RSI-Medikamente: Dosierung, Indikation & Wirkstoffe
Hintergrund
Die endotracheale Intubation ist ein lebensrettendes Verfahren in der Notfall- und Intensivmedizin. Die StatPearls-Leitlinie beschreibt die pharmakologische Steuerung und die technischen Aspekte der Rapid Sequence Intubation (RSI).
Die RSI ist der Standard für die rasche Atemwegssicherung bei Patienten ohne antizipiert schwierigen Atemweg. Sie kombiniert die simultane Gabe eines Sedativums und eines Muskelrelaxans, um optimale Intubationsbedingungen zu schaffen und das Aspirationsrisiko zu minimieren.
Typische Indikationen für eine Notfallintubation umfassen hypoxämische oder hyperkapnische respiratorische Insuffizienz, obere Atemwegsobstruktionen sowie hämodynamische Instabilität mit drohendem Atemwegsverlust.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den Ablauf der Rapid Sequence Intubation:
Vorbereitung und Präoxygenierung
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Es wird eine strukturierte Vorbereitung nach den "7 Ps" der RSI empfohlen (Preparation, Pre-oxygenation, Pretreatment, Paralysis/Induction, Positioning, Placement, Post-intubation management).
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Die Leitlinie empfiehlt eine Präoxygenierung mit höchstmöglicher Sauerstoffkonzentration für 3 bis 5 Minuten, um die Apnoetoleranz zu erhöhen.
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Bei Patienten mit reaktiver Atemwegserkrankung kann eine Vorbehandlung mit einem kurzwirksamen Beta-Agonisten (Albuterol) erfolgen, um den Atemwegswiderstand zu minimieren.
Auswahl des Endotrachealtubus
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Für durchschnittliche erwachsene Männer wird ein Tubus-Innendurchmesser von 7,5 bis 8,5 mm empfohlen.
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Für Frauen wird gemäß Leitlinie ein Durchmesser von 7,0 bis 7,5 mm bevorzugt.
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Der Cuff-Druck sollte auf 20 bis 30 cm H2O eingestellt werden, um eine ausreichende Abdichtung ohne Trachealschäden zu gewährleisten.
Durchführung der Induktion
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Laut Leitlinie müssen Sedativum und Muskelrelaxans als intravenöser Bolus verabreicht werden. Eine Titration der Dosis wird ausdrücklich nicht empfohlen.
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Die Auswahl der Medikamente richtet sich nach dem hämodynamischen Status und den Begleiterkrankungen.
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Etomidat wird häufig bei Patienten mit vorbestehender Hypotension oder Trauma bevorzugt, da es den systemischen Blutdruck nicht beeinflusst.
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Ketamin wird aufgrund seiner bronchodilatatorischen Eigenschaften bei Patienten mit akutem schwerem Asthma empfohlen.
Lagekontrolle und Monitoring
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Nach der Platzierung wird eine Bestätigung mittels endtidaler CO2-Messung (Kapnografie) und Auskultation über beiden Lungenflügeln sowie dem Epigastrium empfohlen.
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Zusätzlich sollte eine Röntgenthorax-Kontrolle erfolgen. Die Tubusspitze sollte laut Leitlinie 2 bis 5 cm oberhalb der Carina liegen.
Dosierung
Die Leitlinie gibt folgende Dosierungen für die intravenöse Bolusgabe während der Rapid Sequence Intubation vor:
| Medikament | Dosis (IV Bolus) | Wirkeintritt | Wirkdauer |
|---|---|---|---|
| Etomidat | 0,15 - 0,3 mg/kg | 30 - 60 Sekunden | 3 - 5 Minuten |
| Ketamin | 2 mg/kg | 1 - 2 Minuten | 5 - 15 Minuten |
| Propofol | 0,5 - 2 mg/kg | 9 - 50 Sekunden | 3 - 10 Minuten |
| Succinylcholin | 1,5 mg/kg | 30 - 60 Sekunden | 5 - 15 Minuten |
| Rocuronium | 1 mg/kg | 1 - 2 Minuten | 45 - 70 Minuten |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise für die verwendeten Medikamente:
| Medikament | Kontraindikationen & Warnhinweise | Spezifische Nebenwirkungen |
|---|---|---|
| Etomidat | Vorsicht bei Anfallsleiden (senkt die Krampfschwelle) | Myoklonien, reversible Nebennierensuppression (bis zu 12 Stunden) |
| Ketamin | Geschlossenes Schädelhirntrauma, erhöhter Augeninnendruck, KHK, Hypertonie | Aufwachreaktionen (Halluzinationen), Sympathikusaktivierung, Hirndrucksteigerung |
| Propofol | Soja- oder Hühnereiweißallergie, vorbestehende Hypotension | Blutdruckabfall, Myokarddepression |
| Succinylcholin | Maligne Hyperthermie (Eigen- oder Familienanamnese), Hyperkaliämie-Risiko | Faszikulationen |
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, Einleitungsmedikamente während einer Rapid Sequence Intubation zu titrieren; sie müssen stets als vorberechneter intravenöser Bolus verabreicht werden. Zudem wird betont, dass Propofol aufgrund seiner sympatholytischen Wirkung zu schweren Blutdruckabfällen führen kann und bei hämodynamisch instabilen Patienten vermieden werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut StatPearls-Leitlinie wird Etomidat in einer Dosierung von 0,15 bis 0,3 mg/kg Körpergewicht als intravenöser Bolus verabreicht. Die genaue Dosis richtet sich nach den antizipierten Intubationsbedingungen.
Ketamin ist aufgrund seiner sympathomimetischen und hirndrucksteigernden Wirkung bei Patienten mit geschlossenem Schädelhirntrauma, erhöhtem Augeninnendruck, koronarer Herzkrankheit und Hypertonie kontraindiziert.
Die Leitlinie empfiehlt, die Position radiologisch zu kontrollieren. Auf dem Röntgenthorax sollte die Tubusspitze 2 bis 5 cm oberhalb der Carina liegen.
Succinylcholin gilt aufgrund seines schnellen Wirkeintritts als das am häufigsten verwendete Muskelrelaxans. Rocuronium wird laut Leitlinie primär dann eingesetzt, wenn Succinylcholin kontraindiziert oder nicht verfügbar ist.
Es wird ein Cuff-Druck von 20 bis 30 cm H2O empfohlen. Dies gewährleistet eine ausreichende Abdichtung der Trachea, ohne die Trachealwand zu schädigen.
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Quelle: StatPearls: Intubation Endotracheal Tube Medications (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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