Indium-111-Leukozytenszintigrafie: Indikation & Ablauf
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie beschreibt die Indium-111-Leukozytenszintigrafie als nuklearmedizinisches Bildgebungsverfahren. Es wird zur Diagnostik okkulter Infektionen eingesetzt, insbesondere wenn andere Bildgebungsverfahren kontraindiziert oder nicht aussagekräftig sind.
Das Verfahren nutzt den biologischen Prozess, bei dem markierte Leukozyten zu Entzündungsherden wandern. Es lokalisiert primär neutrophile Entzündungen, was stark auf eine bakterielle Infektion hindeutet.
Laut Leitlinie kann die Untersuchung jedoch nicht sicher zwischen infektiösen und sterilen Entzündungsprozessen unterscheiden. Bei lymphozytär vermittelten Erkrankungen wie Tuberkulose oder Sarkoidose reichert sich der Radiotracer oft kaum an, was zu falsch-negativen Ergebnissen führen kann.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Anwendung und Durchführung:
Indikationen
Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz der In-111-Leukozytenszintigrafie bei spezifischen klinischen Fragestellungen. Dazu gehören insbesondere:
-
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) und intraabdominelle Infektionen
-
Osteomyelitis des appendikulären Skeletts und diabetische Fußinfektionen
-
Infektionen von Gelenkprothesen und Gefäßprothesen
-
Fieber unklarer Genese (FUO), wenn andere Methoden erfolglos bleiben
Durchführung und Präparation
Für die Untersuchung wird eine Blutentnahme von 40 bis 80 ml bei Erwachsenen empfohlen. Bei Kindern sind gemäß Leitlinie 10 bis 15 ml ausreichend.
Die Leukozyten werden isoliert und mit In-111-Oxin markiert. Es wird betont, dass die Re-Injektion der markierten Zellen so schnell wie möglich, spätestens jedoch nach einer Stunde erfolgen sollte.
Eine Lagerung der Leukozyten über drei Stunden führt laut Leitlinie zu einem signifikanten Verlust der Zellvitalität.
Bildgebung und Auswertung
Die Bildakquisition erfolgt typischerweise 1 bis 4 Stunden oder 16 bis 30 Stunden nach der Injektion. Eine frühe, vorübergehende Anreicherung in der Lunge ist physiologisch und sollte nach 30 Minuten abklingen.
Eine persistierende Lungenaktivität wird als pathologisch gewertet und kann auf Zellverklumpungen oder Zellschäden hinweisen. Die Leitlinie weist darauf hin, dass die Milzaktivität zu jedem Zeitpunkt höher als die Leberaktivität sein sollte.
Vergleich mit anderen Modalitäten
Bei spinalen Infektionen wird primär die FDG-PET/CT empfohlen, da die In-111-Szintigrafie hier eine geringe Sensitivität aufweist.
Für abdominelle Fragestellungen bietet In-111 jedoch Vorteile gegenüber Tc-99m-HMPAO und FDG-PET. Dies liegt an der minimalen physiologischen Darmausscheidung, die eine bessere Beurteilung von Entzündungsherden im Abdomen ermöglicht.
Dosierung
Die Leitlinie gibt folgende Dosierungsempfehlungen für die Injektion der mit In-111-Oxin markierten Leukozyten:
| Patientengruppe | Empfohlene Dosis | Mindestaktivität | Maximalaktivität |
|---|---|---|---|
| Erwachsene | 10 - 18,5 MBq | Keine Angabe | Keine Angabe |
| Kinder | 0,15 - 0,25 MBq/kg | 1,85 - 2,3 MBq | 18,5 MBq |
Kontraindikationen
Eine Leukopenie stellt laut Leitlinie eine relative Kontraindikation dar, da sie die Effizienz der Leukozytenmarkierung reduziert.
Es wird ausdrücklich davor gewarnt, Dextrose-Wasser-Lösungen zu verwenden. Diese können zu einer Verklumpung der markierten Zellen führen.
Zudem wird auf die höhere Strahlenbelastung durch In-111 im Vergleich zu Tc-99m-HMPAO hingewiesen, weshalb bei pädiatrischen Patienten besondere Vorsicht geboten ist.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass eine vorherige Antibiotikatherapie die Entzündungsreaktion unterdrücken und somit zu falsch-negativen Ergebnissen führen kann. Zudem wird betont, dass eine Leberaktivität, die gleich hoch oder höher als die Milzaktivität ist, auf einen Zellschaden bei der Präparation hindeutet und den Scan nicht diagnostisch verwertbar machen kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie bietet In-111 besondere Vorteile bei intraabdominellen Infektionen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Dies liegt an der minimalen physiologischen Darmausscheidung, die die Bildinterpretation im Gegensatz zum FDG-PET erleichtert.
Die Leitlinie gibt an, dass die Bilder typischerweise 1 bis 4 Stunden oder 16 bis 30 Stunden nach der Injektion aufgenommen werden. Spätere Aufnahmen nach 16 bis 24 Stunden sind besonders für die Detektion von Abszessen relevant.
Es wird von der In-111-Leukozytenszintigrafie bei spinalen Infektionen abgeraten, da sie hier eine charakteristisch niedrige Sensitivität aufweist. Stattdessen wird für diese Indikation primär die FDG-PET/CT empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt die Verwendung einer Nadel der Größe 22G oder größer. Dadurch wird eine Beschädigung der markierten Zellen durch Scherkräfte während der Injektion vermieden.
Die effektive Strahlendosis liegt bei Erwachsenen laut Leitlinie zwischen 6 und 12 mSv. Bei Kindern kann die Dosis pro Kilogramm höher ausfallen und typischerweise 10 bis 20 mSv erreichen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: StatPearls: Indium-111 White Blood Cell Scan (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
StatPearls: Nuclear Medicine Musculoskeletal Assessment, Protocols, and Interpretation
StatPearls: Osteomyelitis Imaging
StatPearls: Nuclear Medicine Pediatric Assessment, Protocols, and Interpretation
StatPearls: Nuclear Medicine Liver/Spleen Test
StatPearls: Gallium Scan
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen