Harnwegsinfekt (HWI) bei Kindern: Therapie & Bildgebung

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Harnwegsinfektionen (HWI) gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen bei Säuglingen und Kindern. Da die Symptome oft unspezifisch sind, insbesondere bei Kindern unter drei Jahren, stellt die korrekte Diagnose im klinischen Alltag häufig eine Herausforderung dar.

Eine verzögerte oder unzureichende Behandlung kann zu schwerwiegenden Komplikationen wie Nierennarbenbildung oder einer eingeschränkten Nierenfunktion führen. Gleichzeitig führen routinemäßige, aber unnötige Bildgebungen und Prophylaxen zu einer starken Belastung des Gesundheitssystems und der betroffenen Familien.

Die NICE-Leitlinie NG224 (Update 2022) bietet evidenzbasierte Kriterien für die Diagnostik, das akute Management und die Nachsorge von ersten oder rezidivierenden Harnwegsinfektionen bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren. Ausgenommen sind unter anderem Kinder mit Dauerkathetern, neurogenen Blasenstörungen oder vorbestehenden signifikanten Uropathien.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management von Harnwegsinfektionen (HWI) bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren:

Klinische Beurteilung und Diagnostik

Laut Leitlinie wird eine Urinuntersuchung bei Säuglingen und Kindern empfohlen, wenn spezifische Symptome die Wahrscheinlichkeit einer HWI erhöhen. Bei Säuglingen unter 3 Monaten mit Verdacht auf eine HWI wird eine sofortige Überweisung in die pädiatrische Spezialversorgung sowie eine dringende Urinkultur empfohlen.

Die Leitlinie klassifiziert Symptome nach ihrem Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer HWI:

Erhöhte Wahrscheinlichkeit für HWIVerringerte Wahrscheinlichkeit für HWI
Schmerzhaftes Wasserlassen (Dysurie), häufiges Wasserlassen, neues EinnässenFehlen von schmerzhaftem Wasserlassen
Übelriechender, dunkler oder trüber Urin, sichtbare HämaturieWindeldermatitis
Fieber, Schüttelfrost, Bauchschmerzen, Flanken-/suprapubischer SchmerzAtembeschwerden, abnormale Atemgeräusche
Verminderte Flüssigkeitsaufnahme, Rekapillarisierungszeit > 3 SekundenAbnormale Ohruntersuchung
Bekannte HWI in der VorgeschichteFieber mit bekannter alternativer Ursache

Urindiagnostik

Es wird empfohlen, Urinproben vor der Gabe von Antibiotika zu entnehmen, vorzugsweise als Mittelstrahlurin. Bei Kindern zwischen 3 Monaten und 3 Jahren sollte laut Leitlinie ein Urin-Schnelltest (Dipstick) durchgeführt werden.

Sind Leukozytenesterase und Nitrit negativ, wird von einer Antibiotikagabe abgeraten. Für Kinder ab 3 Jahren empfiehlt die Leitlinie folgende Teststrategie:

LeukozytenesteraseNitritEmpfohlenes Vorgehen
PositivPositivHWI annehmen, Antibiotika geben. Bei hohem Risiko oder rezidivierender HWI Kultur anlegen.
NegativPositivAntibiotika geben (bei frischem Urin). Urinkultur anlegen.
PositivNegativUrinkultur anlegen. Keine routinemäßigen Antibiotika ohne starke klinische Evidenz.
NegativNegativKeine HWI annehmen. Keine Antibiotika, keine Kultur. Andere Ursachen suchen.

Bei der Interpretation der Mikroskopie-Ergebnisse gilt laut Leitlinie:

PyurieBakteriurieInterpretation
PositivPositivHWI annehmen
PositivNegativAntibiotika starten, falls klinische HWI-Symptome vorliegen
NegativPositivHWI annehmen
NegativNegativKeine HWI annehmen

Akuttherapie und Prophylaxe

Säuglinge unter 3 Monaten sowie Kinder mit hohem Risiko für eine schwere Erkrankung sollten gemäß Leitlinie umgehend an einen Pädiater überwiesen werden. Die Behandlung einer akuten oberen oder unteren HWI bei Kindern über 3 Monaten erfolgt antibiotisch gemäß den spezifischen Verschreibungsrichtlinien.

Die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, asymptomatische Bakteriurien mit Antibiotika zu behandeln. Ebenso wird empfohlen, nach einer erstmaligen HWI keine routinemäßige antibiotische Prophylaxe durchzuführen.

Bildgebung

Eine routinemäßige Bildgebung zur Lokalisation der HWI wird nicht empfohlen. Bei atypischen HWI (z. B. schwere Krankheit, schlechter Harnstrahl, tastbare Raumforderung, Non-E.-coli-Infektion) oder rezidivierenden Infektionen empfiehlt die Leitlinie jedoch spezifische Ultraschall- und DMSA-Szintigraphie-Untersuchungen.

Die Indikation zur Bildgebung richtet sich nach dem Alter:

AlterUltraschall während AkutinfektionUltraschall innerhalb 6 WochenDMSA-Scan (nach 4-6 Monaten)
< 6 MonateBei atypischer oder rezidivierender HWIBei gutem Ansprechen auf TherapieBei atypischer oder rezidivierender HWI
6 Monate bis < 3 JahreBei atypischer HWIBei rezidivierender HWIBei atypischer oder rezidivierender HWI
Ab 3 JahrenBei atypischer HWIBei rezidivierender HWIBei rezidivierender HWI

Nachsorge

Eine routinemäßige Nachsorge von asymptomatischen Kindern ohne durchgeführte Bildgebung wird nicht empfohlen. Kinder mit rezidivierenden HWI oder pathologischen Bildgebungsbefunden sollten laut Leitlinie pädiatrisch angebunden werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist der Verzicht auf eine routinemäßige antibiotische Prophylaxe nach einer erstmaligen Harnwegsinfektion. Zudem wird ausdrücklich davor gewarnt, eine asymptomatische Bakteriurie bei Säuglingen und Kindern mit Antibiotika zu behandeln. Bei Kindern unter 3 Monaten mit Verdacht auf eine HWI wird stets eine sofortige pädiatrische Überweisung und die Anlage einer dringenden Urinkultur empfohlen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz von Urin-Schnelltests bei Kindern ab 3 Monaten. Bei Säuglingen unter 3 Monaten wird stattdessen eine sofortige Überweisung an einen Spezialisten und die Anlage einer Urinkultur empfohlen.

Ein Ultraschall während der akuten Infektion wird laut Leitlinie nur bei atypischen Harnwegsinfektionen (z. B. bei schwerer Krankheit oder Non-E.-coli-Erregern) oder bei rezidivierenden Infektionen im Säuglingsalter unter 6 Monaten empfohlen. Bei unkomplizierten, erstmaligen Infektionen, die gut auf die Therapie ansprechen, ist eine routinemäßige Bildgebung bei Kindern über 6 Monaten nicht indiziert.

Es wird von der Leitlinie stark abgeraten, eine asymptomatische Bakteriurie bei Säuglingen und Kindern mit Antibiotika zu behandeln. Auch eine routinemäßige Nachsorge allein aufgrund einer asymptomatischen Bakteriurie wird nicht empfohlen.

Symptome, die die Wahrscheinlichkeit einer Harnwegsinfektion verringern, sind laut Leitlinie unter anderem das Fehlen von Schmerzen beim Wasserlassen, Windeldermatitis, Atembeschwerden oder eine bekannte alternative Ursache für das Fieber. In diesen Fällen sollte nach anderen Infektionsquellen gesucht werden.

Die Leitlinie empfiehlt, nach einer erstmaligen Harnwegsinfektion keine routinemäßigen prophylaktischen Antibiotika an Säuglinge und Kinder zu verabreichen. Eine Prophylaxe wird in der Regel nur bei rezidivierenden Infektionen in Betracht gezogen.

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Quelle: NICE Guideline on Urinary Tract Infection in Under 16s (NICE, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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