm eine Mindestdauer von 4000 Kontaktstunden zwischen Studierenden und Lehrenden. Alternativ wird ein fünfjähriges Vollzeitstudium empfohlen, welches 1000 Stunden überwachte klinische Ausbildung einschließt.
Die Unani-Medizin basiert auf dem Gleichgewicht von Blut (dam), Schleim (balgham), gelber Galle (safrā') und schwarzer Galle (sawdā). Ein Ungleichgewicht dieser Säfte wird gemäß Leitlinie als Ursache für Krankheiten angesehen.
Unani-Therapeuten unterstützen die Praktizierenden bei Routinebehandlungen und führen spezifische Regimen-Therapien durch. Die Leitlinie stellt klar, dass sie nicht zu einer eigenständigen klinischen Praxis berechtigt sind.
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Quelle: WHO benchmarks for the training of Unani medicine (WHO, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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