AV-Block 1. Grades: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Der atrioventrikuläre (AV-)Block 1. Grades ist durch eine abnorm langsame Überleitung durch den AV-Knoten gekennzeichnet. Laut der StatPearls-Leitlinie wird er im Elektrokardiogramm (EKG) durch ein PR-Intervall von mehr als 0,20 Sekunden ohne Unterbrechung der atrioventrikulären Überleitung definiert.
Die Ursachen variieren je nach Alter der Betroffenen. Bei jüngeren Menschen und Sportlern wird häufig ein erhöhter Vagotonus beobachtet, während bei älteren Personen fibrotische Veränderungen des Reizleitungssystems im Vordergrund stehen.
Weitere mögliche Auslöser umfassen koronare Herzkrankheit, Myokardinfarkt, Elektrolytstörungen sowie verschiedene Medikamente und Infektionen. Die Prävalenz steigt mit dem Alter deutlich an und betrifft Männer etwa doppelt so häufig wie Frauen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte für das klinische Management:
Diagnostik und Evaluation
Die Diagnose wird durch ein Oberflächen-EKG gestellt. Es wird empfohlen, bei Feststellung eines verlängerten PR-Intervalls eine ausführliche Anamnese bezüglich angeborener oder erworbener Herzerkrankungen sowie neuromuskulärer Erkrankungen zu erheben.
Zur Klassifikation des Schweregrads definiert die Leitlinie folgende EKG-Kriterien:
| EKG-Befund | PR-Intervall | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| Normalbefund | 0,12 bis 0,20 Sekunden | Physiologische Überleitungszeit |
| AV-Block 1. Grades | > 0,20 Sekunden | Verzögerte, aber vollständige Überleitung |
| Ausgeprägter AV-Block 1. Grades | > 0,30 Sekunden | Erhöhtes Risiko für Schrittmachersyndrom-Symptome |
Für die weitere Abklärung gelten laut Leitlinie folgende Grundsätze:
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Bei asymptomatischen Personen ist in der Regel keine weitere diagnostische Evaluation erforderlich.
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Bei symptomatischen Personen wird eine Überweisung zu invasiven elektrophysiologischen Untersuchungen empfohlen.
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Auch bei einer begleitenden Verlängerung des QRS-Komplexes oder bestehenden Herzerkrankungen ist eine weiterführende Diagnostik indiziert.
Therapie und Schrittmacher-Indikation
Für die überwiegende Mehrheit der Betroffenen ist keine spezifische Therapie erforderlich. Der Einsatz von Antiarrhythmika ist bei einem AV-Block 1. Grades nicht indiziert.
Gemäß den zitierten AHA/ACC-Richtlinien wird die Implantation eines permanenten Herzschrittmachers im Regelfall nicht empfohlen. Ausnahmen bilden folgende Situationen:
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Ein PR-Intervall von über 0,30 Sekunden in Kombination mit Symptomen (wie Dyspnoe, Schwindel oder Synkopen).
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Das Vorliegen einer neuromuskulären Begleiterkrankung.
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Eine begleitende Verlängerung des QRS-Intervalls.
Bei einem AV-Block im Rahmen eines Myokardinfarkts sollte mit einer Schrittmacherimplantation abgewartet werden. Dies dient der Überprüfung, ob die Überleitungsstörung lediglich transienter Natur ist.
Überwachung und Prognose
Obwohl die Erkrankung oft asymptomatisch ist, wird eine regelmäßige Überwachung mittels Routine-EKGs empfohlen. Die Leitlinie verweist auf Daten der Framingham-Studie, die zeigen, dass Betroffene ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern und eine höhere Gesamtmortalität aufweisen.
💡Praxis-Tipp
Ein isolierter AV-Block 1. Grades wird oft als harmlose Zufallsdiagnose betrachtet, jedoch weist die Leitlinie auf ein doppelt so hohes Risiko für die spätere Entwicklung von Vorhofflimmern hin. Es wird daher empfohlen, insbesondere ältere Personen oder solche mit strukturellen Herzerkrankungen regelmäßig klinisch und elektrokardiografisch zu überwachen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird die Diagnose ab einem PR-Intervall von mehr als 0,20 Sekunden im EKG gestellt. Dabei muss jeder Vorhofimpuls auf die Kammern übergeleitet werden.
In den meisten Fällen verläuft die Überleitungsstörung völlig asymptomatisch. Erst bei einem stark verlängerten PR-Intervall von über 0,30 Sekunden können laut Leitlinie Symptome wie Schwindel, Atemnot oder Brustschmerzen auftreten.
Ein Schrittmacher wird im Regelfall nicht empfohlen. Eine Indikation besteht laut Leitlinie nur bei symptomatischen Personen mit einem PR-Intervall über 0,30 Sekunden, bei neuromuskulären Erkrankungen oder bei einem stark verlängerten QRS-Komplex.
Die Leitlinie nennt unter anderem Antiarrhythmika der Klassen Ia, Ic, II, III und IV sowie Digoxin als mögliche medikamentöse Auslöser. Auch Elektrolytstörungen wie Hypokaliämie können ursächlich sein.
Bei einem durch Borreliose (Lyme-Krankheit) ausgelösten Herzblock ist oft keine spezifische Rhythmustherapie nötig. Die Leitlinie beschreibt, dass sich diese Form meist innerhalb von 2 bis 10 Tagen spontan zurückbildet.
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Quelle: StatPearls: First-Degree Heart Block (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.