StatPearls2026

Methanolintoxikation: Diagnostik, Fomepizol & Dialyse

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Methanol ist ein toxischer Alkohol, der in vielen Haushalts- und Industrieprodukten wie Scheibenwischwasser, Lösungsmitteln und Frostschutzmitteln vorkommt. Eine Vergiftung erfolgt meist durch akzidentelle oder intentionelle Ingestion.

Die Toxizität entsteht nicht durch das Methanol selbst, sondern durch seine Metaboliten. Das Enzym Alkoholdehydrogenase (ADH) verstoffwechselt Methanol zu Formaldehyd, welches anschließend durch die Aldehyddehydrogenase zu Ameisensäure (Formiat) oxidiert wird.

Diese Ameisensäure ist für die späte Anionenlücken-Metabolische-Azidose sowie für schwere Endorganschäden verantwortlich. Besonders empfindlich reagieren die Retina und die Basalganglien, was im unbehandelten Verlauf zu irreversibler Erblindung und neurologischen Ausfällen führen kann.

Empfehlungen

Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Evaluation und Behandlung der Methanolintoxikation:

Diagnostik und Überwachung

Bei Verdacht auf eine Methanolintoxikation wird eine umfassende Labordiagnostik empfohlen, einschließlich Blutgasanalysen und Elektrolyten zur Bestimmung der Anionenlücke. Da die Anionenlücken-Azidose erst spät auftritt, sollte bei frühzeitiger Vorstellung die osmolare Lücke berechnet werden.

Ein osmolarer Abstand von über 25 mOsm/kg H2O gilt laut Leitlinie als starker Hinweis auf eine Intoxikation mit toxischen Alkoholen. Zudem wird die Bestimmung der Ethanolkonzentration empfohlen, da Ethanol den Methanolabbau kompetitiv hemmt.

Bei asymptomatischen Personen mit unauffälligem Säure-Basen-Status wird eine klinische Überwachung von mindestens 16 bis 24 Stunden angeraten.

Antidot-Therapie

Als primäres Antidot der Wahl wird Fomepizol empfohlen, da es die Alkoholdehydrogenase effektiv hemmt und keine Inebriation verursacht. Alternativ kann Ethanol eingesetzt werden, falls Fomepizol nicht verfügbar ist.

Die Leitlinie empfiehlt den Beginn einer Antidot-Therapie unter folgenden Bedingungen:

  • Serum-Methanolkonzentration von über 20 bis 25 mg/dL

  • Starker klinischer Verdacht auf eine kürzliche Ingestion

  • Schwere oder progrediente metabolische Azidose trotz Volumengabe

Hämodialyse und weitere Maßnahmen

Eine intermittierende Hämodialyse wird häufig benötigt, um Methanol und seine toxischen Metaboliten effizient aus dem Blut zu entfernen. Sie ist der kontinuierlichen Nierenersatztherapie (CRRT) vorzuziehen.

Indikationen für eine Hämodialyse umfassen gemäß Leitlinie:

  • Schwere metabolische Azidose

  • Koma oder Krampfanfälle

  • Neu aufgetretene visuelle Defizite

Zusätzlich wird eine Supplementierung mit Folsäure erwähnt. Diese Maßnahme kann theoretisch den Abbau von Formiat zu Kohlendioxid und Wasser fördern.

Dosierung

Die Leitlinie gibt folgende spezifische Dosierungsschemata für die Antidot-Therapie an:

MedikamentApplikationInitialdosis (Loading Dose)ErhaltungsdosisBesonderheiten
FomepizolIntravenös15 mg/kg10 mg/kg alle 12 StundenAb der 5. Erhaltungsdosis Erhöhung auf 15 mg/kg alle 12h. Bei Dialyse Gabe alle 4h.
Ethanol 10 %Intravenös8 mL/kg über 30-60 Minuten1-2 mL/kg pro StundeZiel-Serumkonzentration: 100 mg/dL. Dosisverdopplung während Hämodialyse.
Ethanol 50 %Oral2 mL/kg0.2-0.4 mL/kg pro StundeZiel-Serumkonzentration: 100 mg/dL. Dosisverdopplung während Hämodialyse.
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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, eine Methanolintoxikation allein aufgrund einer normalen osmolaren Lücke auszuschließen. Es wird betont, dass die osmolare Lücke im späteren Verlauf der Vergiftung wieder normal sein kann, wenn das Methanol bereits zu toxischer Ameisensäure metabolisiert wurde. In dieser späten Phase steht klinisch die Anionenlücken-Azidose im Vordergrund.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird ein Behandlungsbeginn ab einer Serum-Methanolkonzentration von 20 bis 25 mg/dL empfohlen. Bei fehlender Azidose und fehlenden Endorganschäden kann ein Grenzwert von 32 mg/dL erwogen werden.

Die Leitlinie beschreibt retinale Toxizitätssymptome wie verschwommenes Sehen, verminderte Sehschärfe, Photophobie und das Sehen von Halos. Bei der Funduskopie können ein Papillenödem oder eine Hyperämie der Sehnervenpapille auffallen.

Eine Hämodialyse wird bei schwerer Azidose, Koma, Krampfanfällen oder neu aufgetretenen Sehstörungen empfohlen. Sie dient der schnellen Elimination von Methanol und dem toxischen Metaboliten Formiat.

Es wird empfohlen, den Blutalkoholspiegel (Ethanol) zu bestimmen, da Ethanol eine höhere Affinität zur Alkoholdehydrogenase besitzt. Dadurch hemmt vorhandenes Ethanol den Abbau von Methanol zu seinen toxischen Metaboliten kompetitiv.

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Quelle: StatPearls: Methanol Toxicity (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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