Induratio penis plastica (IPP): Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die Peyronie-Krankheit (Induratio penis plastica) ist eine gutartige Wundheilungsstörung der Tunica albuginea des Penis. Sie führt zu einer lokalisierten Fibrose und Plaquebildung, was eine schmerzhafte Verkrümmung während der Erektion verursacht.
Die genaue Ätiologie ist nicht vollständig geklärt, jedoch wird ein Mikrotrauma des Penis bei genetisch prädisponierten Männern als Hauptursache angenommen. Risikofaktoren umfassen Bindegewebserkrankungen wie Morbus Dupuytren, Diabetes mellitus und vorangegangene urologische Eingriffe.
Es werden zwei klinische Phasen unterschieden: eine akute Phase mit Schmerzen und fortschreitender Deformität sowie eine chronische Phase mit stabiler Plaquebildung. Die Erkrankung geht häufig mit einer erheblichen psychischen Belastung und erektiler Dysfunktion einher.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie der Peyronie-Krankheit:
Diagnostik und Evaluation
Eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung im schlaffen und erigierten Zustand werden als essenziell erachtet. Die Leitlinie empfiehlt einen Schwellkörper-Injektionstest (ICI) mit oder ohne Doppler-Ultraschall vor jedem invasiven Eingriff.
Zur klinischen Einteilung wird das PTNM-Klassifikationssystem vorgeschlagen:
| Subtyp | Charakteristika | Stabilitätskriterium |
|---|---|---|
| Kalzifizierend | Plaque-Verkalkung >1 cm, oft Schmerzen und Sanduhrdeformität | Keine klinische Veränderung für 3 Monate nach 12 Monaten |
| Progressiv | Symptomverschlechterung nach 3 Monaten, starker Längenverlust | Keine klinische Veränderung für 3 Monate nach 14 Monaten |
| Rezidivierend/Remittierend | Reaktivierung nach >6 Monaten Stabilität, oft jüngere Männer | Keine klinische Veränderung für 3 Monate nach 12 Monaten |
| Klassisch | Ausschlussdiagnose, oft spontane Regression, weniger Schmerzen | Keine klinische Veränderung für >3 Monate |
Konservative Therapie
Eine orale medikamentöse Therapie wird aufgrund mangelnder Evidenz nicht routinemäßig empfohlen. Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (z. B. Tadalafil) können jedoch bei gleichzeitiger erektiler Dysfunktion erwogen werden.
Für die intraläsionale Injektionstherapie in der stabilen Krankheitsphase werden folgende Optionen genannt:
-
Clostridium histolyticum-Kollagenase als einzige zugelassene Therapie (moderate Empfehlung)
-
Interferon-alpha-2b zur Reduktion der Fibroblastenproliferation
-
Verapamil zur Schmerzkontrolle (schwache Empfehlung)
Mechanische Verfahren wie die Penistraktionstherapie oder Vakuumpumpen können in der akuten und chronischen Phase eingesetzt werden. Sie zeigen laut Leitlinie die besten Ergebnisse in Kombination mit anderen Therapieformen.
Operative Therapie
Eine chirurgische Intervention wird nur bei stabiler Erkrankung (mindestens 3 bis 12 Monate ohne Progression) und bei Einschränkung des Geschlechtsverkehrs empfohlen.
| Operationsmethode | Indikation | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Penisplikation (z. B. Nesbit) | Krümmung <60°, gute Erektionsfunktion, keine Sanduhrdeformität | Führt zur Verkürzung der konvexen Penisseite |
| Plaque-Inzision/Exzision mit Grafting | Krümmung >60°, komplexe Deformität, gute Erektionsfunktion | Risiko für postoperative erektile Dysfunktion |
| Penisprothese | Schwere Deformität kombiniert mit erektiler Dysfunktion | Inflatable Prothesen werden meist bevorzugt |
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende Dosierungsschemata für ausgewählte medikamentöse Ansätze (überwiegend Off-Label-Use):
| Medikament | Dosierung | Indikation / Anmerkung |
|---|---|---|
| Clostridium histolyticum-Kollagenase | 0,58 mg pro Injektion | Intraläsional; 2 Injektionen im Abstand von 1-3 Tagen pro Zyklus |
| Tadalafil | 5 mg täglich | Oral; bei begleitender erektiler Dysfunktion |
| Pentoxifyllin | 400 mg 3-mal täglich | Oral; zur Hemmung der Kollagenproduktion (Off-Label) |
| Coenzym Q10 | 300 mg täglich | Oral; als Antioxidans (Off-Label) |
| Interferon-alpha-2b | 5x10^6 Einheiten in 10 ml NaCl | Intraläsional; alle 2 Wochen über 3 Monate |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor der Anwendung von Clostridium histolyticum-Kollagenase bei ventralen Plaques aufgrund des Risikos von Verletzungen tieferliegender Strukturen.
Synthetische Grafts bei Exzisionsoperationen werden nicht empfohlen, da ein erhöhtes Risiko für Infektionen, Kontrakturen und allergische Reaktionen besteht.
Von einer operativen Korrektur während der akuten, instabilen Krankheitsphase wird explizit abgeraten.
💡Praxis-Tipp
Ein entscheidender Hinweis der Leitlinie ist, dass Schmerzen kein verlässlicher Indikator für die Krankheitsaktivität sind, da sie oft spontan abklingen. Es wird stattdessen empfohlen, die Stabilität der Plaquebildung und der Krümmung über mindestens drei Monate als Kriterium für den Übergang in die chronische Phase heranzuziehen, bevor invasive Therapien geplant werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie sollte eine Operation erst in der chronischen Phase erfolgen. Die Deformität muss dafür seit mindestens 3 bis 12 Monaten stabil und schmerzfrei sein.
Die Leitlinie stellt fest, dass es keine ausreichend belegte orale Therapie gibt. Phosphodiesterase-5-Inhibitoren wie Tadalafil können jedoch bei begleitender erektiler Dysfunktion nützlich sein.
Es wird beschrieben, dass die extrakorporale Stoßwellentherapie lediglich zur Schmerzlinderung in der akuten Phase wirksam ist. Sie hat laut Leitlinie keinen signifikanten Einfluss auf die Peniskrümmung oder Plaquegröße.
Die Injektion mit Clostridium histolyticum-Kollagenase weist die beste Evidenz auf und ist das einzige FDA-zugelassene Medikament für diese Indikation. Sie wird besonders bei Krümmungen zwischen 30° und 90° empfohlen.
Die Leitlinie gibt an, dass mehr als 40 % der Patienten nach einer Plikationsoperation (z. B. nach Nesbit) eine subjektive oder objektive Penisverkürzung bemerken. Patienten sollten präoperativ zwingend darüber aufgeklärt werden.
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Quelle: StatPearls: Peyronie Disease (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Cochrane Review: Non-surgical therapies for Peyronie's disease
StatPearls: Erectile Dysfunction
StatPearls: Priapism
StatPearls: Penile Irrigation, Aspiration, and Vasoactive Injections for Priapism Treatment
StatPearls: Penile Fracture
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