Herpes Zoster Ophthalmicus: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie befasst sich mit dem Herpes Zoster Ophthalmicus (HZO), einer potenziell visusbedrohenden Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus. Diese betrifft den ophthalmologischen Ast (V1) des Nervus trigeminus.
Laut Leitlinie tritt die Erkrankung gehäuft bei Personen über 50 Jahren sowie bei Immunsuppression auf. Etwa 10 bis 25 Prozent aller Herpes-Zoster-Fälle manifestieren sich als HZO.
Die Pathophysiologie beruht auf einem Rückgang der zellvermittelten Immunität. Dies ermöglicht dem Virus, sich entlang der sensorischen Axone auszubreiten und Entzündungen in den okulären Geweben auszulösen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:
Diagnostik
Die Leitlinie beschreibt die Diagnose primär als klinisch, basierend auf dem typischen unilateralen, dermatomalen vesikulären Ausschlag. Ein wichtiges klinisches Warnzeichen ist das Hutchinson-Zeichen an der Nasenspitze.
Dieses Zeichen korreliert laut Leitlinie stark mit einer okulären Beteiligung. Bei atypischen Verläufen oder immunsupprimierten Personen wird eine PCR-Testung aus dem Kammerwasser oder Bläscheninhalt empfohlen.
Therapie
Es wird eine frühzeitige systemische antivirale Therapie innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Ausschlags empfohlen. Die Leitlinie nennt folgende Behandlungsprinzipien:
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Orale Gabe von Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir bei immunkompetenten Personen
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Intravenöse Gabe von Aciclovir bei Immunsuppression oder schwerer orbitaler Beteiligung
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Vermeidung von topischen Steroiden bei reiner epithelialer Keratitis
Bei stromaler Keratitis oder Uveitis wird der Einsatz von topischen Kortikosteroiden unter strenger augenärztlicher Kontrolle empfohlen. Zusätzlich wird die Gabe von Zykloplegika zur Schmerzlinderung und Synechienprophylaxe beschrieben.
Komplikationsmanagement
Die Leitlinie betont die Notwendigkeit einer konsequenten Schmerztherapie zur Vermeidung einer postherpetischen Neuralgie. Hierbei werden Gabapentin, Pregabalin oder trizyklische Antidepressiva als Mittel der ersten Wahl genannt.
Bei schweren retinalen Nekrosen wird eine Kombination aus systemischen und intravitrealen Antiviralia empfohlen.
Prävention
Zur Prävention wird die Impfung mit dem rekombinanten Zoster-Impfstoff (Shingrix) empfohlen. Diese wird für Erwachsene ab 50 Jahren sowie für immunsupprimierte Personen ab 18 Jahren angeraten.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende Dosierungen für die antivirale Therapie bei Erwachsenen:
| Wirkstoff | Dosierung | Indikation / Patientengruppe |
|---|---|---|
| Aciclovir (oral) | 800 mg, 5-mal täglich für 7-10 Tage | Immunkompetente Erwachsene |
| Valaciclovir (oral) | 1000 mg, 3-mal täglich für 7 Tage | Immunkompetente Erwachsene |
| Famciclovir (oral) | 500 mg, 3-mal täglich für 7 Tage | Immunkompetente Erwachsene |
| Aciclovir (intravenös) | 10-15 mg/kg Körpergewicht alle 8 Stunden für 7-10 Tage | Immunsupprimierte oder schwere Verläufe |
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise und Kontraindikationen:
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Topische Kortikosteroide werden bei reiner epithelialer Keratitis nicht empfohlen, da sie die virale Replikation begünstigen können.
-
Prostaglandin-Analoga sollten bei sekundärem Glaukom mit uveitischer Komponente vermieden werden.
-
Ein routinemäßiger Einsatz systemischer Kortikosteroide wird ohne klare Indikation (wie schwere Entzündung oder orbitale Beteiligung) nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie hebt hervor, dass das Hutchinson-Zeichen (Bläschen an der Nasenspitze) ein starker Prädiktor für eine okuläre Beteiligung ist. Es wird jedoch gewarnt, dass das Fehlen dieses Zeichens eine Augenbeteiligung nicht ausschließt. Zudem wird betont, dass herpetische Pseudodendriten im Gegensatz zu Herpes-simplex-Dendriten keine terminalen Bulbi aufweisen und sich in der Fluoreszein-Färbung anders verhalten.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt den Beginn der systemischen antiviralen Therapie idealerweise innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Hautausschlags. Dies reduziert das Risiko für okuläre Komplikationen und postherpetische Neuralgien signifikant.
Laut Leitlinie zeigen sich bei Herpes Zoster Ophthalmicus Pseudodendriten, die erhaben sind und keine terminalen Bulbi aufweisen. Bei Herpes simplex finden sich hingegen echte Ulzera mit terminalen Bulbi, die sich stark mit Fluoreszein anfärben.
Zur Behandlung der postherpetischen Neuralgie nennt die Leitlinie Gabapentin, Pregabalin sowie trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin als Mittel der ersten Wahl. Ergänzend wird der Einsatz von topischen Lidocain-Pflastern beschrieben.
Ja, die Leitlinie empfiehlt die Gabe des rekombinanten Zoster-Impfstoffs (Shingrix) auch nach einer durchgemachten Erkrankung. Dies wird angeraten, um das Risiko von Rezidiven und weiteren Komplikationen zu senken.
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Quelle: StatPearls: Herpes Zoster Ophthalmicus (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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