Gesundheitsarbeitsmarktanalyse (HLMA): Personalplanung
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie zum Health Labour Market Analysis (HLMA) Guidebook aus dem Jahr 2021 bietet einen umfassenden Rahmen zur Untersuchung von Arbeitsmärkten im Gesundheitswesen. Ziel ist es, die treibenden Kräfte hinter dem Mangel, dem Überschuss und der Fehlverteilung von Gesundheitspersonal zu verstehen.
Ein gut funktionierender Gesundheitsarbeitsmarkt ist laut Leitlinie entscheidend für das Erreichen einer universellen Gesundheitsversorgung und der Ziele für nachhaltige Entwicklung. Die Analyse hilft politischen Entscheidungsträgern, evidenzbasierte Strategien zu entwickeln.
Dabei werden sowohl makroökonomische Faktoren als auch die Dynamik zwischen Angebot und Nachfrage sowie bildungspolitische Aspekte berücksichtigt. Die Leitlinie betont, dass traditionelle Ansätze, die sich nur auf die Erhöhung der Ausbildungszahlen konzentrieren, oft nicht ausreichen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert detaillierte Schritte zur Durchführung einer Gesundheitsarbeitsmarktanalyse (HLMA).
Durchführung der Arbeitsmarktanalyse
Laut Leitlinie wird ein schrittweiser, ländergeführter Prozess empfohlen. Zu den zentralen Schritten gehören:
-
Einbindung politischer Entscheidungsträger und relevanter Stakeholder zu Beginn des Prozesses
-
Bildung einer technischen Expertengruppe zur Steuerung der Analyse
-
Identifikation von Datenquellen und Indikatoren, idealerweise unter Nutzung der National Health Workforce Accounts (NHWA)
-
Validierung der Ergebnisse und Übersetzung in evidenzbasierte politische Optionen
Analyse von Angebot und Nachfrage
Die Leitlinie betont die Notwendigkeit, sowohl das Angebot an als auch die Nachfrage nach Gesundheitspersonal zu untersuchen. Das Angebot wird durch die Ausbildungskapazitäten, die Erwerbsquote und Migrationsströme bestimmt.
Die Nachfrage spiegelt die finanzielle Kapazität und Bereitschaft wider, Gesundheitspersonal zu beschäftigen. Es wird empfohlen, Diskrepanzen systematisch zu erfassen.
Dabei unterscheidet die Leitlinie drei Hauptarten von Mismatches:
-
Quantitative Mismatches (Personalmangel oder -überschuss)
-
Qualifikations-Mismatches (Über- oder Unterqualifikation)
-
Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt (z. B. aufgrund von Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit)
Makroökonomie und politische Ökonomie
Es wird empfohlen, makroökonomische Faktoren wie das Wirtschaftswachstum, fiskalische Spielräume und Gehaltsobergrenzen im öffentlichen Sektor zu analysieren. Diese Faktoren begrenzen laut Leitlinie oft die Investitionen in das Gesundheitspersonal.
Zudem wird eine Analyse der politischen Ökonomie empfohlen. Diese hilft, die Machtverhältnisse, Interessen und Positionen der verschiedenen Akteure zu verstehen, um die Machbarkeit politischer Reformen realistisch einzuschätzen.
Übergreifende Themen: Gender und Privatsektor
Die Leitlinie hebt hervor, dass der Gesundheitsarbeitsmarkt stark geschlechtsspezifisch geprägt ist. Es wird empfohlen, geschlechtsspezifische Lohngefälle, berufliche Segregation und Führungslücken systematisch zu analysieren.
Zudem wird eine detaillierte Untersuchung des Privatsektors empfohlen. Ein besonderer Fokus sollte auf der Doppelpraxis von Gesundheitspersonal im öffentlichen und privaten Sektor liegen.
Die Leitlinie beschreibt verschiedene politische Optionen zur Steuerung der Doppelpraxis:
| Politische Option | Rationale | Herausforderungen |
|---|---|---|
| Vollständiges Verbot | Vermeidet negative Effekte der Doppelpraxis | Schwer durchzusetzen, Risiko der Abwanderung in den Privatsektor |
| Zulassungsbeschränkungen | Kontrolle der Ausübung | Schwer zu überwachen, Risiko von Richtlinienverstößen |
| Beschränkung der Einkünfte | Reduziert die Gewinnmaximierungsabsicht | Erfordert effiziente Überwachungssysteme |
| Exklusivverträge und Boni im öffentlichen Sektor | Entmutigt die private Praxis | Funktioniert nur, wenn finanzielle Verluste kompensiert werden |
| Erhöhte Gehälter im öffentlichen Sektor | Verhindert Abwanderung | Für einkommensschwache Länder oft nicht finanzierbar |
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist, dass die alleinige Erhöhung der Ausbildungszahlen einen Personalmangel oft nicht nachhaltig löst. Es wird stattdessen betont, dass auch die Arbeitsbedingungen, die Vergütung und die Aufnahmekapazität des Arbeitsmarktes berücksichtigt werden müssen. Zudem weist die Leitlinie darauf hin, dass informelle Zahlungen und Doppelpraxis die Effizienz des öffentlichen Sektors erheblich beeinträchtigen können.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist eine HLMA eine systematische Untersuchung der Faktoren, die das Angebot an und die Nachfrage nach Gesundheitspersonal beeinflussen. Sie dient dazu, Ursachen für Personalmangel, Fehlverteilungen und Ineffizienzen zu identifizieren. Die Ergebnisse sollen politische Entscheidungsträger bei der evidenzbasierten Planung unterstützen.
Die Leitlinie beschreibt, dass die gleichzeitige Tätigkeit im öffentlichen und privaten Sektor sowohl positive als auch negative Effekte haben kann. Einerseits kann sie das Einkommen der Fachkräfte sichern, andererseits führt sie oft zu Fehlzeiten im öffentlichen Sektor und Interessenkonflikten. Es wird empfohlen, diese Praxis durch geeignete politische Maßnahmen zu regulieren.
Die Leitlinie weist darauf hin, dass Frauen zwar die Mehrheit des Gesundheitspersonals stellen, aber in Führungspositionen stark unterrepräsentiert sind. Zudem besteht ein signifikantes geschlechtsspezifisches Lohngefälle, das im Gesundheitssektor weltweit bei etwa 28 Prozent liegt. Eine geschlechtersensible Analyse wird daher als essenziell für die Personalplanung erachtet.
Gemäß der Leitlinie führt eine reine Erhöhung der Ausbildungszahlen nicht zwingend zu einer besseren Versorgung, wenn die Absolventen keine adäquaten Stellen finden oder abwandern. Die Nachfrage wird durch die finanzielle Kapazität des Gesundheitssystems begrenzt. Daher müssen laut Leitlinie auch die Arbeitsbedingungen und die Aufnahmekapazität des Marktes verbessert werden.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Health labour market analysis guidebook (WHO, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Bilateral agreements on health worker migration and mobility
Health practitioner regulation: Design, reform and implementation guidance
Caring for those who care: Guide for the development and implementation of occupational health and safety programmes for health workers
Guidance on planning, implementing and scaling up task sharing for contraceptive services
Implementation of self-care interventions for health and well-being: guidance for health systems
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen