Hämaturie bei Kindern: Sonografie und MRT-Diagnostik
Hintergrund
Eine Hämaturie bei Kindern und Jugendlichen ist definiert als die schmerzlose oder schmerzhafte Beimengung von Blut oder Erythrozyten zum Urin. Dabei wird zwischen einer mit bloßem Auge sichtbaren Makrohämaturie und einer nur mikroskopisch nachweisbaren Mikrohämaturie unterschieden.
Oftmals ergeben bereits die klinische Untersuchung und grundlegende Laboruntersuchungen eine wahrscheinliche Diagnose. Für den weiteren diagnostischen Ablauf bei Erkrankungen der Nieren und Harnwege spielt die Bildgebung jedoch eine zentrale Rolle.
Der gesamte Harntrakt muss in die Untersuchung einbezogen werden. Anatomische und physikalische Gegebenheiten, wie beispielsweise Gasüberlagerungen, können die Beurteilbarkeit bestimmter Abschnitte erschweren und den Einsatz weiterführender Modalitäten erforderlich machen.
Klinischer Kontext
Die Hämaturie ist ein häufiger Befund in der pädiatrischen Praxis, wobei die asymptomatische Mikrohämaturie bei etwa ein bis vier Prozent der Schulkinder auftritt. Makrohämaturien sind seltener, führen jedoch aufgrund der sichtbaren Rotfärbung des Urins meist zu einer raschen ärztlichen Vorstellung.
Ursächlich wird zwischen glomerulären und nicht-glomerulären Blutungsquellen unterschieden. Das Spektrum reicht von harmlosen, passageren Ursachen wie Harnwegsinfekten oder Hyperkalziurie bis hin zu strukturellen Fehlbildungen, Glomerulonephritiden oder seltenen Malignomen.
Die zentrale ärztliche Aufgabe besteht darin, behandlungsbedürftige renale oder urologische Pathologien frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig unnötige invasive Untersuchungen bei benignen Verläufen zu vermeiden. Die Basisdiagnostik umfasst neben der Urinanalyse primär die Sonografie als strahlenfreie und breit verfügbare bildgebende Methode der ersten Wahl.
Wissenswertes
Die Sonografie der Nieren und Harnwege gilt als bildgebendes Verfahren der ersten Wahl bei der Abklärung einer Hämaturie im Kindesalter. Sie dient dem Ausschluss struktureller Anomalien, Nephrolithiasis oder raumfordernder Prozesse und ist aufgrund der fehlenden Strahlenbelastung ideal für die Pädiatrie.
Die Urinmikroskopie mittels Phasenkontrastmikroskopie hilft bei der Differenzierung der Blutungsquelle. Dysmorphe Erythrozyten und Akanthozyten weisen auf eine glomeruläre Ursache hin, während eumorphe Erythrozyten typisch für nicht-glomeruläre Blutungen sind.
Zu den häufigsten Ursachen einer Makrohämaturie bei Kindern zählen Harnwegsinfektionen, perineale Irritationen und Traumata. Seltener, aber klinisch bedeutsam, sind akute Poststreptokokken-Glomerulonephritiden, IgA-Nephropathien oder eine idiopathische Hyperkalziurie.
Weiterführende Schnittbildverfahren wie MRT oder CT sind primär speziellen Fragestellungen vorbehalten, etwa bei unklaren sonografischen Befunden oder dem Verdacht auf Malignome. Die MRT wird dabei aufgrund der fehlenden ionisierenden Strahlung bei pädiatrischen Patienten in der Regel bevorzugt.
Eine isolierte, asymptomatische Mikrohämaturie ist oft passager und erfordert zunächst regelmäßige nicht-invasive Verlaufskontrollen. Bleibt die Hämaturie über mehrere Monate bestehen oder treten Begleitsymptome wie Proteinurie auf, ist eine erweiterte nephrologische Abklärung indiziert.
Die idiopathische Hyperkalziurie ist eine häufige, oft übersehene Ursache für eine nicht-glomeruläre Mikro- oder Makrohämaturie im Kindesalter. Die Diagnose erfolgt durch die Bestimmung des Calcium-Kreatinin-Quotienten im Spontanurin, ergänzt durch einen Ultraschall zum Ausschluss einer Nephrokalzinose.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie sind die Harnleiter aufgrund von intestinalen Gasüberlagerungen sonografisch meist nur unvollständig zu beurteilen. Es wird betont, dass in solchen Fällen oder bei komplexen Steinkonfigurationen eine low-dose CT zur sicheren Steindetektion und Interventionsplanung herangezogen werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt die Sonografie als primäres bildgebendes Verfahren. Dabei wird betont, dass stets der gesamte Harntrakt untersucht werden muss.
Eine Computertomografie kommt laut Leitlinie nur in ausgewählten Einzelfällen bei Therapierelevanz zum Einsatz. Eine low-dose CT wird speziell zur Steindetektion in sonografisch nicht einsehbaren Harnleiterabschnitten oder zur Interventionsplanung empfohlen.
Bei einem sonografisch tumorverdächtigen Befund wird eine weiterführende Untersuchung mittels MRT empfohlen. Dies entspricht einem starken Konsens der Leitlinienkommission.
Gemäß der Leitlinie ist bei der Fragestellung einer Urethritis keine spezifische bildgebende Diagnostik erforderlich.
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Quelle: Hämaturie bei Kindern und Jugendlichen - Bildgebende Diagnostik (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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