Nebennierenkrise: Akuttherapie und Sick-Day-Regeln
Hintergrund
Die Nebennierenkrise (Addison-Krise) ist ein lebensbedrohlicher endokrinologischer Notfall, der durch eine akute Nebennierenrindeninsuffizienz entsteht. Unbehandelt führt der akute Cortisolmangel zu einem Kreislaufkollaps und kann tödlich enden.
Häufige Auslöser sind gastrointestinale Infekte, Traumata, Operationen oder das abrupte Absetzen einer chronischen Glukokortikoidtherapie. Auch bei bisher nicht diagnostizierter Nebenniereninsuffizienz kann die Krise als Erstmanifestation auftreten.
Die StatPearls-Leitlinie definiert die Krise als akute Verschlechterung des Gesundheitszustands mit absoluter (systolisch < 100 mmHg) oder relativer Hypotonie (Abfall um > 20 mmHg). Typischerweise bessern sich diese Parameter innerhalb von ein bis zwei Stunden nach parenteraler Glukokortikoidgabe.
Empfehlungen
Klinische Präsentation und Diagnostik
Die Leitlinie betont, dass die anfänglichen Symptome oft unspezifisch sind und Schwäche, Übelkeit, Erbrechen sowie abdominelle Schmerzen umfassen. Im Verlauf kommt es zu refraktärer Hypotonie, Schock und Bewusstseinsstörungen.
Bei Verdacht auf eine Nebennierenkrise wird eine sofortige laborchemische Untersuchung empfohlen, die jedoch niemals die Therapie verzögern darf.
Typische Laborbefunde umfassen laut Leitlinie:
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Hyponatriämie und Hyperkaliämie (bei Mineralokortikoidmangel)
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Hypoglykämie (besonders bei Kindern)
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Normozytäre Anämie, Lymphozytose und Eosinophilie
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Hyperkalzämie und erhöhte Kreatininwerte
Akuttherapie
Die sofortige intravenöse oder intramuskuläre Gabe von Hydrocortison stellt die definitive Behandlung dar und gilt als lebensrettende Maßnahme.
Es wird empfohlen, parallel eine aggressive Volumentherapie durchzuführen, da die betroffenen Personen häufig stark dehydriert sind.
Laut Leitlinie ist eine kontinuierliche Hydrocortison-Infusion der intermittierenden Bolusgabe überlegen. Dadurch werden die Cortisolspiegel besser im therapeutischen Bereich gehalten.
Prävention und Aufklärung
Die Leitlinie hebt die Wichtigkeit der Aufklärung zur Vermeidung von Krisen hervor.
Folgende präventive Maßnahmen werden empfohlen:
-
Schulung zu "Sick-Day-Regeln" (Dosisanpassung bei Krankheit)
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Mitführen eines Notfallausweises (Steroidkarte) und Tragen eines medizinischen Warnarmbands
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Bereitstellung eines Notfallsets mit injizierbarem Hydrocortison (100 mg) oder Dexamethason (4 mg) zu Hause
Dosierung
Die Leitlinie gibt folgende Dosierungsempfehlungen für die Akuttherapie bei Erwachsenen vor:
| Medikament | Initiale Dosis | Erhaltungsdosis (erste 24h) |
|---|---|---|
| Hydrocortison (Mittel der Wahl) | 100 mg IV oder IM | 200 mg (als kontinuierliche Infusion oder 50 mg alle 6h) |
| Prednisolon (Alternative) | 25 mg IV oder IM | 2x 25 mg, danach 50 mg/Tag |
| Methylprednisolon (Alternative) | 40 mg IV oder IM | 40 mg alle 24h |
| Dexamethason (Alternative) | 4 mg IV oder IM | 4 mg alle 24h |
Für die Prävention einer Krise werden folgende "Sick-Day-Regeln" zur Dosisanpassung der oralen Erhaltungstherapie empfohlen:
| Auslöser / Situation | Empfohlene Dosisanpassung |
|---|---|
| Fieber > 38 °C | Verdopplung der oralen Tagesdosis |
| Fieber > 39 °C | Verdreifachung der oralen Tagesdosis |
| Erheblicher emotionaler Stress | Zusätzliche Einnahme von 10 mg Hydrocortison |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt davor, bei Vorliegen einer begleitenden Hypothyreose eine Schilddrüsenhormonsubstitution (z.B. mit Levothyroxin) zu beginnen, bevor die Nebenniereninsuffizienz behandelt ist. Eine Erhöhung des Stoffwechsels durch Schilddrüsenhormone kann eine Nebennierenkrise auslösen.
Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine Schilddrüsenhormonsubstitution im akuten Setting nur erfolgen sollte, wenn der TSH-Wert > 10 mU/L liegt.
💡Praxis-Tipp
Ein refraktärer Schock, der nicht auf eine adäquate Volumengabe und Vasopressoren anspricht, sollte laut Leitlinie immer den Verdacht auf eine Nebennierenkrise lenken. Es wird nachdrücklich betont, dass bei klinischem Verdacht die lebensrettende Hydrocortison-Gabe sofort erfolgen muss und nicht auf Laborergebnisse gewartet werden darf.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie sind gastrointestinale und grippeähnliche Infekte die häufigsten Auslöser. Auch Traumata, Operationen oder das abrupte Absetzen einer Glukokortikoidtherapie können eine Krise provozieren.
Die Leitlinie stellt klar, dass die Behandlung niemals für die Diagnostik verzögert werden darf. Bei Verdacht wird eine sofortige Gabe von Hydrocortison empfohlen.
Es wird empfohlen, die orale Tagesdosis bei Fieber über 38 °C zu verdoppeln. Steigt das Fieber auf über 39 °C, sollte die Dosis gemäß den Leitlinien-Empfehlungen verdreifacht werden.
Typische Befunde umfassen eine Hyponatriämie, Hyperkaliämie und Hypoglykämie. Zudem kann eine Eosinophilie im Differenzialblutbild ein wichtiger Hinweis auf eine adrenale Ursache sein.
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Quelle: StatPearls: Adrenal Crisis (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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