Reed-Sternberg-Zellen: Pathohistologie & Diagnostik
Hintergrund
Die StatPearls-Publikation beschreibt Reed-Sternberg-Zellen als das charakteristische pathologische Merkmal des Hodgkin-Lymphoms. Sie machen typischerweise weniger als ein Prozent der gesamten Tumormasse aus, während die restlichen Zellen aus dem inflammatorischen Mikromilieu bestehen.
Historisch wurden die Zellen erstmals im späten 19. Jahrhundert beschrieben. Dorothy Reed grenzte das Hodgkin-Lymphom im Jahr 1902 durch die genaue Charakterisierung dieser Zellen endgültig von der Tuberkulose ab.
Es wird davon ausgegangen, dass Reed-Sternberg-Zellen von prä-apoptotischen B-Zellen des Keimzentrums abstammen. Sie entgehen dem programmierten Zelltod durch verschiedene Mechanismen, wie die Aktivierung des NF-kappa-B-Transkriptionsfaktors und die Resistenz gegenüber dem CD95-Todesrezeptor-Signalweg.
Empfehlungen
Morphologie und Varianten
Der Text definiert klassische Reed-Sternberg-Zellen als große Zellen (die Größenangaben variieren im Quelltext zwischen 15 und über 50 µm) mit reichlich basophilem oder amphophilem Zytoplasma. Sie weisen mindestens zwei Zellkerne oder Kernlappen auf.
Für die Diagnose müssen laut Publikation mindestens zwei Nukleoli in zwei separaten Kernlappen vorhanden sein. Die Kerne zeigen oft ein blasses Chromatin und einen prominenten eosinophilen Nukleolus mit perinukleärer Aufhellung, was an virale Einschlüsse erinnert.
Es werden folgende morphologische Varianten beschrieben:
-
Hodgkin-Zellen: Mononukleäre Varianten mit einem einzelnen runden oder länglichen Kern.
-
Mumifizierte Zellen: Zellen mit kondensiertem Zytoplasma und pyknotischen, rötlichen Kernen.
-
Lakunäre Zellen: Durch Formalin-Schrumpfungsartefakte umgebene Zellen, die typisch für den nodulär-sklerosierenden Subtyp sind.
Differenzialdiagnostik zu RS-ähnlichen Zellen
Die Publikation betont die Wichtigkeit der Unterscheidung zwischen klassischen Reed-Sternberg-Zellen und sogenannten RS-ähnlichen Zellen, die in anderen Lymphomarten vorkommen können. Dies stellt eine häufige diagnostische Herausforderung dar.
| Lymphom-Typ | Immunphänotyp der RS-ähnlichen Zellen | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Klassisches Hodgkin-Lymphom | CD15+, CD30+, PAX-5+ | Entzündliches Infiltrat (Eosinophile, Plasmazellen) |
| CLL / SLL | CD20+, CD30+, meist CD15- | Oft EBV-positiv, immunphänotypisch B-Zellen ähnlich |
| Follikuläres Lymphom | CD10+ möglich | Klonale Verwandtschaft zu neoplastischen Zentroblasten |
| Periphere T-Zell-Lymphome | CD20+, CD30+, teils CD15+ | Fehlen von PAX-5 spricht gegen klassisches Hodgkin-Lymphom |
Klinische Bedeutung und Prognose
Das Tumor-Mikromilieu (TME) spielt eine entscheidende Rolle für das klinische Verhalten. Ein geringer Anteil an T-Zellen bei gleichzeitig hohem Anteil an Reed-Sternberg-Zellen ist mit einem aggressiven klinischen Verlauf assoziiert.
Zudem wird beschrieben, dass eine niedrige Expression von CD15 und TARC auf den Reed-Sternberg-Zellen mit einem Therapieversagen korreliert. Eine PD-L1-Expression im Tumor-Mikromilieu ist hingegen mit einer kompletten Remission assoziiert.
💡Praxis-Tipp
Die Publikation warnt davor, RS-ähnliche Zellen in Non-Hodgkin-Lymphomen (wie dem peripheren T-Zell-Lymphom) fälschlicherweise als klassisches Hodgkin-Lymphom zu diagnostizieren. Es wird betont, dass das Fehlen des B-Zell-Markers PAX-5 ein starkes Argument gegen ein klassisches Hodgkin-Lymphom darstellt.
Häufig gestellte Fragen
Laut der Publikation stammen sie höchstwahrscheinlich von prä-apoptotischen B-Lymphozyten aus dem Keimzentrum ab. Sie exprimieren typischerweise die Oberflächenmarker CD15 und CD30.
Das Epstein-Barr-Virus infiziert B-Zellen und etabliert eine latente Infektion. Etwa 40 Prozent der Reed-Sternberg-Zellen beim Hodgkin-Lymphom sind mit EBV infiziert, was das Risiko für die Erkrankung erhöht.
Lakunäre Zellen sind eine morphologische Variante der Reed-Sternberg-Zellen. Sie entstehen durch Schrumpfungsartefakte bei der Formalinfixierung und sind charakteristisch für den nodulär-sklerosierenden Subtyp des Hodgkin-Lymphoms.
Die eigentlichen neoplastischen Reed-Sternberg-Zellen machen weniger als ein Prozent der Tumormasse aus. Der Rest besteht aus einem reaktiven entzündlichen Infiltrat wie T-Zellen, B-Zellen, Eosinophilen und Makrophagen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: StatPearls: Reed-Sternberg Cells (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen