WHO2025

Lepra: Diagnostik, MDT-Therapie und PEP-Empfehlungen

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2025) stellt ein digitales, fallbasiertes Managementsystem für Lepra (Morbus Hansen) auf Basis der Software DHIS2 vor. Ziel ist eine verbesserte Überwachung und strukturierte Betreuung im Rahmen der globalen Lepra-Strategie 2021–2030.

Das System integriert klinische Workflows von der Registrierung über die Therapieeinleitung bis zur Kontaktverfolgung. Es ermöglicht die systematische Erfassung von Krankheitsverläufen, Nebenwirkungen und Behandlungsabbrüchen.

Durch die digitale Dokumentation sollen eine frühzeitige Fallerkennung, individualisierte Betreuung und gezielte Interventionen gefördert werden. Die Leitlinie definiert hierfür die zugrundeliegenden klinischen Parameter und Klassifikationen.

Empfehlungen

Diagnostik und Klassifikation

Die Leitlinie unterteilt Lepra-Fälle basierend auf der Läsionsanzahl und dem Bakteriennachweis:

KlassifikationHautläsionenNervenbeteiligungBakteriennachweis (Abstrich)
Paucibazillär (PB)1 bis 5Keine AngabeNegativ
Multibazillär (MB)> 5Vorhanden (Neuritis)Positiv (unabhängig von Läsionszahl)

Zusätzlich wird eine strukturierte Beurteilung der Nervenfunktion (EHF-Score für Augen, Hände, Füße) beschrieben.

WHO-BehinderungsgradHände und FüßeAugen
Grad 0 / 1Keine sichtbaren SchädenKeine schwere Sehbehinderung
Grad 2Sichtbare Deformität oder SchädigungSchwere Sehbehinderung, Lagophthalmus, Iridocyclitis, Hornhauttrübung

Therapie und Monitoring

Die medikamentöse Behandlung erfolgt laut Leitlinie mittels Multidrug-Therapie (MDT):

  • Für MB-Fälle wird ein vollständiger Kurs von 12 Blister-Rationen innerhalb von 18 Monaten dokumentiert.

  • Für PB-Fälle ist ein Kurs von 6 Blister-Rationen innerhalb von 9 Monaten vorgesehen.

  • Bei Therapieunterbrechungen von mehr als 3 Monaten (PB) oder 6 Monaten (MB) wird der Fall als "Loss to follow-up" eingestuft.

Es wird eine regelmäßige Überwachung auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen (z. B. durch Dapson, Rifampicin, Clofazimin) sowie auf Medikamentenresistenzen beschrieben.

Lepra-Reaktionen und Komplikationen

Das System erfasst das Auftreten von Typ-1-Reaktionen (Reversal-Reaktionen) und Typ-2-Reaktionen (Erythema nodosum leprosum).

Zur Behandlung von Reaktionen nennt das Dokument den Einsatz von Prednisolon, Clofazimin oder Thalidomid.

Zusätzlich wird die Dokumentation von unterstützenden Maßnahmen wie Physiotherapie, Ulkusversorgung und rekonstruktiver Chirurgie abgebildet.

Kontaktverfolgung und Prophylaxe

Die Leitlinie definiert enge Kontaktpersonen als Personen, die über mindestens drei Monate hinweg mehr als 20 Stunden pro Woche Kontakt zum Indexfall hatten.

Für berechtigte Kontaktpersonen wird die Gabe einer Postexpositionsprophylaxe (PEP) mit einer Einzeldosis Rifampicin (SDR) beschrieben.

Dosierung

Die Leitlinie führt folgende Dosierungsoptionen für die medikamentöse Behandlung von Lepra-Reaktionen im System auf:

MedikamentDosierungsoptionenDauer / Schema
Prednisolon40 mg, 30 mg, 25 mg, 20 mg, 10 mg, 5 mgAusschleichendes Schema über 20 Wochen (dokumentiert in 4-Wochen-Intervallen)
Clofazimin300 mg, 200 mg, 100 mg1 bis 12 Monate
ThalidomidIndividuell nach ärztlicher VorgabeDokumentation für Woche 1 bis 4

Kontraindikationen

Laut Leitlinie gelten folgende Ausschlusskriterien für die Postexpositionsprophylaxe (PEP) mit einer Einzeldosis Rifampicin:

  • Mögliche Anzeichen oder Symptome von Lepra oder Tuberkulose (TB)

  • Bekannte Leber- oder Nierenerkrankungen

  • Schwangerschaft (Gabe kann nach der Entbindung erfolgen)

  • Einnahme von Rifampicin in den letzten zwei Jahren (z. B. als TB-Therapie oder Prophylaxe)

  • Bekannte Allergie gegen Rifampicin

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie hebt hervor, dass bei der Kontaktverfolgung eine genaue Prüfung der Ausschlusskriterien für die Rifampicin-Prophylaxe (SDR) essenziell ist. Es wird darauf hingewiesen, dass eine Schwangerschaft eine temporäre Kontraindikation darstellt und die Prophylaxe in diesem Fall erst nach der Entbindung verabreicht werden darf. Zudem wird eine sorgfältige Differenzierung zwischen einem echten Krankheitsrückfall und einer Lepra-Reaktion gefordert, um unnötige Fehlbehandlungen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie unterscheidet zwischen paucibazillärer (PB) und multibazillärer (MB) Lepra. Die Einstufung erfolgt primär anhand der Anzahl der Hautläsionen, dem Vorhandensein einer Nervenbeteiligung und dem Ergebnis des Hautabstrichs.

Ein WHO-Behinderungsgrad 2 liegt laut Leitlinie vor, wenn an Händen oder Füßen sichtbare Deformitäten oder Schäden bestehen. An den Augen wird Grad 2 durch schwere Sehbehinderungen, Lagophthalmus, Iridocyclitis oder Hornhauttrübungen definiert.

Für multibazilläre (MB) Fälle sieht das System einen vollständigen Behandlungszyklus von 12 Blister-Rationen vor. Dieser Kurs wird gemäß den Vorgaben innerhalb eines Zeitraums von 18 Monaten abgeschlossen.

Als berechtigt gelten Personen ab 2 Jahren, die über mindestens drei Monate für mehr als 20 Stunden pro Woche engen Kontakt zu einem unbehandelten Indexfall hatten. Die Leitlinie schließt Personen mit bestimmten Vorerkrankungen oder kürzlicher Rifampicin-Einnahme von der Prophylaxe aus.

Ein Behandlungsabbruch wird im System erfasst, wenn die Therapie über einen längeren Zeitraum unterbrochen wird. Bei paucibazillären Fällen liegt die Grenze bei 3 Monaten, bei multibazillären Fällen bei 6 Monaten.

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Quelle: Technical Guidance on leprosy/Hansen disease case-based management system (based on DHIS2) (WHO, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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