Pulmonalarterien-Banding (PAB): Indikation & Management
Hintergrund
Das Pulmonalarterien-Banding (PAB) ist eine palliative chirurgische Technik zur Behandlung bestimmter angeborener Herzfehler. Laut der StatPearls-Leitlinie wird es in der heutigen Zeit vor allem bei einer spezifischen Subgruppe von Säuglingen mit komplexen kongenitalen Vitien eingesetzt.
Das primäre physiologische Ziel des Eingriffs ist der Schutz der Pulmonalgefäße. Durch die Reduktion eines übermäßigen pulmonalen Blutflusses wird einer pathologischen Gefäßumgestaltung und einer irreversiblen pulmonalen Hypertonie vorgebeugt.
Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet ist das sogenannte "Training" des linken Ventrikels. Hierbei wird der Ventrikel durch eine künstliche Nachlasterhöhung auf eine spätere Funktion als Systemventrikel im Rahmen einer arteriellen Switch-Operation vorbereitet.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte für das Pulmonalarterien-Banding:
Präoperative Diagnostik und Vorbereitung
Zur detaillierten anatomischen Darstellung wird eine Echokardiografie empfohlen. Bei komplexen Defekten kann die Diagnostik durch eine Magnetresonanztomografie oder eine Herzkatheteruntersuchung ergänzt werden.
Das präoperative Management zielt laut Leitlinie auf die Minimierung des Links-rechts-Shunts ab. Dies wird durch eine systemische Nachlastsenkung und eine aggressive Diurese erreicht.
Bei der Beatmung wird davor gewarnt, exzessiv Sauerstoff zuzuführen. Sauerstoff wirkt als pulmonaler Vasodilatator und kann den pulmonalen Blutfluss unerwünscht weiter steigern.
Indikationen
Die Leitlinie nennt zwei primäre Zielsetzungen für ein PAB: die Reduktion des pulmonalen Blutflusses und das Training des morphologisch linken Ventrikels.
Zur Reduktion des pulmonalen Blutflusses wird das PAB unter anderem in folgenden Situationen beschrieben:
-
Muskuläre "Swiss-Cheese"-Ventrikelseptumdefekte (VSD)
-
Multiple oder singuläre VSDs mit relevanten chirurgischen Komorbiditäten
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Unbalancierte atrioventrikuläre Septumdefekte (AVSD) mit grenzwertiger Linksherzhypoplasie
-
Hochrisiko-Säuglinge mit hypoplastischem Linksherzsyndrom (bilaterales PAB)
Chirurgische Parameter und Zielwerte
Für die initiale Bestimmung des optimalen Bandumfangs wird die Trusler-Formel herangezogen. Die endgültige Weite richtet sich nach dem intraoperativen Druckgradienten und der Sauerstoffsättigung.
| Patientengruppe | Berechnungsformel für Bandumfang |
|---|---|
| Nicht-zyanotische Mischläsionen | 20 mm + 1 mm/kg |
| Zyanotische Mischläsionen | 24 mm + 1 mm/kg |
| Singuläre Ventrikelphysiologie (geplante Fontan-OP) | 22 mm + 1 mm/kg |
Nach erfolgreicher Platzierung des Bandes werden laut Leitlinie folgende hämodynamische Zielwerte angestrebt:
| Parameter | Zielwert nach PAB |
|---|---|
| Pulmonalarteriendruck | 30 bis 50 % des Systemdrucks |
| Sauerstoffsättigung | ca. 90 % (bei 50 % FiO2) |
| Systemischer Blutdruck | Anstieg um 5 bis 10 mmHg |
Kontraindikationen
Die Leitlinie beschreibt folgende Kontraindikationen für ein Pulmonalarterien-Banding:
-
Singuläre Ventrikeldefekte mit Risiko für eine subaortale Obstruktion (Gefahr der Verschlechterung durch ventrikuläre Hypertrophie)
-
Bestehender Druckgradient über dem systemischen Ausflusstrakt von >15-20 mmHg (Gefahr des "Double Banding" mit Drucküberlastung beider Ventrikel)
-
Schwere Insuffizienz der Atrioventrikularklappe des pulmonalen Ventrikels
-
Truncus arteriosus (aufgrund anatomischer Einschränkungen und kontinuierlichem systolisch-diastolischem Fluss)
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor einer exzessiven Sauerstoffgabe in der präoperativen Phase. Da Sauerstoff als starker pulmonaler Vasodilatator wirkt, kann er den pulmonalen Blutfluss bei Patienten mit Links-rechts-Shunt gefährlich erhöhen. Es wird stattdessen eine balancierte Beatmung empfohlen, um die pulmonale Überzirkulation nicht weiter zu aggravieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut StatPearls-Leitlinie dient der Eingriff primär dem Schutz der Pulmonalgefäße vor Überzirkulation und pulmonaler Hypertonie. Zudem wird es zum "Training" des linken Ventrikels vor einer geplanten Switch-Operation eingesetzt.
Die Leitlinie verweist auf die Trusler-Formel als initialen Richtwert. Bei nicht-zyanotischen Mischläsionen beträgt der Umfang beispielsweise 20 mm plus 1 mm pro Kilogramm Körpergewicht.
Es wird auf mögliche Stenosen der Pulmonalarterienäste, eine Dysfunktion der Pulmonalklappe sowie Band-Erosionen hingewiesen. Auch eine ineffektive Bandplatzierung mit resultierender pulmonaler Hypertonie wird als Risiko genannt.
Ein PAB wird bei Patienten mit einem Truncus arteriosus oder bei schweren AV-Klappeninsuffizienzen nicht empfohlen. Ebenso stellt ein präexistenter Druckgradient im systemischen Ausflusstrakt von über 15-20 mmHg eine Kontraindikation dar.
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Quelle: StatPearls: Pulmonary Artery Banding (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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