Kontrakturen nach Schlaganfall: Therapie mit Orthesen
Hintergrund
Nach einem Schlaganfall entwickeln viele Betroffene Kontrakturen, die durch eine Verkürzung und Versteifung von Muskeln und Sehnen gekennzeichnet sind. Dies führt häufig zu Funktionseinschränkungen, Schmerzen sowie Problemen bei der Hygiene und Pflege.
Unterstützende Technologien umfassen mechanische, elektrische oder elektromechanische Geräte wie Orthesen, Schienen oder elektrische Stimulation. Diese sollen durch Dehnung der Muskulatur und Weichteile einer Gelenkversteifung entgegenwirken.
Der vorliegende Cochrane Review untersucht die Wirksamkeit dieser Technologien im Vergleich zu Routinebehandlungen oder keiner Therapie. Die eingeschlossenen Studien weisen jedoch eine geringe methodische Qualität und kleine Stichprobengrößen auf.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert aufgrund der sehr niedrigen Evidenzqualität keine eindeutigen Behandlungsempfehlungen. Es wird betont, dass die Wirksamkeit unterstützender Technologien zur Behandlung von Kontrakturen nach einem Schlaganfall derzeit sehr unsicher ist.
Evaluierte Interventionen
Der Review untersuchte verschiedene unterstützende Technologien, die in der klinischen Praxis Anwendung finden. Zu den analysierten Verfahren gehören:
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Elektrische Stimulation der Handgelenks- und Fingerextensoren
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Schienung (Splinting) zur Dehnung der Handgelenks- und Fingerflexoren
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Positionierung mittels Klappbrett zur Dehnung
-
Aktives repetitives motorisches Training mit nicht-robotischen Geräten und elektrischer Stimulation
Klinische Endpunkte
Laut Review ist es ungewiss, ob die elektrische Stimulation oder mechanische Dehnung den passiven Bewegungsumfang (PROM) von Handgelenk, Schulter oder Ellenbogen verbessert. Die Evidenz für diese Endpunkte wird als sehr niedrig eingestuft.
Es wird darauf hingewiesen, dass in den meisten Studien keine ausreichende Behandlungsintensität erreicht wurde. Insbesondere fehlte oft eine Dehnung bis zum Endausschlag der Gelenkbeweglichkeit.
Vergleich der untersuchten Technologien
| Technologie | Zielgelenk | Beobachteter Effekt laut Review | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Elektrische Stimulation | Handgelenk | Ungewisser Nutzen auf PROM | Sehr niedrig |
| Nicht-robotisches Gerät + Stimulation | Schulter / Ellenbogen | Ungewisser Nutzen auf PROM | Sehr niedrig |
| Schienung (Splinting) | Handgelenk / Daumen | Ungewisser Nutzen auf PROM | Sehr niedrig |
| Klappbrett (Positionierung) | Handgelenk | Ungewisser Nutzen, Schmerzrisiko | Sehr niedrig |
Kontraindikationen
Der Review dokumentiert spezifische unerwünschte Ereignisse, die im Zusammenhang mit unterstützenden Technologien auftreten können. Es wird berichtet, dass diese zu einer verminderten Therapieadhärenz führen können.
Folgende Komplikationen wurden in den Studien erfasst:
-
Schmerzen: Traten insbesondere bei der passiven Dehnung von Handgelenks- und Fingerflexoren mittels eines Klappbretts auf.
-
Hautverletzungen: Wurden im Zusammenhang mit der Verwendung von Daumenschienen (Splints) zur Behandlung von Kontrakturen des Daumenspalts beobachtet.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass die fehlende Evidenz für unterstützende Technologien häufig auf eine unzureichende Behandlungsintensität in den Studien zurückzuführen ist. Es wird darauf hingewiesen, dass eine Dehnung idealerweise bis zum Endausschlag der Gelenkbeweglichkeit erfolgen sollte, um therapeutisch wirksam zu sein. Gleichzeitig wird empfohlen, bei der Anwendung von Orthesen und Schienen engmaschig auf Schmerzen und Hautirritationen zu achten.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist es aufgrund der sehr niedrigen Evidenzqualität derzeit ungewiss, ob Orthesen den Bewegungsumfang signifikant verbessern. Es bedarf weiterer Studien mit höherer methodischer Qualität, um den genauen Nutzen zu belegen.
Der Review listet unter anderem elektrische Stimulation, statische und dynamische Schienung (Splinting) sowie Positionierungshilfen auf. Diese Verfahren zielen darauf ab, verkürzte Muskeln und Sehnen zu dehnen.
Der Review berichtet von möglichen unerwünschten Ereignissen wie Schmerzen bei der Dehnung und Hautverletzungen durch Druckstellen. Es wird dokumentiert, dass solche Beschwerden die Therapietreue der Betroffenen einschränken können.
Der Review zitiert grundlagenwissenschaftliche Erkenntnisse, wonach eine Dehnung bis zum Endausschlag für etwa 20 Minuten signifikante Vorteile bieten könnte. In den meisten klinischen Studien wurde diese Intensität jedoch nicht erreicht.
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Quelle: Cochrane Review: Assistive technologies, including orthotic devices, for the management of contractures in adults after a stroke (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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