Hepatorenales Syndrom (HRS): Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Das hepatorenale Syndrom (HRS) ist eine akute Nierenschädigung, die bei Personen mit fortgeschrittener akuter oder chronischer Lebererkrankung auftritt. Laut der StatPearls-Übersicht handelt es sich um ein funktionelles Nierenversagen, das durch eine renale Vasokonstriktion infolge einer portalen Hypertension ausgelöst wird.
Zu den häufigsten Ursachen für das zugrundeliegende Leberversagen zählen in Entwicklungsländern virale Hepatitiden, während in Industrienationen Medikamente, chronischer Alkoholismus und die nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH) dominieren. Häufige auslösende Faktoren (Präzipitatoren) für das HRS sind die spontan bakterielle Peritonitis (SBP), großvolumige Aszitespunktionen ohne Plasmaexpansion sowie gastrointestinale Blutungen.
Die Inzidenz des HRS bei Personen mit dekompensierter Lebererkrankung liegt bei etwa 4 %. Das höchste Risiko weisen Betroffene mit Hyponatriämie und hoher Plasmareninaktivität auf. Die Pathophysiologie beruht auf einer splanchnischen Vasodilatation, die zu einem Abfall des systemischen Blutdrucks führt und kompensatorische Mechanismen (RAAS, Sympathikus) aktiviert, welche letztlich die Nierendurchblutung drosseln.
Empfehlungen
Die StatPearls-Übersicht formuliert folgende Kernaspekte zur Diagnostik und Therapie des hepatorenalen Syndroms:
Diagnostik und Klassifikation
Das HRS ist eine Ausschlussdiagnose. Andere Ursachen für eine akute Nierenschädigung, wie prärenale Faktoren, nephrotoxische Medikamente, obstruktive Nephropathien und Nierenparenchymerkrankungen, müssen zwingend ausgeschlossen werden.
Die Übersicht unterteilt das Syndrom in zwei klinische Ausprägungen:
| Klassifikation | Charakteristika | Prognose (ohne Therapie) |
|---|---|---|
| Typ 1 HRS | Rascher Abfall der Nierenfunktion (Kreatinin-Verdopplung auf >2,5 mg/dl oder Halbierung der Kreatinin-Clearance in 2 Wochen), Oligurie (<500 ml/Tag) | Sehr schlecht (durchschnittliches Überleben < 2 Wochen) |
| Typ 2 HRS | Weniger schwere Nierenschädigung, typischerweise diuretikaresistenter Aszites | Chronischer Verlauf (medianes Überleben 6-12 Monate) |
Konservative und medikamentöse Therapie
Als erste Maßnahme wird die Herstellung einer Euvolämie sowie das sofortige Absetzen aller nephrotoxischen Substanzen empfohlen. Die medikamentöse Therapie zielt auf die Reduktion der splanchnischen Vasodilatation ab, um die renale Durchblutung zu verbessern.
Je nach Region werden unterschiedliche medikamentöse Ansätze beschrieben:
| Region | Bevorzugte medikamentöse Therapie |
|---|---|
| Europa | Terlipressin in Kombination mit Albumin |
| Nordamerika | Noradrenalin und Midodrin oder Octreotid |
Interventionelle und chirurgische Therapie
Bei Versagen der medikamentösen Therapie wird die Anlage eines transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunts (TIPS) beschrieben. Dieser reduziert den Pfortaderdruck, verbessert die systemische Zirkulation und drosselt die Überaktivierung des RAAS.
Die definitive Behandlung des HRS stellt die Lebertransplantation dar, da sie den besten langfristigen Überlebensvorteil bietet. Nierenersatzverfahren werden primär als Überbrückung bis zur Transplantation bei Personen angesehen, die nicht auf Vasokonstriktoren ansprechen oder keine TIPS-Kandidaten sind.
Prophylaxe
Um die Entwicklung eines HRS zu verhindern, wird eine sofortige Behandlung einer spontan bakteriellen Peritonitis (SBP) empfohlen. Diese Personen sollten zudem eine langfristige antibiotische Therapie erhalten, um Rezidive zu vermeiden.
Kontraindikationen
Die Übersicht betont, dass bei einem hepatorenalen Syndrom sämtliche nephrotoxischen Medikamente umgehend abgesetzt werden müssen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Aspekt im klinischen Alltag ist die Vermeidung von iatrogenen Auslösern. Die Übersicht hebt hervor, dass großvolumige Aszitespunktionen ohne adäquate Plasmaexpansion sowie unbehandelte Infektionen (wie die spontan bakterielle Peritonitis) zu den häufigsten Auslösern eines HRS gehören und entsprechend vermieden oder zügig behandelt werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Laut der StatPearls-Übersicht ist Typ 1 durch einen sehr raschen und fortschreitenden Abfall der Nierenfunktion innerhalb von zwei Wochen gekennzeichnet. Typ 2 verläuft chronischer, ist weniger schwerwiegend und geht typischerweise mit einem diuretikaresistenten Aszites einher.
Die medikamentöse Therapie unterscheidet sich regional. In Europa wird primär eine Kombination aus Terlipressin und Albumin empfohlen, während in Nordamerika häufig Noradrenalin sowie Midodrin oder Octreotid zum Einsatz kommen.
Die definitive Behandlung, die den besten langfristigen Überlebensvorteil bietet, ist die Lebertransplantation. Andere Verfahren wie die TIPS-Anlage oder Dialyse dienen häufig als Überbrückung bis zur Transplantation.
Die SBP ist einer der häufigsten Auslöser für ein hepatorenales Syndrom. Es wird empfohlen, diese Infektion sofort zu behandeln und die Betroffenen auf eine langfristige antibiotische Prophylaxe einzustellen.
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Quelle: StatPearls: Hepatorenal Syndrome (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Cochrane Review: Treatment for hepatorenal syndrome in people with decompensated liver cirrhosis: a network meta-analysis
StatPearls: Chronic Liver Disease
StatPearls: Cardiorenal Syndrome
StatPearls: Hepatic Cirrhosis
StatPearls: Prerenal Kidney Failure
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