Todesnachricht überbringen: GRIEV_ING-Schema & Ablauf
Hintergrund
Der unerwartete Tod eines Patienten in der Notaufnahme oder auf der Intensivstation stellt eine extreme emotionale und physische Belastung dar. Häufig resultieren diese Todesfälle aus unvorhersehbaren Ereignissen wie Unfällen oder Gewalttaten, bei denen das medizinische Personal die letzte Hoffnung auf ein Überleben war.
Trotz der eigenen Erschöpfung und Trauer fällt den behandelnden Ärzten die Aufgabe zu, den Angehörigen die Todesnachricht zu überbringen. Erschwerend kommt hinzu, dass in der Regel keine vorherige Beziehung zur Familie des Verstorbenen besteht.
Eine strukturierte Herangehensweise und eine empathische Kommunikation sind entscheidend, um den Angehörigen in dieser Ausnahmesituation beizustehen. Laut Leitlinie kann ein professioneller Umgang das Risiko für anhaltende Trauerstörungen bei den Hinterbliebenen reduzieren.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Überbringung von Todesnachrichten und die Begleitung der Angehörigen:
Das GRIEV_ING-Schema
Für eine strukturierte und empathische Kommunikation wird die Anwendung des GRIEV_ING-Mnemonics empfohlen. Dieses stellt sicher, dass alle wesentlichen Informationen vermittelt werden:
| Schritt | Bedeutung | Handlungsempfehlung |
|---|---|---|
| G (Gather) | Versammeln | Die Familie in ein ruhiges, privates Umfeld bringen und alle gleichzeitig informieren. |
| R (Resources) | Ressourcen | Zusätzliche Unterstützung durch Seelsorger, Sozialarbeiter oder Freunde organisieren. |
| I (Identify) | Identifizieren | Sich selbst vorstellen, den Verstorbenen beim Namen nennen und den Wissensstand der Familie erfragen. |
| E (Educate) | Aufklären | Kurz über die Ereignisse informieren, dabei auf medizinische Fachbegriffe verzichten. |
| V (Verify) | Verifizieren | Den Tod mit klaren Worten (z. B. "ist gestorben") bestätigen, um Unklarheiten zu vermeiden. |
| _ (Space) | Raum geben | Pausieren und der Familie Zeit geben, die Nachricht zu verarbeiten. |
| I (Inquire) | Nachfragen | Fragen, ob es Unklarheiten gibt oder weitere Unterstützung benötigt wird. |
| N (Nuts and bolts) | Organisatorisches | Themen wie Organspende, Bestattung und persönliche Gegenstände ansprechen. |
| G (Give) | Kontakt geben | Eine Kontaktkarte übergeben und für spätere Rückfragen zur Verfügung stehen. |
Spezielle klinische Situationen
Die Leitlinie definiert spezifische Vorgehensweisen für besondere Umstände:
-
Reanimation im Beisein der Familie: Es wird empfohlen, Angehörigen die Anwesenheit bei der Reanimation zu ermöglichen, sofern dies sicher ist. Dies kann den Trauerprozess erleichtern.
-
Pädiatrische Todesfälle: Hier wird ein familienzentrierter Ansatz gefordert. Die Familie sollte während der Reanimation beim Kind bleiben dürfen, und der Kinderarzt des Patienten ist zeitnah zu informieren.
-
Organspende: Die Diskussion über eine Organspende sollte nicht durch den Notfallmediziner erfolgen. Es wird empfohlen, hierfür spezialisierte Vertreter von Organspendeorganisationen hinzuzuziehen.
-
Rechtsmedizinische Fälle: Bei unklaren oder unnatürlichen Todesfällen müssen Schläuche und Zugänge am Verstorbenen belassen werden, bis der Fall rechtsmedizinisch geklärt ist.
Interprofessionelle Betreuung und Nachsorge
Eine umfassende Betreuung der Angehörigen erfordert laut Leitlinie ein interprofessionelles Team aus Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern und Seelsorgern. Pflegekräfte spielen eine zentrale Rolle, indem sie Gefühle anerkennen, Erinnerungsstücke (z. B. Handabdrücke) anbieten und kulturelle Bedürfnisse respektieren.
Zudem wird die Überwachung der Angehörigen auf Anzeichen einer komplexen Trauerstörung empfohlen. Für das medizinische Personal selbst wird die Durchführung von Debriefing-Sitzungen angeraten, um die emotional belastenden Ereignisse im Team aufzuarbeiten.
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise für den Umgang mit Verstorbenen:
-
Entfernung von medizinischem Material: Bei Todesfällen, die unter die Zuständigkeit der Rechtsmedizin oder des Coroners fallen (z. B. unnatürliche Todesfälle, Suizide), dürfen Reanimationszugänge und Schläuche nicht entfernt werden.
-
Aufklärung zur Organspende: Es wird davon abgeraten, dass Notfallmediziner die Gespräche zur Organspende mit den Angehörigen führen. Dies ist spezialisierten Vertretern der entsprechenden Organisationen vorbehalten.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist die Verwendung einer klaren und unmissverständlichen Sprache bei der Todesfeststellung. Es wird empfohlen, direkte Begriffe wie "ist gestorben" oder "Tod" zu verwenden und auf Euphemismen zu verzichten, um Missverständnisse in der Schocksituation zu vermeiden. Zudem wird dem medizinischen Personal geraten, nicht vorzugeben, den Schmerz der Familie vollständig zu verstehen, sondern den Verlust ehrlich und authentisch anzuerkennen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt hierfür das strukturierte GRIEV_ING-Schema. Dieses beinhaltet unter anderem das Aufsuchen eines ruhigen Raumes, die Verwendung klarer Sprache ohne Fachbegriffe und das Gewähren von Zeit zur Verarbeitung.
Laut Leitlinie sollte Angehörigen die Möglichkeit gegeben werden, der Reanimation beizuwohnen, sofern dies die Sicherheit des Teams nicht gefährdet. Dies kann den Hinterbliebenen helfen, das Geschehen besser zu verarbeiten und den Trauerprozess erleichtern.
Es wird empfohlen, dass Notfallmediziner diese Gespräche nicht selbst führen. Stattdessen sollten spezialisierte Vertreter von Organspendeorganisationen hinzugezogen werden, um die Familie umfassend zu informieren.
Bei verstorbenen Kindern wird ein stark familienzentrierter Ansatz empfohlen, bei dem die Eltern während der Reanimation anwesend sein dürfen. Zudem wird geraten, den behandelnden Kinderarzt zeitnah über die Umstände zu informieren.
Es wird die regelmäßige Durchführung von Debriefing-Sitzungen empfohlen, um schwierige Fälle im Team nachzubesprechen. Zudem rät die Leitlinie zur Nutzung von Wellness-Programmen und psychologischer Unterstützung für das Personal.
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Quelle: StatPearls: Grief Support Following In-Hospital Deaths (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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StatPearls: Termination of Life Support
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