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PubMed CentralPneumologie

Lokalanästhesie bei Pleuraeingriffen: Dosierung (PubMed)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf PubMed Central Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die BTS-Leitlinien empfehlen maximal 3 mg/kg Lidocain (ohne Adrenalin) bzw. 7 mg/kg (mit Adrenalin).
  • Eine retrospektive Studie zeigt, dass diese Grenzwerte im klinischen Alltag häufig überschritten werden (in 45,6 % der Fälle ohne Adrenalin).
  • Trotz höherer Dosierungen traten keine lokalanästhetika-assoziierten Toxizitäten auf.
  • Starre Maximaldosen sollten laut den Autoren überdacht und an individuelle Risikofaktoren angepasst werden.
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Hintergrund

Pleuraeingriffe sind häufige Prozeduren zur diagnostischen oder therapeutischen Drainage von Flüssigkeit oder Luft. Da die Haut und die parietale Pleura schmerzempfindlich sind, wird standardmäßig eine Lokalanästhesie durchgeführt. Dennoch sind Schmerzen eine häufige Komplikation (bei bis zu 22 % der Thorakozentesen).

Aktuelle Dosierungsempfehlungen

Die aktuellen Leitlinien der British Thoracic Society (BTS) geben folgende Maximaldosen für Lidocain (1 %) vor:

LokalanästhetikumMaximale DosisAbsolute Maximaldosis
Lidocain ohne Adrenalin3 mg/kg250 mg
Lidocain mit Adrenalin7 mg/kg500 mg

Diese starren Grenzwerte basieren jedoch primär auf Tierexperimenten und pharmakokinetischen Studien, nicht auf kontrollierten klinischen Studien.

Studienergebnisse zur klinischen Realität

Eine retrospektive Studie (n=930) am Oxford University Hospitals untersuchte die tatsächliche Dosierungspraxis bei verschiedenen Pleuraeingriffen:

EingriffsartHäufigstes AnästhetikumMittlere Lidocain-Dosis (mg/kg)
Diagnostische & therapeutische AspirationLidocain 1 %2,94
Bildgesteuerte BiopsieLidocain 1 %2,98
Thoraxdrainage (ICD)Lidocain 1 %3,23
Lokalanästhetische Thorakoskopie (LAT)Lidocain 1 % + Bupivacain 0,5 % (mit Adrenalin)4,97
Getunnelter Pleurakatheter (IPC)Lidocain 1 % (mit Adrenalin)4,67

Überschreitung der Grenzwerte:

  • Ohne Adrenalin: In 45,6 % der Fälle wurden >3 mg/kg verabreicht, in 7,9 % >4,5 mg/kg und in 1,6 % >6 mg/kg.
  • Mit Adrenalin: In 15,3 % der Fälle wurden >7 mg/kg verabreicht.

Es zeigte sich eine starke negative Korrelation zwischen Körpergewicht und Dosis (r = -0,69). Dies deutet darauf hin, dass Anwender Standardvolumina verabreichen, ohne das Gewicht ausreichend zu berücksichtigen.

Sicherheit und Toxizität

Trotz der häufigen und teils deutlichen Überschreitung der empfohlenen Maximaldosen wurden keine Fälle von lokalanästhetika-assoziierter Toxizität beobachtet (weder in der 30-minütigen Überwachungsphase noch im 6-monatigen Follow-up).

Klinische Implikationen

Die Autoren folgern, dass die aktuellen, pauschalen Maximaldosen überdacht werden sollten:

  • Höhere Lidocain-Dosen scheinen bei Pleuraeingriffen für viele Patienten sicher zu sein.
  • Starre Dosisgrenzen berücksichtigen individuelle Risikofaktoren (Nierenfunktion, Alter, Komorbiditäten) nicht.
  • Bei Kombinationen (z. B. Lidocain und Bupivacain) muss der additive Effekt auf das Toxizitätsrisiko beachtet werden, was in aktuellen Leitlinien fehlt.

💡Praxis-Tipp

Wenn Patienten trotz Erreichen der maximalen Lidocain-Dosis Schmerzen haben, kann eine vorsichtige Dosiserhöhung sicher sein. Berücksichtigen Sie dabei individuelle Risikofaktoren (Nierenfunktion, Alter) und erwägen Sie ein EKG-Monitoring.

Häufig gestellte Fragen

Laut BTS-Leitlinien liegt die Maximaldosis bei 3 mg/kg (max. 250 mg) ohne Adrenalin und bei 7 mg/kg (max. 500 mg) mit Adrenalin.
Aktuelle retrospektive Daten zeigen keine Toxizität bei Überschreitung der Grenzwerte. Eine Dosiserhöhung sollte jedoch unter Berücksichtigung individueller Risikofaktoren erfolgen.
In der Praxis erhalten Patienten mit geringerem Körpergewicht oft relativ höhere Dosen (mg/kg), da häufig Standardvolumina unabhängig vom Gewicht verabreicht werden.

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