PANDAS-Syndrom: Diagnostische Kriterien und Therapie
Hintergrund
Die StatPearls-Zusammenfassung beschreibt PANDAS (Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Disorders Associated With Streptococcal Infections) als ein seltenes, autoimmunes Syndrom. Es ist durch das plötzliche Auftreten von schweren neuropsychiatrischen Symptomen wie Zwangsstörungen und Tics bei Kindern gekennzeichnet.
Als Auslöser gelten Infektionen mit betahämolysierenden Streptokokken der Gruppe A. Die Pathophysiologie beruht laut Leitlinie auf molekularer Mimikry, bei der kreuzreagierende Antikörper die Blut-Hirn-Schranke überwinden und an neuronale Proteine in den Basalganglien binden.
PANDAS wird häufig in die breitere Kategorie PANS (Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndromes) eingeordnet, welche auch andere infektiöse oder umweltbedingte Auslöser umfasst. Die Erkrankung betrifft vorwiegend Jungen im Alter zwischen 3 und 12 Jahren.
Empfehlungen
Die Leitlinie betont, dass es sich bei PANDAS um eine Ausschlussdiagnose handelt. Es wird eine umfassende psychoneurologische, infektiologische und autoimmunologische Evaluation empfohlen.
Diagnostische Kriterien
Für die klinische Diagnose von PANDAS müssen laut Leitlinie folgende Kriterien erfüllt sein:
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Leitsymptome | Vorliegen einer Zwangsstörung (OCD) oder einer Tic-Störung |
| Manifestationsalter | Symptombeginn im Kindesalter bis zur Pubertät (3 bis 12 Jahre) |
| Verlauf | Akuter, plötzlicher Beginn mit episodischen Exazerbationen (schubförmig) |
| Infektionsassoziation | Zeitlicher Zusammenhang mit einer nachgewiesenen Streptokokken-Infektion |
| Begleitsymptome | Neurologische Auffälligkeiten wie Hyperaktivität oder choreiforme Bewegungen |
Zur Bestätigung der Streptokokken-Infektion wird ein Rachenabstrich (Kultur oder Schnelltest) sowie die Bestimmung von Antistreptolysin O und Anti-DNase B empfohlen. Die Leitlinie weist jedoch darauf hin, dass positive Antikörpertiter lediglich eine Exposition belegen und keine spezifischen Marker für PANDAS sind.
Therapie
Als primärer therapeutischer Ansatz bei akuten Episoden wird eine antibiotische Behandlung empfohlen. Diese zielt auf die Eradikation der Streptokokken ab und nutzt die immunmodulatorischen Eigenschaften der Medikamente.
Die Leitlinie führt folgende Therapieoptionen auf:
-
Antibiotika: Einsatz von Beta-Laktamen (z.B. Cephalosporine, Penicilline) oder Makroliden (z.B. Azithromycin).
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Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zur Behandlung der Zwangssymptomatik.
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Immunmodulatoren: Intravenöse Immunglobuline (IVIG) werden bei refraktären Verläufen als vielversprechend eingestuft.
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Plasmapherese: Therapeutischer Plasmaaustausch ist als Zweitlinientherapie für schwere, therapierefraktäre Fälle mit Suizidalität oder aggressivem Verhalten reserviert.
Bei komplizierten Verläufen mit schweren oder rezidivierenden Exazerbationen wird eine antibiotische Langzeitprophylaxe diskutiert.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt vor dem Einsatz von Kortikosteroiden bei PANDAS, da diese zwar Zwangssymptome lindern können, jedoch häufig zu einer Verschlechterung der Tics führen und ein hohes Rückfallrisiko nach dem Absetzen bergen. Zudem wird betont, dass eine unzureichende Diagnostik und fehlende Therapie das Risiko für persistierende neuropsychiatrische Symptome bis ins Erwachsenenalter deutlich erhöhen.
Häufig gestellte Fragen
Die Diagnose wird rein klinisch anhand spezifischer Kriterien gestellt und ist eine Ausschlussdiagnose. Laut Leitlinie müssen andere neurologische, psychiatrische oder autoimmune Erkrankungen im Vorfeld zwingend ausgeschlossen werden.
Antistreptolysin O und Anti-DNase B können eine stattgehabte Streptokokken-Infektion nachweisen. Die Leitlinie betont jedoch, dass sie keine definitiven Biomarker für PANDAS sind, da sie nicht zwischen einer akuten Infektion und einem chronischen Trägerstatus unterscheiden.
Es wird primär der Einsatz von Beta-Laktam-Antibiotika (wie Cephalosporine oder Penicilline) oder Makroliden empfohlen. Diese wirken nicht nur antibakteriell, sondern besitzen laut Leitlinie auch neuroprotektive und immunmodulatorische Eigenschaften.
Der therapeutische Plasmaaustausch ist als Zweitlinientherapie für sehr schwere und therapierefraktäre Fälle vorgesehen. Er wird insbesondere bei Patienten mit Suizidalität oder extrem gewalttätigem Verhalten in Betracht gezogen.
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Quelle: StatPearls: Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Disorders Associated With Streptococcal Infections (PANDAS) (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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