Sprunggelenksfraktur: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Sprunggelenksfrakturen gehören zu den häufigsten orthopädischen Verletzungen. Die StatPearls-Leitlinie betont, dass die Behandlung darauf abzielt, die Gelenkausrichtung und Stabilität wiederherzustellen, um das Risiko einer posttraumatischen Arthrose zu minimieren.
Die knöchernen und ligamentären Strukturen des Sprunggelenks bilden einen geschlossenen Ring. Wenn dieser Ring bricht, geschieht dies typischerweise an zwei Stellen, weshalb eine vollständige Beurteilung unerlässlich ist, um keine knöchernen oder ligamentären Begleitverletzungen zu übersehen.
Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus oder periphere arterielle Verschlusskrankheiten beeinflussen die Prognose maßgeblich. Insbesondere bei diabetischer Neuropathie besteht ein stark erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Charcot-Arthropathie, was eine besondere Aufmerksamkeit im Heilungsverlauf erfordert.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:
Klinische Untersuchung und Diagnostik
Zunächst wird eine Beurteilung nach den ATLS-Prinzipien (Advanced Trauma Life Support) empfohlen, um lebensbedrohliche Verletzungen auszuschließen. Vor und nach jeder Manipulation des Sprunggelenks muss eine detaillierte neurovaskuläre Untersuchung erfolgen.
Bei Verdacht auf eine Fraktur wird die Anwendung der Ottawa Ankle Rules empfohlen. Ein Röntgenbild ist indiziert bei Schmerzen in der Knöchelregion und einem der folgenden Kriterien:
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Knochendruckschmerz an der Hinterkante oder Spitze des lateralen Malleolus (innerhalb der distalen 6 cm)
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Knochendruckschmerz an der Hinterkante oder Spitze des medialen Malleolus
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Unfähigkeit zur Gewichtsbelastung (mindestens vier Schritte) unmittelbar nach dem Trauma und in der Notaufnahme
Bildgebung
Als Standardbildgebung werden Röntgenaufnahmen in drei Ebenen (anteroposterior, lateral und Mortise-Aufnahme) empfohlen. Bei komplexen Frakturen, Pilonfrakturen oder zur präoperativen Planung wird eine Computertomographie (CT) angeraten.
Eine Magnetresonanztomographie (MRT) ist laut Leitlinie indiziert, um Bandverletzungen (wie das Deltaband oder den lateralen Bandkomplex), Knorpelschäden oder okkulte Stressfrakturen zu beurteilen.
Klassifikation
Für die Einteilung der Frakturen wird unter anderem die Danis-Weber-Klassifikation herangezogen. Diese orientiert sich an der Höhe der Fibulafraktur in Relation zur Syndesmose.
| Typ | Lokalisation der Fibulafraktur | Stabilität | Typische Therapie |
|---|---|---|---|
| Weber A | Unterhalb der Syndesmose | Meist stabil | Oft konservativ |
| Weber B | Auf Höhe der Syndesmose | Variabel | Konservativ oder operativ |
| Weber C | Oberhalb der Syndesmose | Meist instabil | Operative Fixierung |
Therapie
Eine konservative Therapie mit Unterschenkelgips oder Walker wird bei stabilen Frakturen ohne Talusverschiebung empfohlen. Auch bei Personen mit schlechten Weichteilverhältnissen oder Kontraindikationen für eine Operation ist dies eine valide Option.
Eine offene Reposition und interne Fixation (ORIF) wird bei instabiler Sprunggelenksgabel empfohlen. Dies umfasst:
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Unimalleoläre Frakturen mit Talusverschiebung unter Belastung
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Bimalleoläre und trimalleoläre Frakturen
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Pilon- und Maisonneuve-Frakturen
Bei schweren Weichteilschwellungen oder offenen Frakturen wird die temporäre Anlage eines Fixateur externe empfohlen. Dieser verbleibt, bis die Weichteile ausreichend abgeschwollen sind, um eine definitive chirurgische Versorgung zu ermöglichen.
Intraoperative Beurteilung
Es wird empfohlen, die Syndesmose intraoperativ mittels Hook-Test (Cotton-Test) zu prüfen. Eine Verschiebung der Fibula um mehr als 2 mm gilt als positiv und erfordert eine Fixierung der Syndesmose mittels Stellschraube oder Faden-Button-System (Tightrope).
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor einer Verzögerung der Reposition bei klinisch offensichtlicher Deformität oder vaskulärer Kompromittierung. Eine drohende Hautnekrose (Skin Tenting) bei luxiertem Sprunggelenk erfordert eine sofortige Reposition, noch bevor Röntgenbilder angefertigt werden, um Weichteilschäden zu minimieren.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit, bei Sprunggelenksverletzungen immer auch die proximale Fibula zu untersuchen. Dadurch wird verhindert, dass eine hoch sitzende Fibulafraktur im Rahmen einer instabilen Maisonneuve-Verletzung übersehen wird. Zudem wird auf die Gefahr der Charcot-Arthropathie bei Diabetikern hingewiesen, die eine engmaschige Überwachung erfordert.
Häufig gestellte Fragen
Gemäß den Ottawa Ankle Rules ist ein Röntgenbild indiziert, wenn Schmerzen im Knöchelbereich bestehen und entweder ein lokaler Knochenschmerz an den Malleoli vorliegt oder die betroffene Person nicht in der Lage ist, vier Schritte zu gehen.
Die Behandlung hängt von der Stabilität ab. Laut Leitlinie kann eine stabile Weber-B-Fraktur ohne Syndesmosen- oder Deltabandverletzung konservativ behandelt werden, während instabile Formen eine operative Fixierung erfordern.
Der Hook-Test (auch Cotton-Test) wird intraoperativ durchgeführt, um die Stabilität der Syndesmose zu prüfen. Dabei wird die Fibula mit einem Knochenhaken nach lateral gezogen; eine Verschiebung von mehr als 2 mm gilt als pathologisch.
Ein Fixateur externe wird als temporäre Stabilisierung empfohlen, wenn eine sofortige interne Fixation aufgrund von schweren Weichteilschwellungen oder offenen Frakturen nicht möglich ist. Er verbleibt, bis die Weichteilsituation eine definitive Operation zulässt.
Menschen mit diabetischer Neuropathie haben ein hohes Risiko, eine Charcot-Arthropathie zu entwickeln. Die Leitlinie warnt, dass ein fehlendes Schmerzempfinden zu fortschreitender Gelenkzerstörung und im schlimmsten Fall zur Amputation führen kann.
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Quelle: StatPearls: Ankle Fracture (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.