WHO2012

Pflanzliche Arzneimittel: Studiendesign und Toxikologie

Diese Leitlinie stammt aus 2012 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2012)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2012) formuliert operative Vorgaben für die Durchführung klinischer Studien mit pflanzlichen Arzneimitteln. Pflanzliche Präparate unterscheiden sich von konventionellen Medikamenten durch ihre komplexe Zusammensetzung und die oft bereits bestehende traditionelle Anwendung am Menschen.

Diese Besonderheiten erfordern angepasste Kriterien für die chemisch-pharmazeutische Qualität (CMC), die präklinische Testung sowie das klinische Studiendesign. Die Leitlinie richtet sich primär an klinische Prüfer und regulatorische Behörden, um die wissenschaftliche Evaluierung von Wirksamkeit und Sicherheit zu standardisieren.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Planung und Durchführung von Studien:

Chemisch-pharmazeutische Qualität (CMC)

Laut Leitlinie ist eine Aufreinigung auf einzelne bekannte chemische Bestandteile nicht erforderlich, da die Mischung der Inhaltsstoffe als therapeutischer Vorteil betrachtet wird.

Für die Analyse der Wirkstoffe wird empfohlen:

  • Die Analyse eines hypothetischen Wirkstoffs

  • Die Analyse eines quantitativ bedeutsamen chemischen Markers

  • Die Erstellung eines chemischen Fingerabdrucks der Gesamtzutaten

Zudem wird eine strenge Prüfung auf Kontaminationen durch Pestizide, Schwermetalle, Toxine und synthetische Verfälschungen gefordert. Die Anforderungen an die Dokumentation steigen mit der Studienphase:

StudienphaseAnforderungen an die pflanzliche SubstanzAnforderungen an das Endprodukt
Phase 1 und 2Pflanzenbeschreibung, Verarbeitung, Analytik, Spezifikationen, LagerungWirkstoffmenge, Exzipienten, chemischer Fingerabdruck, Kontaminationsprüfung
Phase 3Wie Phase 1/2 plus Referenzcharge und Nachweis guter landwirtschaftlicher PraxisWie Phase 1/2 plus Umweltverträglichkeitsprüfung und volle GMP-Standards

Präklinische Anforderungen

Die Leitlinie empfiehlt, zunächst die vorhandene Literatur zur Wirksamkeit und Toxikologie auszuwerten. Neue präklinische Wirksamkeitsstudien sind nur bei offensichtlichen Datenlücken erforderlich.

Der Umfang notwendiger toxikologischer Tierstudien variiert je nach Vorwissen, Ähnlichkeit zu traditionellen Präparaten und geplanter Studiengröße. Pharmakokinetische Tierstudien sind laut Leitlinie nicht zwingend erforderlich, da die Dosierung oft aus der traditionellen Anwendung abgeleitet werden kann.

Klinische Studienphasen

Phase-1-Studien an gesunden Probanden werden bei traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln aufgrund der bisherigen Anwendungserfahrung meist als nicht notwendig erachtet.

Die Leitlinie betont die Wichtigkeit von Phase-2-Studien zur Dosisfindung und Verträglichkeitsprüfung. Es wird davor gewarnt, Phase-3-Studien vorzeitig mit suboptimalen Dosierungen zu beginnen.

In Phase-3-Studien wird eine erneute Testung aller Sicherheitsparameter empfohlen. Dies wird damit begründet, dass die breiteren Einschlusskriterien der Phase 3 zu anderen Sicherheitsprofilen führen können als in kleineren Vorstudien.

Ethische Aspekte

Bei der Aufklärung der Studienteilnehmer muss transparent auf spezifische Unsicherheiten hingewiesen werden. Dazu zählen mögliche Verfälschungen, unklare Interaktionen mit anderen Medikamenten und oft begrenzte toxikologische Daten.

Zudem wird empfohlen, die Ursprungsgemeinschaft des pflanzlichen Mittels in die Forschung einzubeziehen und die Ergebnisse mit ihr zu teilen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, Phase-3-Studien ohne vorherige systematische Dosisfindung in Phase 2 zu beginnen. Ein häufiger Fehler bei pflanzlichen Präparaten ist die Verwendung einer suboptimalen, aber sicheren Dosis in Phase 3, was fälschlicherweise zur generellen Ablehnung der Wirksamkeit führen kann. Zudem wird darauf hingewiesen, dass klassische Phase-1-Studien an Gesunden bei traditionell genutzten Pflanzenextrakten meist übersprungen werden können.

Häufig gestellte Fragen

Laut WHO-Leitlinie sind Phase-1-Studien an gesunden Probanden bei traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln in der Regel nicht erforderlich. Die Sicherheit der grundlegenden Dosierung lässt sich meist aus der langjährigen traditionellen Anwendung am Menschen ableiten.

Es wird nicht gefordert, pflanzliche Präparate auf einzelne chemische Bestandteile aufzureinigen. Die Leitlinie geht davon aus, dass gerade die Mischung bekannter und unbekannter Inhaltsstoffe additive oder synergistische Effekte bietet.

Die Leitlinie empfiehlt primär eine umfassende Literaturrecherche zu Wirksamkeit und Toxizität. Neue Tierversuche sind nur bei Datenlücken oder für große Phase-3-Studien notwendig, während pharmakokinetische Tierstudien generell nicht zwingend gefordert werden.

Für Phase-1- und Phase-2-Studien müssen genaue Spezifikationen zu Pflanzenteilen, Verarbeitung und Kontaminationen vorliegen, auch wenn volle GMP-Standards oft noch nicht zwingend sind. Vor dem Start von Phase-3-Studien wird jedoch die strikte Einhaltung der Good Manufacturing Practice (GMP) vorausgesetzt.

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Quelle: Operational guidance: information needed to support clinical trials of herbal products (WHO, 2012). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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