Raupen- und Schmetterlings-Vergiftungen: StatPearls
Hintergrund
Lepidopterismus und Erucismus bezeichnen Hautreaktionen und systemische Beschwerden, die durch den Kontakt mit Schmetterlingen, Motten oder deren Raupen entstehen. Weltweit gibt es etwa 150 medizinisch relevante Arten, deren Brennhaare (Setae) Toxine absondern können.
Die meisten Kontakte führen zu lokalen Beschwerden wie Schmerzen, Ödemen und Erythemen. Bestimmte Spezies können jedoch schwere systemische Reaktionen wie allergische Schocks, Verbrauchskoagulopathien, akutes Nierenversagen oder chronische Gelenkerkrankungen auslösen.
Zu den gefährlichsten Vertretern gehören die südamerikanischen Lonomia-Arten, die schwere hämorrhagische Syndrome verursachen. In Nordamerika ist die Raupe des Megalopyge opercularis für zahlreiche schmerzhafte Intoxikationen verantwortlich.
Empfehlungen
Der StatPearls-Artikel formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie von Raupen- und Schmetterlings-Vergiftungen:
Diagnostik
Bei rein kutanen Reaktionen sind laut Text meist keine laborchemischen oder bildgebenden Untersuchungen erforderlich.
Bei systemischen Symptomen oder spezifischen Syndromen wird folgende Diagnostik empfohlen:
-
Blutbild, Nierenwerte (BUN, Kreatinin) und Urinstatus
-
Gerinnungsstatus (Quick, aPTT, Fibrinogen, D-Dimere)
-
EKG bei Tachykardie oder Rhythmusstörungen
-
Röntgen-Thorax bei respiratorischen Symptomen
Kutane Therapie
Es wird empfohlen, die betroffenen Hautareale mit Wasser und Seife zu waschen und berührungslos (z. B. mit einem Föhn) zu trocknen.
Zur Entfernung verbliebener Brennhaare wird die vorsichtige Anwendung von Klebeband empfohlen.
Zur Symptomlinderung können laut Text topischer Isopropylalkohol, Kühlpacks, topische Anästhetika und orale Antihistaminika eingesetzt werden.
Ophthalmia nodosa (Okuläre Beteiligung)
Bei Augenkontakt mit Raupenhaaren wird eine sofortige ophthalmologische Vorstellung empfohlen.
Die Leitlinie rät zu einer ausgiebigen Spülung mit 0,9%iger Kochsalzlösung und der Gabe eines topischen Anästhetikums zur Erleichterung der Untersuchung.
Es wird eine Spaltlampenuntersuchung mit Fluoreszein-Färbung und doppeltem Ektropionieren empfohlen, um die Haare anschließend mikroskopisch mit einer Pinzette oder Kanüle zu entfernen.
Der Text zitiert die folgende Klassifikation zur Stadieneinteilung:
| Typ | Klinische Präsentation | Verlauf und Komplikationen |
|---|---|---|
| Typ 1 | Sofortreaktion auf das Haar | Chemosis und Entzündung für mehrere Wochen |
| Typ 2 | Eingebettete Haare in der Bindehaut | Chronische mechanische Keratokonjunktivitis, Fremdkörpergefühl, lineare Hornhautabrasionen |
| Typ 3 | Grau-gelbe granulomatöse Knötchen | Entstehen durch subkonjunktivale oder intrakorneale Setae, können asymptomatisch sein |
| Typ 4 | Penetration des vorderen Augensegments | Kann als Sekundärkomplikation zu einer Iritis führen |
| Typ 5 | Beteiligung der vitreoretinalen Region | Penetration in das hintere Segment; reicht von milder Vitritis bis zu schwerer Endophthalmitis |
Systemische und spezifische Therapien
Bei respiratorischen Symptomen oder Anaphylaxie wird die Gabe von vernebelten Beta-Mimetika, systemischen Steroiden und intramuskulärem Adrenalin empfohlen.
Bei einer Lonomia-Intoxikation wird dringend eine hämatologische Konsiliaruntersuchung empfohlen, da sich die Therapie je nach Spezies stark unterscheidet.
Bei der durch Anaphe venata ausgelösten saisonalen Ataxie wird eine supportive Therapie sowie die Gabe von Thiamin empfohlen.
Kontraindikationen
Der Text nennt folgende spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Vollblut und frisches Plasma: Es wird davor gewarnt, Patienten mit einer Lonomia-Intoxikation Vollblut oder frisches Plasma zu transfundieren, da dies das hämorrhagische Syndrom verschlimmern kann.
-
Gerinnungsfaktoren bei L. obliqua: Die Gabe von Kryopräzipitat, Fibrinogen oder Antifibrinolytika ist bei Lonomia obliqua kontraindiziert, da dies die Blutung verstärken und tödlich verlaufen kann.
💡Praxis-Tipp
Laut StatPearls-Artikel ist die Anwendung von einfachem Klebeband eine sehr effektive Methode, um unsichtbare Brennhaare von der Haut zu entfernen. Zudem wird bei jedem Verdacht auf Augenkontakt ein doppeltes Ektropionieren empfohlen, da übersehene Haare tief in das Auge wandern und eine schwere Ophthalmia nodosa auslösen können.
Häufig gestellte Fragen
Der Text empfiehlt, die betroffene Stelle mit Wasser und Seife zu waschen und berührungslos zu trocknen. Anschließend wird die vorsichtige Anwendung von Klebeband empfohlen, um verbliebene Haare aus der Haut zu ziehen.
Bei rein lokalen Hautreaktionen ist laut Leitlinie keine spezifische Diagnostik erforderlich. Treten jedoch systemische Symptome auf, wird die Bestimmung von Blutbild, Nierenwerten und einem vollständigen Gerinnungsstatus empfohlen.
Die Ophthalmia nodosa ist eine entzündliche Augenerkrankung, die durch das Eindringen von Raupenhaaren (Setae) in die okulären Gewebe entsteht. Es wird eine sofortige augenärztliche Vorstellung zur mikroskopischen Entfernung der Haare empfohlen.
Das Gift der südamerikanischen Lonomia-Arten verursacht eine schwere Verbrauchskoagulopathie mit sekundärer Fibrinolyse. Dies kann laut Text zu lebensbedrohlichen intrakraniellen Blutungen und akutem Nierenversagen führen.
Die durch den Verzehr dieser afrikanischen Raupe ausgelöste saisonale Ataxie beruht auf einem Thiaminmangel. Es wird eine supportive Therapie sowie die orale Gabe von 100 mg Thiamin alle 8 Stunden empfohlen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: StatPearls: Butterfly, Moth, and Caterpillar Envenomation (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.