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PubMed CentralPneumologie

Sjögren-Syndrom & Lunge: Leitlinie (Sjögren's Foundation)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf PubMed Central Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei 10 bis 20 % der Sjögren-Patienten tritt eine Lungenbeteiligung auf, die mit einer erhöhten Mortalität einhergeht.
  • Serologische Biomarker dürfen nicht zum Ausschluss einer pulmonalen Beteiligung herangezogen werden.
  • Bei Verdacht auf eine interstitielle Lungenerkrankung (ILD) ist ein HRCT mit Exspirationsaufnahmen der diagnostische Goldstandard.
  • Systemische Kortikosteroide (0,5-1,0 mg/kg) bilden die Erstlinientherapie bei symptomatischer, mittelschwerer bis schwerer ILD.
  • Patienten müssen aktiv auf pulmonale lymphoproliferative Erkrankungen (z. B. MALT-Lymphome) überwacht werden.
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Hintergrund

Die Lungenbeteiligung ist eine potenziell ernsthafte, aber oft unterdiagnostizierte Komplikation des Sjögren-Syndroms. Sie betrifft etwa 10 bis 20 % der Patienten und geht mit einer höheren Mortalität sowie einer verminderten Lebensqualität einher. Bemerkenswert ist, dass bis zu 65 % der asymptomatischen Sjögren-Patienten bereits Auffälligkeiten in der pulmonalen Bildgebung aufweisen. Die vorliegende Leitlinie der Sjögren's Foundation standardisiert die Diagnostik und Therapie.

Diagnostik und Evaluation

Die frühzeitige Erkennung einer Lungenbeteiligung erfordert ein strukturiertes Vorgehen. Die Leitlinie spricht hierfür klare Empfehlungen aus:

MaßnahmeIndikation / PatientengruppeEmpfehlungsgrad
Ausführliche respiratorische AnamneseAlle Patienten bei initialer und jeder weiteren VisiteStark
Serologische BiomarkerZum Ausschluss einer LungenbeteiligungNicht empfohlen (Stark)
Röntgen-Thorax (2 Ebenen)Asymptomatische Patienten (Baseline-Diagnostik)Schwach
Komplette Lungenfunktion (inkl. DLCO)Asymptomatische Patienten (Baseline-Diagnostik)Schwach
HRCT & LungenfunktionPatienten mit chronischem Husten und/oder DyspnoeModerat
EchokardiographieV.a. pulmonale Hypertonie oder unklare DyspnoeStark
Bronchoskopie mit BALNur im Einzelfall (z.B. Infektausschluss, Amyloidose)Stark (gegen Routineeinsatz)

Atemwegserkrankungen

Sjögren-Patienten leiden häufig an Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege, darunter Xerotrachea, chronischer Husten und Small Airway Disease.

ErkrankungTherapieansatzEmpfehlungsgrad
Stimmbandzysten ('Bamboo nodules')Stimmtherapie, inhalative/intraläsionale Steroide. OP nur bei Versagen.Moderat
Trockener ReizhustenBefeuchtung, Sekretolytika, Guaifenesin (nach Ausschluss anderer Ursachen)Schwach
Small Airway DiseaseKurzzeitige systemische Steroide (2-4 Wochen), Bronchodilatatoren, Makrolide (z.B. Azithromycin 250 mg 3x/Woche für 2-3 Monate)Schwach
BronchiektasenMukolytika, Atemphysiotherapie, chronische MakrolideStark

Interstitielle Lungenerkrankung (ILD)

Die Sjögren-assoziierte ILD kann asymptomatisch verlaufen oder zu schwerer Dyspnoe führen. Bei asymptomatischen Patienten mit minimalen Einschränkungen wird ein rein serielles Monitoring (Lungenfunktion alle 3-6 Monate) empfohlen. Bei symptomatischer Erkrankung gilt folgendes Stufenschema:

StufeTherapieBemerkungEmpfehlungsgrad
1. LinieSystemische Kortikosteroide0,5-1,0 mg/kg bei symptomatischer/mittelschwerer bis schwerer ILDModerat
1. Linie (Erhaltung)Mycophenolat-Mofetil (MMF) oder AzathioprinAls steroidsparende ImmunsuppressionModerat
2. LinieRituximab, CalcineurininhibitorenBei unzureichendem Ansprechen oder UnverträglichkeitSchwach
2. Linie (Antifibrotika)NintedanibBei progressiver fibrosierender ILDModerat
Akuter SchubHochdosis-Steroide i.v. (Methylprednisolon)Ggf. plus Cyclophosphamid oder Rituximab bei respiratorischem VersagenStark / Moderat

Lymphoproliferative Erkrankungen

Das Risiko für die Entwicklung eines Lymphoms liegt bei Sjögren-Patienten bei 5 bis 18 %. Die Lunge kann direkt betroffen sein (meist MALT-Lymphome).

  • Starke Empfehlung: Alle Patienten müssen klinisch auf Anzeichen pulmonaler lymphoproliferativer Erkrankungen überwacht werden.
  • Starke Empfehlung: Bei B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust), Lymphadenopathie oder Parotitis muss zwingend ein Lymphom ausgeschlossen werden.
  • Moderate Empfehlung: Bei Verdacht auf ein Lymphom ist ein HRCT dem konventionellen Röntgen-Thorax vorzuziehen.
  • Moderate Empfehlung: Ein PET-CT sollte bei Lungenrundherden > 8 mm, Konsolidierungen oder Lymphadenopathie erwogen werden.
  • Moderate Empfehlung: Eine Biopsie ist bei wachsenden Lungenrundherden, progredienten Zysten oder unklarer Lymphadenopathie indiziert.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich zum Ausschluss einer Lungenbeteiligung niemals auf serologische Biomarker. Führen Sie stattdessen bei jedem Sjögren-Patienten routinemäßig eine detaillierte respiratorische Anamnese durch.

Häufig gestellte Fragen

Etwa 10 bis 20 % der Sjögren-Patienten weisen eine Lungenbeteiligung auf. Bis zu 65 % der asymptomatischen Patienten haben bereits Auffälligkeiten in der Bildgebung.
Ein hochauflösendes CT (HRCT) des Thorax mit zusätzlichen Exspirationsaufnahmen wird als diagnostischer Goldstandard empfohlen.
Eine Bronchoskopie wird nicht routinemäßig empfohlen. Sie ist speziellen Indikationen vorbehalten, etwa zum Ausschluss von Infektionen unter Immunsuppression oder zur Diagnostik einer Amyloidose.
Zu den potenziellen Auslösern gehören Medikamente, die häufig bei rheumatologischen Erkrankungen eingesetzt werden, wie TNF-alpha-Inhibitoren, Sulfasalazin, Cyclophosphamid, Rituximab, Leflunomid und Methotrexat.

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