Magenultraschall vor Narkose: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die Aspiration von Mageninhalt stellt eine häufige Ursache für perioperative Morbidität und Mortalität dar. Laut der StatPearls-Zusammenfassung zum Magenultraschall (Gastric Ultrasound) reduzieren Nüchternheitsrichtlinien dieses Risiko, stoßen jedoch bei bestimmten Risikogruppen an ihre Grenzen.
Zu diesen Risikogruppen zählen Personen mit verzögerter Magenentleerung, wie beispielsweise bei Diabetes mellitus, Adipositas, Schwangerschaft oder Opioideinnahme. Auch bei unklarem Nüchternheitsstatus bietet sich eine sonografische Beurteilung an.
Der Magenultraschall ist ein schnelles, nicht-invasives Verfahren am Krankenbett. Er ermöglicht eine qualitative und quantitative Beurteilung des Mageninhalts, um das anästhesiologische Vorgehen optimal anzupassen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte zur Durchführung und Interpretation:
Vorbereitung und Technik
Die Leitlinie empfiehlt die Untersuchung im parasagittalen Schnitt unmittelbar unterhalb des Processus xiphoideus. Als zentrale anatomische Leitstruktur zur Beurteilung des Mageninhalts wird das Antrum pyloricum genannt.
Es wird betont, dass die Untersuchung zunächst in Rückenlage zur qualitativen Beurteilung erfolgen sollte. Anschließend wird eine Untersuchung in Rechtsseitenlage empfohlen, da diese sensitiver ist und eine quantitative Messung ermöglicht.
Für die Volumenmessung bei klaren Flüssigkeiten muss die Querschnittsfläche (CSA) des Antrums zwingend auf Höhe der Aorta gemessen werden.
Sonografische Befunde
Der Text klassifiziert die sonografischen Befunde des Mageninhalts wie folgt:
| Mageninhalt | Sonografisches Erscheinungsbild | Klinische Bewertung |
|---|---|---|
| Leer | "Bulls-Eye"-Phänomen, kollabiertes Antrum | Geringes Aspirationsrisiko |
| Klare Flüssigkeiten | Hypoechogen, homogen (evtl. "Starry Night" durch Luft) | Volumenabhängig (< 1,5 ml/kg normal) |
| Dickflüssig (z.B. Joghurt) | Hyperechogen, homogen | Voller Magen (erhöhtes Risiko) |
| Feste Speisen | Heterogen, "Frosted Glass", tiefe Strukturen verdeckt | Voller Magen (erhöhtes Risiko) |
Klinische Konsequenzen
Bei elektiven Eingriffen wird eine Verschiebung empfohlen, wenn feste Speisen, dicke Flüssigkeiten oder klare Flüssigkeiten in einem Volumen von über 1,5 ml/kg Körpergewicht nachgewiesen werden.
Bei Notfalleingriffen mit vollem Magen rät der Text zu strengen Aspirationsschutzmaßnahmen. Dazu gehören der Verzicht auf Sedierung zur Erhaltung der Schutzreflexe oder eine Rapid Sequence Induction (RSI) mit endotrachealer Intubation.
Zusätzlich wird je nach Umständen eine Magendekompression mittels Magensohnde vor der Einleitung oder nach der Intubation empfohlen.
Kontraindikationen
Laut Text gibt es keine absoluten Kontraindikationen für den Magenultraschall.
Relative Kontraindikationen bestehen bei abdominalen Wunden, epigastrischen Verbänden oder wenn eine Positionierung in Rechtsseitenlage nicht sicher möglich ist.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler bei der Volumenabschätzung ist die Messung der Antrum-Querschnittsfläche auf Höhe der Vena cava inferior. Der Text warnt davor, da die Trichterform des Antrums hier zu einer Unterschätzung des Magenvolumens und somit zu falsch-negativen Befunden führt. Die Messung muss stets auf Höhe der Aorta erfolgen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Text wird das Volumen anhand der Querschnittsfläche (CSA) des Antrums in Rechtsseitenlage und des Alters berechnet. Die Formel lautet: 27 + (14.6 * CSA) - (1.28 * Alter).
Für die meisten Erwachsenen wird ein niederfrequenter Curved-Array-Schallkopf (2 bis 5 MHz) empfohlen. Bei kleinen Kindern kann ein hochfrequenter Linearschallkopf (5 bis 13 MHz) genutzt werden, sofern die Eindringtiefe bis zur Aorta ausreicht.
Die Leitlinie definiert ein Volumen von unter 1,5 ml/kg Körpergewicht als normale Basalsekretion mit geringem Risiko. Volumina über 1,5 ml/kg werden als voller Magen mit erhöhtem Aspirationsrisiko gewertet.
Die Rechtsseitenlage fördert den schwerkraftbedingten Fluss des Mageninhalts in das Antrum. Dies erhöht die Sensitivität der Untersuchung und ermöglicht eine genauere Volumenmessung.
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Quelle: StatPearls: Gastric Ultrasound (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.