StatPearls2026

Atracurium: Anwendung und Dosierung laut StatPearls

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Atracurium ist ein nicht-depolarisierendes neuromuskuläres Blockademittel aus der Klasse der Benzyliso chinoline. Es wirkt als kompetitiver Antagonist an der Alpha-Untereinheit des postsynaptischen Nikotinrezeptors und verhindert so die Depolarisation der motorischen Endplatte.

Der Metabolismus erfolgt organunabhängig zu 45 Prozent über die Hofmann-Elimination sowie über Esterhydrolyse im Plasma. Dieser Abbauweg macht das Medikament besonders geeignet für kritisch kranke Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionseinschränkungen.

Ein primärer Metabolit der Hofmann-Elimination ist Laudanosin, welches keine muskelrelaxierende Wirkung besitzt, aber als Stimulans des zentralen Nervensystems wirkt. Bei längerer Infusion kann sich Laudanosin anreichern und die Blut-Hirn-Schranke überwinden, was das Risiko für neurologische Nebenwirkungen erhöht.

Empfehlungen

Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Anwendung von Atracurium:

Indikationen

Das Medikament ist von der FDA für die endotracheale Intubation, die Muskelrelaxation bei mechanisch beatmeten Patienten auf der Intensivstation sowie als Zusatz zur Allgemeinanästhesie zugelassen.

Zusätzlich werden folgende Off-Label-Anwendungen in der Leitlinie beschrieben:

  • Kombination mit Vecuronium für verlängerte Blockaden bei laparoskopischen Cholezystektomien

  • Kontrolle des intrakraniellen Drucks bei Schädel-Hirn-Trauma

  • Alternative zu Cisatracurium beim akuten Atemnotsyndrom (ARDS)

  • Erleichterung der Platzierung einer Larynxmaske

Besondere Patientengruppen

Laut Leitlinie ist bei Patienten mit Leber- oder Niereninsuffizienz keine Dosisanpassung erforderlich. Bei schwangeren Patientinnen, die sich einem Kaiserschnitt unterziehen, gilt Atracurium aufgrund des minimalen plazentaren Übergangs als vorteilhaft.

Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen wie Myasthenia gravis oder dem Lambert-Eaton-Syndrom reagieren besonders empfindlich auf nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien. Bei Verbrennungspatienten kann sich hingegen eine Resistenz entwickeln, die höhere Dosierungen erforderlich macht.

Monitoring

Zur Überwachung der neuromuskulären Blockade wird die Nervenstimulation (Train-of-Four, TOF) empfohlen. Klinische Zeichen wie das Öffnen der Augen oder das Heben des Kopfes gelten als unzureichend für die Beurteilung einer Restblockade.

Ein TOF-Verhältnis von 0,9 zeigt laut Leitlinie eine ausreichende Reversierung der neuromuskulären Blockade an.

Interaktionen und Nebenwirkungen

Inhalationsanästhetika, Aminoglykoside, Lithium und Magnesium können die neuromuskuläre Blockade von Atracurium verstärken. Die vorherige Gabe von Succinylchlorid beschleunigt den Wirkeintritt, weshalb Atracurium erst nach Abklingen der Succinylchlorid-Wirkung verabreicht werden sollte.

Die Leitlinie warnt vor einer potenziellen Histaminfreisetzung, die zu Rötungen, Hypotonie und Bronchospasmen führen kann. Eine langsame Injektionsgeschwindigkeit kann dieses Risiko reduzieren.

Dosierung

Atracurium darf laut Leitlinie nur intravenös (als Bolus oder Infusion) und nicht intramuskulär verabreicht werden, da es zu starken Gewebereizungen führt. Bei adipösen Patienten sollte die Dosierung auf Basis des Idealgewichts berechnet werden.

Indikation / PatientengruppeInitialdosisErhaltungsdosis / Infusionsrate
Erwachsene und Kinder > 2 Jahre (Intubation)0,4 - 0,5 mg/kg0,08 - 0,10 mg/kg
Kinder < 2 Jahre0,3 - 0,4 mg/kgKeine spezifische Angabe
Kardiovaskuläre Erkrankungen / Asthma0,3 - 0,4 mg/kg (langsam über 1 Min.)Keine spezifische Angabe
Kontinuierliche Infusion (OP)0,3 - 0,5 mg/kg (Bolus)5 - 9 µg/kg/min (Start mit 9-10 µg/kg/min)
Kontinuierliche Infusion (Intensivstation)Keine spezifische Angabe11 - 13 µg/kg/min (Range: 4,5 - 29,5)

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen für die Gabe von Atracurium:

  • Bekannte Überempfindlichkeit gegen Atracuriumbesilat oder einen der Hilfsstoffe

  • Überempfindlichkeit gegen Benzylalkohol (als Konservierungsmittel in Mehrfachdosis-Durchstechflaschen enthalten)

Zudem wird zur Vorsicht bei Patienten mit bekannten anaphylaktischen Reaktionen auf andere neuromuskuläre Blockademittel geraten, da Kreuzreaktivitäten auftreten können.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt vor einer schnellen Bolusinjektion, da diese eine signifikante Histaminfreisetzung mit resultierender Hypotonie und Bronchospasmus auslösen kann. Es wird empfohlen, die Dosis bei Risikopatienten langsam über 30 bis 60 Sekunden zu applizieren und bei Langzeitinfusionen auf der Intensivstation auf mögliche Krampfanfälle durch den akkumulierenden Metaboliten Laudanosin zu achten.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie ist bei Nieren- oder Leberinsuffizienz keine Dosisanpassung erforderlich. Das Medikament wird organunabhängig über die Hofmann-Elimination und Esterhydrolyse abgebaut.

Die Leitlinie gibt an, dass Atracurium bei einer Intubationsdosis eine Anschlagszeit von etwa 2 Minuten hat. Die maximale neuromuskuläre Blockade wird nach 3 bis 5 Minuten erreicht.

Es wird davon abgeraten, Ringer-Laktat als Verdünnungsmittel zu verwenden. Die Leitlinie weist darauf hin, dass Atracurium in dieser Lösung schneller abgebaut wird als in einer 0,9%igen Natriumchloridlösung.

Für eine sichere Reversierung der neuromuskulären Blockade wird ein Train-of-Four (TOF) Verhältnis von 0,9 als Zielwert genannt. Klinische Zeichen allein sind laut Leitlinie nicht verlässlich genug.

Die Leitlinie warnt davor, dass Atracurium eine Histaminfreisetzung verursachen kann, was das Risiko für einen Bronchospasmus erhöht. Es wird empfohlen, bei diesen Patienten eine reduzierte Dosis langsam über eine Minute zu injizieren.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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