HWS-Frakturen: CT-Diagnostik, SLICS-Score & Therapie
Hintergrund
Frakturen der Halswirbelsäule (HWS) sind eine Hauptursache für Morbidität und Mortalität bei Traumapatienten. Laut der StatPearls-Übersicht ist eine Knochenfraktur mit 56 % der zervikalen Rückenmarksverletzungen assoziiert.
Die Verletzungen werden typischerweise in drei Gruppen unterteilt: C1, C2 und die subaxiale Wirbelsäule (C3 bis C7). Stürze stellen die häufigste Ursache dar, gefolgt von Verkehrsunfällen, Fahrradstürzen und Kopfsprüngen in flaches Wasser.
Die Mortalität von HWS-Frakturen liegt zwischen 5 und 10 %. Männer sind von diesen Verletzungen häufiger betroffen als Frauen.
Empfehlungen
Klinische Untersuchung
Der Text empfiehlt, die Untersuchung mit einer gründlichen Trauma-Evaluation der Atemwege, Atmung und des Kreislaufs (ABC-Schema) zu beginnen. Es wird betont, dass Verletzungen der HWS die respiratorische und kardiovaskuläre Funktion beeinträchtigen können.
Daher wird ein engmaschiges Monitoring dieser Parameter auch nach der Stabilisierung empfohlen.
Zudem wird eine formelle Überprüfung von Kraft und Sensibilität der Extremitäten, des Rektaltonus sowie eine Palpation der HWS empfohlen. Hierfür wird standardmäßig das ASIA-Scoring-System herangezogen.
Bildgebende Diagnostik
Indikationen für eine HWS-Bildgebung umfassen laut Quelle lokale Nackenschmerzen, Deformitäten, Ödeme, Bewusstseinsveränderungen, Schädel-Hirn-Traumata oder neurologische Defizite.
Die Computertomografie (CT) wird als bevorzugte Bildgebung beim akuten Wirbelsäulentrauma empfohlen. Sie weist mit 98 % eine deutlich höhere Sensitivität für knöcherne Verletzungen auf als konventionelle Röntgenaufnahmen (52 %).
Zur weiteren Beurteilung der ligamentären Strukturen und der Stabilität wird eine MRT-Untersuchung empfohlen.
SLICS-Klassifikation
Zur Beurteilung subaxialer HWS-Frakturen und zur Therapieentscheidung wird das Subaxial Cervical Spine Injury Classification System (SLICS) herangezogen. Ein Score von 1 bis 3 spricht für ein konservatives Vorgehen, bei 4 ist das Vorgehen unspezifisch, und ab einem Score von 5 besteht eine chirurgische Indikation.
| Kategorie | Befund | Punkte |
|---|---|---|
| Frakturmorphologie | Keine Anomalie | 0 |
| Frakturmorphologie | Kompression/Endplattenriss | 1 |
| Frakturmorphologie | Berstungsfraktur | 2 |
| Frakturmorphologie | Distraktion | 3 |
| Frakturmorphologie | Rotation/Translokation | 4 |
| Diskoligamentärer Komplex | Intakt | 0 |
| Diskoligamentärer Komplex | Unbestimmt | 1 |
| Diskoligamentärer Komplex | Zerrissen | 2 |
| Neurologischer Status | Intakt | 0 |
| Neurologischer Status | Wurzelverletzung | 1 |
| Neurologischer Status | Komplette Rückenmarksverletzung | 2 |
| Neurologischer Status | Inkomplette Rückenmarksverletzung | 3 |
| Neurologischer Status | Kontinuierliche Rückenmarkskompression mit Defizit | +1 |
Therapiemanagement nach Lokalisation
Für die Behandlung von HWS-Frakturen werden folgende spezifische Vorgehensweisen beschrieben:
-
C1-Frakturen: Anlage einer starren Zervikalstütze oder eines Halos bei intaktem Ligamentum transversum atlantis. Bei Ruptur wird eine posteriore Fusion von C1 auf C2 empfohlen.
-
C2-Hangman-Frakturen: Konservative Therapie im harten Kragen bei unter 3 mm Dislokation und ohne signifikante Angulation. Bei stärkerer Dislokation oder Beteiligung der C2-C3-Bandscheibe wird eine operative Fixierung empfohlen.
-
C2-Dens-Frakturen: Typ I und III werden im starren Kragen oder Halo behandelt. Bei Typ II wird eine operative Versorgung (Odontoidschraube oder Fusion) empfohlen, wenn Risikofaktoren für eine Pseudarthrose vorliegen (Alter über 50, Dislokation ab 5 mm).
Es wird betont, dass alle Frakturen des C1-C2-Komplexes primär als instabil gelten und initial mit einer harten Zervikalstütze versorgt werden sollten.
Bei akuten Rückenmarksverletzungen wird eine frühe Dekompression innerhalb von 24 Stunden empfohlen, um die Chancen auf eine neurologische Erholung zu erhöhen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, Frakturen, die sich von C2 bis C6 in das Foramen transversarium erstrecken, zu unterschätzen. Es wird dringend empfohlen, in diesen Fällen mittels CT-Angiografie auf eine begleitende Verletzung der Arteria vertebralis zu prüfen. Zudem wird betont, dass eine frühe chirurgische Dekompression innerhalb von 24 Stunden die Wahrscheinlichkeit einer neurologischen Erholung signifikant erhöht.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird die Computertomografie (CT) als primäre Bildgebung empfohlen. Sie bietet mit 98 % eine deutlich höhere Sensitivität für knöcherne Verletzungen als das konventionelle Röntgen.
Die Entscheidung wird anhand des SLICS-Scores getroffen. Die Leitlinie gibt an, dass ab einem Score von 5 Punkten eine chirurgische Indikation besteht, während Werte von 1 bis 3 konservativ behandelt werden.
Wenn das Ligamentum transversum atlantis in der MRT intakt ist, wird eine Ruhigstellung empfohlen. Dies erfolgt laut Text mittels einer starren Zervikalstütze oder eines Halo-Fixateurs.
Der Text nennt ein Alter von über 50 Jahren als wesentlichen Risikofaktor. Zudem erhöhen eine Dislokation von 5 mm oder mehr sowie eine Angulation von über 10 Grad das Risiko für eine Pseudarthrose.
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Quelle: StatPearls: Cervical Spine Fractures Overview (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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