Netzhautblutung: Ursachen, Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Netzhautblutungen (retinale Hämorrhagien) sind ein wichtiges ophthalmologisches Diagnosezeichen. Sie weisen häufig auf zugrunde liegende systemische Gefäßerkrankungen oder unkontrollierte Augenerkrankungen hin.
Die Ausdehnung, Tiefe und das Verteilungsmuster der Blutungen liefern entscheidende Hinweise auf die Ätiologie. Zu den häufigsten Ursachen zählen diabetische und hypertensive Retinopathien, Traumata sowie hämatologische Erkrankungen.
Bei Kindern unter drei Jahren mit Netzhautblutungen und intrakraniellen Verletzungen muss laut Leitlinie an ein Schütteltrauma (Abusive Head Trauma) gedacht werden. Bei Erwachsenen treten die Blutungen meist ab dem 40. Lebensjahr im Rahmen systemischer Erkrankungen auf.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Evaluation und Behandlung von Netzhautblutungen:
Diagnostik und Evaluation
Es wird eine detaillierte Anamnese sowie eine Spaltlampenuntersuchung, eine Funduskopie in Mydriasis und eine Augeninnendruckmessung empfohlen. Zur genauen Bestimmung von Lokalisation und Tiefe der Blutung sind eine optische Kohärenztomografie (OCT), eine Fluoreszenzangiografie (FFA) und Fundusfotografien indiziert.
Vor der weiteren Evaluation wird die Erfassung von Blutdruck, Body-Mass-Index und Blutzucker empfohlen.
Abhängig vom klinischen Bild wird eine umfassende systemische Labordiagnostik empfohlen:
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Diabetes und metabolisches Syndrom: Blutbild, Thrombozyten, BSG, CRP, Nüchternblutzucker, HbA1c und Lipidprofil
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Hyperkoagulabilität: Gerinnungsstatus (PT/PTT, Protein C/S, Faktor-V-Leiden, Antithrombin III)
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Autoimmunerkrankungen: ANA, Anti-dsDNA und weitere spezifische Antikörper
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Infektionen: ELISA, Lues-Serologie (FTA-ABS/RPR)
Klassifikation der Netzhautblutungen
Die Leitlinie klassifiziert die Blutungen nach ihrer anatomischen Lage, was Rückschlüsse auf die Ursache zulässt.
| Blutungstyp | Lokalisation | Typische Ursachen |
|---|---|---|
| Oberflächlich (RNFL) | Nervenfaserschicht (flammenförmig, Roth-Flecken) | Hypertonie, Anämie, Endokarditis, Glaukom |
| Intraretinal | Innere Körnerschicht (Punkt- und Fleckblutungen) | Diabetische Retinopathie, Venenverschlüsse |
| Subretinal | Zwischen Photorezeptoren und RPE | Altersabhängige Makuladegeneration (AMD), Trauma |
| Preretinal / Subhyaloidal | Zwischen Glaskörper und Membrana limitans interna | Terson-Syndrom, Valsalva-Retinopathie |
| Glaskörperblutung | Im Glaskörperraum | Proliferative diabetische Retinopathie, Gefäßruptur |
Therapie und Management
Solitäre Blutungen ohne Visusbedrohung können laut Leitlinie konservativ beobachtet werden. Der Fokus liegt hierbei auf der Behandlung der zugrunde liegenden systemischen Erkrankung.
Bei visusbedrohenden Blutungen (submakulär, subhyaloidal, Glaskörper) wird eine direkte ophthalmologische Intervention empfohlen:
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Subhyaloidale Blutung: Zunächst 1 bis 3 Monate Beobachtung. Bei fehlender Resorption wird eine Nd:YAG-Laser-Membranotomie oder eine Pars-plana-Vitrektomie (PPV) empfohlen.
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Submakuläre Blutung: Es wird eine pneumatische Verdrängung (mit SF6- oder C3F8-Gas) mit oder ohne Gewebeplasminogenaktivator (t-PA) empfohlen. Alternativ kommen Anti-VEGF-Injektionen oder eine PPV in Betracht.
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Glaskörperblutung: Bettruhe mit Oberkörperhochlagung und beidseitiger Augenverband werden zur Blutungsabsenkung empfohlen. Bei Netzhautrissen ist eine Laserkoagulation oder Kryotherapie indiziert.
Eine chirurgische Entfernung mittels Pars-plana-Vitrektomie wird bei Netzhautablösung, fehlender Resorption nach 2 bis 3 Monaten oder bei Komplikationen wie Rubeosis iridis empfohlen.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungen für die pneumatische Verdrängung bei submakulären Blutungen:
| Wirkstoff | Dosierung | Indikation |
|---|---|---|
| Schwefelhexafluorid (SF6) | 0,3 bis 0,4 ml intravitreal | Pneumatische Verdrängung bei submakulärer Blutung |
| Perfluorpropan (C3F8) | 0,3 bis 0,4 ml intravitreal | Pneumatische Verdrängung bei submakulärer Blutung |
Kontraindikationen
Die Leitlinie rät von der Einnahme von Medikamenten wie Aspirin bei Glaskörperblutungen ab, sofern dies nicht unter strenger ärztlicher Aufsicht erfolgt.
💡Praxis-Tipp
Bei Kindern unter drei Jahren mit Netzhautblutungen und intrakraniellen Verletzungen muss zwingend an ein Schütteltrauma (Abusive Head Trauma) gedacht werden. Zudem warnt die Leitlinie davor, submakuläre Blutungen unbehandelt zu lassen, da diese durch Schädigung der Photorezeptoren zu einem irreversiblen Sehverlust führen können.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt zunächst die Erfassung von Blutdruck, BMI und Blutzucker. Je nach Verdachtsdiagnose wird ein umfassendes Labor-Screening auf metabolische, infektiöse und autoimmune Erkrankungen sowie Gerinnungsstörungen empfohlen.
Eine direkte Intervention wird bei visusbedrohenden Blutungen wie submakulären, subhyaloidalen oder Glaskörperblutungen empfohlen. Solitäre, nicht visusbedrohende Blutungen können laut Leitlinie konservativ beobachtet werden.
Es wird eine pneumatische Verdrängung des Blutes mittels intravitrealer Gasinjektion (SF6 oder C3F8), oft in Kombination mit t-PA, empfohlen. Alternativ oder ergänzend kommen Anti-VEGF-Injektionen und die Pars-plana-Vitrektomie zum Einsatz.
Roth-Flecken sind rundliche Blutungen mit einem weißen Zentrum, die durch Kapillarrupturen und zentrale Fibrin-Thrombozyten-Pfropfen entstehen. Sie gelten als charakteristisches Zeichen einer subakuten bakteriellen Endokarditis, können aber auch bei Leukämie oder Anämie auftreten.
Die meisten Glaskörperblutungen resorbieren sich laut Leitlinie innerhalb von drei Monaten. Wenn nach 2 bis 3 Monaten keine Besserung eintritt, wird eine chirurgische Entfernung mittels Pars-plana-Vitrektomie empfohlen.
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Quelle: StatPearls: Retinal Hemorrhage (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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