Biomarker bei ICI-Nephrotoxizität: Studie (Am J Nephrol)
📋Auf einen Blick
- •Urin-Biomarker können das Risiko für Nierenschäden durch Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) frühzeitig erkennen.
- •Bereits vor Therapiebeginn (PRE-1) zeigen erhöhte Werte von IGFBP7, NAG, TIMP-2 × IGFBP7 und Transferrin ein erhöhtes Risiko an.
- •Nach Therapiebeginn (PRE-3) eignen sich Albumin und NGAL zur Diagnose subklinischer Nierenschäden.
- •IGFBP7 ist der stärkste Prädiktor vor Therapiebeginn, NGAL der beste Marker während der Therapie.
- •TNF-α korreliert positiv mit Nierenschadens-Biomarkern und könnte die Diagnostik ergänzen.
Hintergrund
Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) können immunvermittelte unerwünschte Ereignisse verursachen, darunter auch Nierenschäden wie die akute Nierenschädigung (AKI) und die akute interstitielle Nephritis (AIN). Die klinische Diagnose ist oft herausfordernd, da Standardparameter wie Serumkreatinin oder Harnstoff erst ansteigen, wenn der Nierenschaden bereits manifest ist. Eine Nierenbiopsie ist invasiv und risikobehaftet. Eine aktuelle prospektive Studie untersucht daher Urin-Biomarker zur Früherkennung.
Studiendesign und Patienten
In der prospektiven Studie wurden 46 Patienten untersucht, die eine ICI-Therapie (allein oder in Kombination mit Chemotherapie) erhielten. Urinproben wurden zu drei Zeitpunkten analysiert:
- PRE-1: Vor dem ersten Therapiezyklus
- PRE-3: Vor dem dritten Therapiezyklus
- POST-3: Eine Woche nach dem dritten Therapiezyklus
Ergebnisse der Biomarker-Analyse
Die Studie identifizierte spezifische Biomarker, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten eine signifikante Vorhersagekraft (Diskriminierungsfähigkeit zwischen Fällen und Kontrollen) zeigten.
| Zeitpunkt | Signifikante Biomarker | Bester Prädiktor (AUC) | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|---|
| PRE-1 (Vor Therapie) | IGFBP7, NAG, TIMP-2 × IGFBP7, Transferrin | IGFBP7 (0,77) | Risikostratifizierung vor der ersten ICI-Gabe |
| PRE-3 (Vor 3. Zyklus) | Albumin, NGAL | NGAL (0,76) | Früherkennung subklinischer Schäden unter laufender Therapie |
Anmerkung: RBP4 zeigte in dieser Kohorte keine signifikanten Unterschiede zwischen Fällen und Kontrollen.
Korrelation mit Entzündungsmarkern
Die Untersuchung von Entzündungsmarkern im Urin ergab zudem wichtige pathophysiologische Zusammenhänge:
- TNF-α: Zeigte signifikante positive Korrelationen mit den Nierenschadens-Biomarkern (TIMP-2 × IGFBP7, TIMP-2, KIM-1, Albumin, IGFBP7 und Transferrin). Es könnte als ergänzender Marker dienen.
- IL-9: Zeigte keine signifikante Erhöhung bei Patienten mit Nierenschäden und korrelierte nicht mit den anderen Biomarkern.
Klinische Relevanz
Die Nutzung dieses Biomarker-Panels könnte eine personalisierte Anpassung der ICI-Therapie ermöglichen. Risikopatienten können bereits vor dem ersten Zyklus identifiziert und präventiv überwacht werden, um schwere renale Komplikationen zu minimieren und Therapieunterbrechungen zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Verlassen Sie sich bei Patienten unter ICI-Therapie nicht allein auf das Serumkreatinin. Urin-Biomarker wie NGAL oder Albumin können subklinische Nierenschäden deutlich früher anzeigen.