Harninkontinenz nach Schlaganfall: Therapie-Empfehlung
Hintergrund
Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2019 untersucht Maßnahmen zur Behandlung der Harninkontinenz bei Erwachsenen nach einem Schlaganfall. Harninkontinenz betrifft in der akuten Phase etwa die Hälfte aller hospitalisierten Schlaganfallpatienten.
Auch ein Jahr nach dem Ereignis leiden noch etwa 15 bis 38 Prozent der Betroffenen an einer Inkontinenz. Diese Symptomatik beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich und ist stark mit dem Auftreten von Depressionen assoziiert.
Zudem kann eine fortbestehende Inkontinenz die Teilnahme an Rehabilitationsmaßnahmen erschweren und den Zeitpunkt der Krankenhausentlassung verzögern. Der Review wertet Daten aus 20 randomisierten und quasi-randomisierten Studien mit insgesamt 1338 Teilnehmern aus.
Empfehlungen
Der Review bewertet verschiedene Therapieansätze, weist jedoch darauf hin, dass die Evidenzlage insgesamt unzureichend ist, um feste klinische Empfehlungen abzuleiten. Die Ergebnisse basieren oft auf kleinen Studien mit geringer bis moderater Qualität.
Vergleich der untersuchten Interventionen
Die Meta-Analyse fasst die Effekte der verschiedenen Maßnahmen wie folgt zusammen:
| Interventionsart | Untersuchte Maßnahmen | Effekt auf Inkontinenz | Evidenzqualität |
|---|---|---|---|
| Verhaltenstherapie | Beckenbodentraining, Blasentraining | Mögliche Reduktion der Inkontinenzepisoden in 24h | Niedrig |
| Physikalische Therapie | TENS, TPTNS | Mögliche Reduktion der Inkontinenzepisoden in 24h | Niedrig |
| Komplementärmedizin | Akupunktur, Elektroakupunktur | Mögliche Erhöhung der Kontinenzrate nach Behandlung | Niedrig |
| Spezialisierte Pflege | Continence Nurse Practitioner | Wahrscheinlich kein Unterschied bei Kontinenzrate nach 3 Monaten | Moderat |
| Medikamentöse Therapie | Östrogene | Kein nachgewiesener Unterschied | Unklar |
Detaillierte Ergebnisse
Laut Review können verhaltensorientierte Interventionen die durchschnittliche Anzahl der Inkontinenzepisoden reduzieren, zeigen aber wahrscheinlich keinen Unterschied in Bezug auf die Lebensqualität.
Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) verringert laut den Daten nicht nur die Inkontinenzepisoden, sondern verbessert wahrscheinlich auch die allgemeinen funktionellen Fähigkeiten der Patienten (moderate Evidenzqualität).
Bei den komplementären Therapien zeigten die eingeschlossenen Studien, dass Patienten in der Behandlungsgruppe häufiger wieder vollständig kontinent wurden.
Für medikamentöse Therapien wie Östrogengaben konnte in den eingeschlossenen Studien kein Nutzen nachgewiesen werden.
Kontraindikationen
Der Review nennt folgende berichtete unerwünschte Ereignisse bei den untersuchten Interventionen:
-
Bei der Elektroakupunktur wurden Blutergüsse an Armen und Rumpf sowie Bauchschmerzen nach der Behandlung dokumentiert.
-
Bei der transkutanen posterioren tibialen Nervenstimulation (TPTNS) traten leichte Hautreizungen und Wadenkrämpfe auf.
-
Für die medikamentöse Therapie mit Östrogenen wurden in der entsprechenden Studie keine unerwünschten Ereignisse berichtet.
💡Praxis-Tipp
Der Review betont, dass die Evidenz für spezifische Inkontinenztherapien nach einem Schlaganfall stark limitiert ist. Es wird hervorgehoben, dass eine individualisierte Beurteilung und Zielsetzung sinnvoll erscheint, um die Maßnahmen an die spezifischen neurologischen und funktionellen Defizite der Betroffenen anzupassen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review sind in der akuten Phase etwa 40 bis 60 Prozent der hospitalisierten Schlaganfallpatienten von einer Harninkontinenz betroffen. Nach einem Jahr leiden immer noch etwa 15 Prozent der Betroffenen an diesen Beschwerden.
Der Review deutet darauf hin, dass verhaltensorientierte Maßnahmen wie Beckenbodentraining die Anzahl der Inkontinenzepisoden reduzieren können. Die Evidenzqualität für diese Aussage wird jedoch als niedrig eingestuft.
Komplementäre Therapien wie Akupunktur oder Elektroakupunktur können laut den ausgewerteten Studien die Wahrscheinlichkeit erhöhen, nach der Behandlung wieder kontinent zu sein. Auch hier ist die Qualität der zugrundeliegenden Evidenz jedoch gering.
Eine strukturierte Betreuung durch speziell ausgebildete Pflegekräfte zeigt laut Review wahrscheinlich keinen signifikanten Unterschied in der Kontinenzrate nach drei Monaten. Diese Erkenntnis basiert auf Evidenz von moderater Qualität.
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Quelle: Cochrane Review: Interventions for treating urinary incontinence after stroke in adults (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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