NICE

Herausforderndes Verhalten (Lernbehinderung): Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG11 befasst sich mit der Prävention und Behandlung von herausforderndem Verhalten bei Menschen mit Lernbehinderungen. Eine Lernbehinderung ist durch eine verminderte intellektuelle Leistungsfähigkeit (meist IQ unter 70), signifikante Einschränkungen der sozialen oder adaptiven Funktionen und einen Beginn in der Kindheit definiert.

Herausforderndes Verhalten stellt keine eigenständige Diagnose dar. Es resultiert häufig aus dem Zusammenspiel persönlicher und umweltbedingter Faktoren und erfüllt für die betroffene Person oft einen Zweck, wie etwa die Kommunikation von Bedürfnissen oder die Vermeidung von Überforderung.

Die Prävalenz von herausforderndem Verhalten liegt in Betreuungseinrichtungen bei 5 bis 15 Prozent und ist bei schwereren Behinderungen oder in bestimmten Umgebungen deutlich höher. Ziel ist es, durch ein tiefgreifendes Verständnis der Auslöser die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und restriktive Maßnahmen zu minimieren.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:

Allgemeine Prinzipien und Diagnostik

Es wird empfohlen, Menschen mit Lernbehinderung und deren Angehörige partnerschaftlich in alle Entscheidungen einzubeziehen. Unterstützung und Interventionen sollen im am wenigsten restriktiven Umfeld stattfinden.

Zudem wird Hausärzten empfohlen, jährlich einen strukturierten Gesundheitscheck anzubieten. Dabei soll geprüft werden, ob das herausfordernde Verhalten mit unentdeckten körperlichen Beschwerden oder Schmerzen zusammenhängt.

Für die Beurteilung des Verhaltens wird ein stufenweises Vorgehen empfohlen. Bei schweren oder komplexen Verhaltensweisen ist ein detailliertes funktionales Assessment indiziert, das Auslöser, aufrechterhaltende Konsequenzen und die aktuelle Lebensqualität erfasst.

Verhaltensunterstützungsplan

Basierend auf dem funktionalen Assessment soll ein schriftlicher Verhaltensunterstützungsplan erstellt werden. Dieser zielt darauf ab, die Lebensqualität zu verbessern und Bedingungen zu beseitigen, die das Verhalten fördern.

Die empfohlenen Strategien werden in drei Kategorien unterteilt:

Strategie-TypZielsetzungBeispiele laut Leitlinie
ProaktivVerbesserung der Lebensqualität und Beseitigung von AuslösernAnpassung der Umgebung, Förderung aktiver Beschäftigung
PräventivBeruhigung bei ersten Anzeichen von StressEntspannungstechniken, Ablenkung auf angenehme Aktivitäten
ReaktivSicheres Management von nicht vermeidbarem VerhaltenDeeskalation, Schutzmaßnahmen als letztes Mittel

Psychologische Interventionen

Für Kinder unter 12 Jahren mit beginnendem herausforderndem Verhalten werden Elterntrainingsprogramme empfohlen. Bei Erwachsenen mit Aggressionsproblemen wird zu individuellen psychologischen Interventionen geraten, die auf kognitiv-verhaltenstherapeutischen Prinzipien basieren.

Medikamentöse Therapie

Antipsychotika zur Behandlung von herausforderndem Verhalten sollen nur in Kombination mit psychologischen oder anderen Interventionen angeboten werden.

Ein Einsatz von Antipsychotika wird nur unter strengen Voraussetzungen empfohlen:

KriteriumBedingung für den Einsatz von Antipsychotika
Psychologische InterventionenAlleinige Anwendung bewirkt innerhalb einer vereinbarten Zeit keine Veränderung
BegleiterkrankungenDie Behandlung koexistierender Probleme hat nicht zu einer Reduktion des Verhaltens geführt
RisikobewertungDas Risiko für die Person oder andere ist sehr hoch (z. B. durch Gewalt oder Selbstverletzung)

Die Wirksamkeit und Nebenwirkungen sollen nach 3 bis 4 Wochen überprüft werden. Wenn nach 6 Wochen keine klinische Reaktion erkennbar ist, wird das Absetzen der Medikation empfohlen.

Kontraindikationen

  • Sensorische Interventionen: Sollen nicht ohne vorheriges funktionales Assessment des sensorischen Profils angeboten werden.

  • Schlafmittel: Dürfen nicht primär zur Förderung des Schlafes eingesetzt werden, es sei denn, das Schlafproblem besteht trotz Verhaltensinterventionen fort.

  • Antipsychotika: Sollen nicht als alleinige Therapie ohne begleitende psychologische Interventionen verabreicht werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Es wird dringend geraten, bei neu auftretendem herausforderndem Verhalten zunächst unerkannte körperliche Schmerzen oder Erkrankungen als mögliche Ursache auszuschließen, bevor psychotrope Medikamente in Betracht gezogen werden.

Häufig gestellte Fragen

Ein Einsatz wird nur empfohlen, wenn psychologische Interventionen versagen, die Behandlung von Begleiterkrankungen erfolglos bleibt oder ein sehr hohes Risiko für Selbst- oder Fremdgefährdung besteht. Sie müssen immer mit psychologischen Interventionen kombiniert werden.

Reaktive Strategien und restriktive Maßnahmen sollen ausschließlich als letztes Mittel eingesetzt werden. Sie müssen stets von einem langfristigen Programm zur Reduzierung solcher Interventionen begleitet sein.

Es wird empfohlen, primär verhaltensbezogene Interventionen und strukturierte Bettgehroutinen anzuwenden. Medikamente wie Melatonin sollen nur erwogen werden, wenn das Problem trotz dieser Maßnahmen fortbesteht.

Es umfasst eine genaue Beschreibung des Verhaltens, die Identifikation von Auslösern und aufrechterhaltenden Konsequenzen sowie die Erhebung von Basisdaten zur Häufigkeit. Zudem wird die aktuelle Lebensqualität der betroffenen Person bewertet.

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Quelle: NG11: Challenging behaviour and learning disabilities: prevention and interventions for people with learning disabilities whose behaviour challenges (NICE). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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