Neonatales EEG: Indikation, Durchführung und Befundung
Hintergrund
Das neonatale Elektroenzephalogramm (EEG) ist ein diagnostisches Verfahren zur Beurteilung neurologischer Erkrankungen bei Neugeborenen. Laut der StatPearls-Leitlinie wird es primär zur Evaluation von Enzephalopathien, Anfallsleiden und der allgemeinen Hirnreife eingesetzt.
Die Interpretation eines neonatalen EEGs unterscheidet sich grundlegend von der bei älteren Kindern oder Erwachsenen. Sie ist stark abhängig vom Gestationsalter sowie vom aktuellen Wach- oder Schlafzustand des Säuglings.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Indikation und Durchführung:
Indikationen
Ein neonatales EEG wird laut Leitlinie bei folgenden klinischen Szenarien empfohlen:
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Klinische Anzeichen von Krampfanfällen (z. B. intermittierende horizontale Blickdeviation, tonische Körperhaltung, unerklärliche Tachykardie)
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Bestätigte neonatale Krampfanfälle
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Beurteilung des Schweregrads einer hypoxischen Enzephalopathie
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Hypotonie oder veränderter mentaler Status
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Hohes Risiko für Hirnschäden (z. B. durch ZNS-Infektionen, Traumata, intrakranielle Blutungen oder perinatale Schlaganfälle)
Vorbereitung und Technik
Für die Ableitung wird ein modifiziertes 10-20-System mit mindestens 8 bis 12 Skalpelektroden empfohlen. Zusätzlich sollten laut Leitlinie nicht-zerebrale Parameter wie EKG, Augenbewegungen und Atmung erfasst werden, um Artefakte und Schlafstadien besser beurteilen zu können.
Die Haut des Neugeborenen sollte so vorbereitet werden, dass die Elektrodenimpedanz zwischen 5 und 10 kOhm liegt. Eine Impedanz von unter 10 kOhm ist zulässig, um übermäßige Hautabschürfungen zu vermeiden.
Es wird eine Aufzeichnungsdauer von mindestens 60 Minuten empfohlen, um sowohl aktive als auch ruhige Schlafphasen vollständig zu erfassen. Die Leitlinie rät ausdrücklich vom Einsatz von Sedativa zur Einleitung des Schlafs ab.
Reifebedingte EEG-Veränderungen
Die Hintergrundaktivität des Gehirns verändert sich mit zunehmendem Gestationsalter. Die Leitlinie beschreibt folgende alterstypische Entwicklungsschritte:
| Gestationsalter | Charakteristische EEG-Befunde | Schlaf-Wach-Differenzierung |
|---|---|---|
| 24-28 Wochen | Tracé discontinu, regionale Delta-Aktivität (0,3-1 Hz) mit überlagerten Theta-Rhythmen | Inkonsistent |
| 28-31 Wochen | Zunehmende Kontinuität, erste Delta-Brushes, lokalisierte Theta-Rhythmen | Besser definiert |
| 32-34 Wochen | Profuse Delta-Brushes (ab 34. Woche), diskontinuierlicher ruhiger Schlaf (Interburst-Intervalle <10-15 s) | Deutlich unterscheidbar |
| 35-36 Wochen | Tracé alternant im ruhigen Schlaf, kontinuierliche Aktivität im wachen Zustand | 4 primäre Phasen differenzierbar |
| Ab 37 Wochen | Activité moyenne im Wachzustand, Delta-Brushes werden nach der 40. Woche seltener | Vollständig differenzierbar |
Kontraindikationen
Laut Leitlinie gibt es keine absoluten Kontraindikationen für ein neonatales EEG. Es wird jedoch zur Vorsicht bei Säuglingen mit Anenzephalie, erheblichen Kopfhautverletzungen mit Ödemen sowie bei sehr unreifen Frühgeborenen mit extrem niedrigem Geburtsgewicht geraten.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt vor dem Einsatz von Nadelelektroden bei Neugeborenen. Zudem wird betont, dass für eine adäquate Beurteilung der Schlafstadien eine Aufzeichnungsdauer von mindestens 60 Minuten erforderlich ist, wobei auf eine medikamentöse Sedierung zur Schlafinduktion zwingend verzichtet werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine Aufzeichnungsdauer von mindestens 60 Minuten. Dies ist notwendig, um einen vollständigen Zyklus aus aktivem und ruhigem Schlaf zu erfassen.
Es wird ausdrücklich davon abgeraten, Sedativa zur Einleitung des ruhigen Schlafs zu verwenden. Die Aufzeichnung sollte im natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus erfolgen.
Es wird die Verwendung von Diskelektroden (Oberflächenelektroden) in einem modifizierten 10-20-System empfohlen. Nadelelektroden sind laut Leitlinie bei Neugeborenen nicht indiziert.
Die häufigsten Komplikationen sind dermatologischer Natur, wie Hautmazerationen durch Klebstoffe oder Zug an den Elektroden. Zudem besteht laut Leitlinie ein geringes Infektionsrisiko an den Kontaktstellen.
Die Leitlinie empfiehlt eine Elektrodenimpedanz zwischen 5 und 10 kOhm. Werte unter 10 kOhm sind wichtig, um die empfindliche Haut des Neugeborenen nicht durch zu starke Abrasion zu verletzen.
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Quelle: StatPearls: Neonatal EEG (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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