Emicizumab: Therapie der Hämophilie A mit Inhibitoren
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A18-49 stellt ein Addendum zur Nutzenbewertung von Emicizumab bei Hämophilie A mit Faktor-VIII-Hemmkörpern dar. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragte diese ergänzende Bewertung, um nachgereichte Daten des pharmazeutischen Unternehmers zu prüfen.
Im Fokus der Bewertung stehen verschiedene Studienvergleiche zwischen einer Routineprophylaxe mit Emicizumab und Behandlungen mit Bypassing-Präparaten. Ziel war es zu ermitteln, ob sich aus den neuen Auswertungen ein Zusatznutzen für Emicizumab ableiten lässt.
Der Bericht analysiert hierfür die direkte Vergleichsstudie HAVEN 1, einen indirekten Vergleich über Brückenkomparatoren sowie Vorher-nachher-Vergleiche aus Beobachtungsstudien.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Kernbewertungen zu den vorgelegten Evidenzen:
Direkter Vergleich (Studie HAVEN 1)
Laut Bewertung zeigt die Studie HAVEN 1 beim Vergleich von Emicizumab-Prophylaxe mit einer Bedarfsbehandlung zwar Vorteile bei der jährlichen Blutungsrate und der Lebensqualität. Es wird jedoch kein Zusatznutzen abgeleitet, da die Bedarfsbehandlung nicht der vom G-BA festgelegten zweckmäßigen Vergleichstherapie entspricht.
Als unerwünschtes Ereignis traten unter Emicizumab häufiger Reaktionen an der Injektionsstelle auf.
Indirekter Vergleich
Der pharmazeutische Unternehmer legte einen indirekten Vergleich zwischen Emicizumab-Prophylaxe und FEIBA-Prophylaxe vor. Die Bewertung kommt zu dem Schluss, dass dieser Vergleich nicht zur Ableitung eines Zusatznutzens geeignet ist.
Die Begründung hierfür lautet:
-
Die eingeschlossenen Studien (HAVEN 1, PROOF, ProFEIBA) sind nicht ausreichend ähnlich.
-
Es bestehen Unklarheiten bei der Operationalisierung der Endpunkte, insbesondere ob alle oder nur behandelte Blutungen erfasst wurden.
-
Ein valider Vergleich der Wirksamkeit ist unter diesen methodischen Einschränkungen nicht möglich.
Vorher-nachher-Vergleiche
Die vorgelegten Vorher-nachher-Vergleiche basieren auf Beobachtungsdaten (Studie BH29768) und den HAVEN-Studien. Laut Bericht sind auch diese Daten nicht für den Nachweis eines Zusatznutzens geeignet.
Folgende methodische Mängel werden genannt:
-
Fehlende Vergleichbarkeit zwischen kontrollierten Studienbedingungen und unkontrollierten Beobachtungen.
-
Ein großer Teil der Patienten in der Beobachtungsstudie erhielt keine adäquate prophylaktische Behandlung.
-
Auch eine nachgereichte Auswertung zu einer sehr kleinen Gruppe formal therapietreuer Patienten ändert diese Einschätzung nicht.
Dosierung
Der Bericht zitiert folgendes Dosierungsschema für Emicizumab, welches in den bewerteten Studien (z. B. HAVEN 1 und 2) als Routineprophylaxe angewendet wurde:
| Medikament | Phase | Dosierung | Applikationsweg |
|---|---|---|---|
| Emicizumab | Startdosis (Woche 1-4) | 3 mg/kg/Woche | subkutan (s.c.) |
| Emicizumab | Erhaltungsdosis (ab Woche 5) | 1,5 mg/kg/Woche | subkutan (s.c.) |
Laut Bericht sollte eine parallele Behandlung mit FEIBA in Kombination mit Emicizumab vermieden werden. Falls Bypassing-Präparate bei Durchbruchblutungen nötig sind, wird die Anwendung in der niedrigsten Dosis beschrieben.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bewertung ist bei der Interpretation von Vorher-nachher-Vergleichen bei Hämophilie-Patienten große Vorsicht geboten. Es wird darauf hingewiesen, dass unkontrollierte Beobachtungsdaten nicht direkt mit Ergebnissen aus kontrollierten klinischen Studien verglichen werden können, da dies zu methodisch verzerrten Blutungsraten führt.
Häufig gestellte Fragen
Das IQWiG leitet aus den vorgelegten Daten keinen Zusatznutzen für Emicizumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ab. Die vorgelegten direkten und indirekten Vergleiche wurden als methodisch nicht geeignet eingestuft.
In der Kontrollgruppe der HAVEN 1 Studie wurde eine Bedarfsbehandlung mit Bypassing-Präparaten durchgeführt. Laut Bericht entspricht dies nicht der vom G-BA geforderten zweckmäßigen Vergleichstherapie, welche eine Routineprophylaxe vorsieht.
Die Auswertung der HAVEN 1 Studie zeigt, dass unter der Routineprophylaxe mit Emicizumab vermehrt Reaktionen an der Injektionsstelle auftraten. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse zeigten keine signifikanten Unterschiede zur Kontrollgruppe.
Laut den zitierten Studienprotokollen sollte eine Kombination von FEIBA und Emicizumab vermieden werden. Wenn Bypassing-Präparate bei Blutungen eingesetzt werden müssen, wird die Anwendung in der niedrigsten wirksamen Dosis beschrieben.
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Quelle: IQWiG A18-49: Emicizumab (Hämophilie A) - Addendum zum Auftrag A18-20 (IQWiG, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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