HELLP-Syndrom: Diagnostik, Therapie und Entbindung
Hintergrund
Das HELLP-Syndrom (Hämolyse, erhöhte Leberenzyme, niedrige Thrombozyten) ist eine lebensbedrohliche Erkrankung bei Schwangeren und Wöchnerinnen. Laut der StatPearls-Leitlinie tritt es meist im dritten Trimenon oder innerhalb von 48 Stunden nach der Entbindung auf.
Es kann als Komplikation einer schweren Präeklampsie entstehen oder als eigenständiges Krankheitsbild auftreten. Bei 15 bis 20 % der Betroffenen fehlen eine vorherige Hypertonie oder Proteinurie.
Die genaue Ätiologie ist unklar, es wird jedoch eine systemische Entzündungsreaktion vermutet, die durch eine Ischämie der Plazenta ausgelöst wird. Dies führt zu einer mikrovaskulären Schädigung mehrerer Organe und einer Aktivierung der Gerinnungskaskade.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:
Diagnostik
Die Leitlinie empfiehlt bei Verdacht auf ein HELLP-Syndrom die Bestimmung von Blutbild, peripherem Blutausstrich, Leberwerten und Kreatinin. Bei erhöhten Leberwerten wird die zusätzliche Kontrolle von Haptoglobin, LDH und Gerinnungsparametern angeraten.
Für die Diagnose wird die Tennessee-Klassifikation herangezogen, bei der alle drei folgenden Kriterien zwingend erfüllt sein müssen:
| Kriterium | Erforderliche Befunde und Grenzwerte |
|---|---|
| Hämolyse | Mindestens 2 Befunde: Schistozyten, Bilirubin >1,2 mg/dl, Haptoglobin <25 mg/dl, LDH >2x Norm oder schwere Anämie |
| Erhöhte Leberenzyme | AST oder ALT >2-fach der oberen Normgrenze |
| Niedrige Thrombozyten | <100.000 Zellen/Mikroliter |
Bildgebung und Überwachung
Bei starken Schmerzen im rechten Oberbauch oder Epigastrium wird ein sofortiger Ultraschall empfohlen, um eine Leberruptur oder ein Hämatom auszuschließen. Zudem wird eine rasche Beurteilung des fetalen Status mittels Non-Stress-Test und Ultraschall angeraten.
Medikamentöse Therapie
Bei schwerer Hypertonie wird der sofortige Einsatz von intravenösem Labetalol, Hydralazin oder Nifedipin empfohlen. Zur Prävention mütterlicher Krampfanfälle und zur fetalen Neuroprotektion soll bei Aufnahme Magnesiumsulfat verabreicht werden.
Die Leitlinie rät von der routinemäßigen Gabe von Dexamethason zur reinen Behandlung des HELLP-Syndroms ab, da dies keinen nachgewiesenen Nutzen bringt. Bei einer Schwangerschaftsdauer von unter 34 Wochen wird jedoch Betamethason zur fetalen Lungenreife empfohlen.
Entbindung und Transfusion
Die Entbindung stellt die einzige effektive Behandlung dar, weshalb eine sofortige gynäkologische Vorstellung empfohlen wird. Die Betreuung sollte in einem Tertiärzentrum mit entsprechender Intensivmedizin für Mutter und Kind erfolgen.
Transfusionen von Erythrozytenkonzentraten werden bei einem Hämoglobinwert <7 g/dl oder bei schweren Blutungen empfohlen. Aktiv blutende Patientinnen mit jeglicher Form von Thrombozytopenie sollten laut Leitlinie Thrombozytenkonzentrate erhalten.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist zu beachten, dass bei 15 bis 20 % der Patientinnen mit HELLP-Syndrom zuvor weder eine Hypertonie noch eine Proteinurie vorliegen. Das Fehlen dieser klassischen Präeklampsie-Zeichen schließt die Diagnose somit nicht aus. Zudem wird betont, dass die Entbindung die einzige definitive Therapie darstellt.
Häufig gestellte Fragen
Die Diagnose erfolgt laut Leitlinie meist anhand der Tennessee-Klassifikation. Diese erfordert den gleichzeitigen Nachweis einer Hämolyse, erhöhter Leberenzyme und einer Thrombozytopenie unter 100.000 Zellen/Mikroliter.
Bei schwerer Hypertonie empfiehlt die Leitlinie den sofortigen Einsatz von intravenösem Labetalol, Hydralazin oder Nifedipin. Die Therapie sollte unter engmaschiger Überwachung erfolgen.
Die Leitlinie empfiehlt die Gabe von Magnesiumsulfat direkt bei der stationären Aufnahme. Es dient der Prävention mütterlicher Krampfanfälle (Eklampsie) und hat einen neuroprotektiven Effekt auf den Fötus.
Eine Transfusion von Erythrozyten wird bei einem Hämoglobinwert unter 7 g/dl oder bei schweren Blutungen empfohlen. Thrombozytenkonzentrate sollen laut Leitlinie bei aktiv blutenden Patientinnen mit jeglicher Thrombozytopenie verabreicht werden.
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Quelle: StatPearls: HELLP Syndrome (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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