Eisenüberladung: Diagnostik, Phlebotomie und Therapie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie behandelt das Spektrum der Eisenüberladung, welches von chronischer Akkumulation bis hin zur akuten Intoxikation reicht. Chronische Formen entstehen meist durch hereditäre Hämochromatose (HFE-Mutationen) oder sekundär durch wiederholte Bluttransfusionen bei hämatologischen Erkrankungen.
Akute Eisentoxizität tritt häufig als akzidentelle Ingestion bei Kindern unter sechs Jahren oder als suizidale Handlung bei Erwachsenen auf. Die Toxizität ist dosisabhängig und führt zu direkten korrosiven Schäden der Gastrointestinalschleimhaut sowie zu systemischen Zellschäden.
Überschüssiges, nicht an Transferrin gebundenes Eisen induziert oxidativen Stress durch die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies. Dies führt langfristig zu Organschäden in Leber, Herz und endokrinen Drüsen oder im akuten Fall zu einem lebensbedrohlichen Multiorganversagen.
Empfehlungen
Diagnostik der chronischen Eisenüberladung
Laut Leitlinie wird als erster Schritt die Bestimmung von Serumferritin und der Transferrinsättigung empfohlen.
Bei einer nüchtern gemessenen Transferrinsättigung von über 45 Prozent und erhöhtem Ferritin wird eine genetische Testung auf HFE-Mutationen (z. B. C282Y) angeraten.
Zur Quantifizierung der Organbelastung wird zunehmend die nicht-invasive MRT-Bildgebung der Leber anstelle einer Leberbiopsie empfohlen.
Diagnostik der akuten Eisentoxizität
Die Leitlinie empfiehlt die Bestimmung der Serumeisenkonzentration idealerweise vier bis sechs Stunden nach der Ingestion.
Es wird darauf hingewiesen, dass bei Retard- oder magensaftresistenten Präparaten eine verzögerte Resorption auftreten kann, was serielle Messungen nach sechs bis acht Stunden erforderlich macht.
Zusätzlich wird die Kontrolle folgender Parameter empfohlen:
-
Komplettes Blutbild und Gerinnungsstatus
-
Serumelektrolyte und Glukose
-
Nieren- und Leberfunktionswerte
Therapie der chronischen Eisenüberladung
Als Standardtherapie wird die therapeutische Phlebotomie (Aderlass) empfohlen, bis das Serumferritin auf etwa 50 µg/L gesenkt ist.
Bei Kontraindikationen für eine Phlebotomie, wie beispielsweise einer Anämie, wird eine Chelattherapie mit Deferoxamin, Deferasirox oder Deferipron angeraten.
Therapie der akuten Eisentoxizität
Bei asymptomatischen Patienten mit subtoxischer Exposition wird eine reine Beobachtung über sechs bis zwölf Stunden als ausreichend erachtet.
Bei systemischer Toxizität, Schock oder metabolischer Azidose wird eine sofortige intravenöse Volumentherapie sowie eine Chelattherapie mit Deferoxamin empfohlen.
Zur Entfernung unresorbierter Tabletten wird eine Darmspülung (Whole-bowel irrigation) mit Polyethylenglykol über eine Magensonde angeraten.
Dosierung
Risikostratifizierung nach Ingestionsmenge
| Ingestionsmenge (elementares Eisen) | Toxizitätsrisiko |
|---|---|
| < 20 mg/kg | In der Regel nicht toxisch |
| 20 - 60 mg/kg | Moderate Symptome möglich |
| > 60 mg/kg | Schwere, potenziell fatale Toxizität |
Risikostratifizierung nach Serumeisenkonzentration
| Serumeisenkonzentration (4-6 h post-Ingestion) | Klinische Einschätzung |
|---|---|
| < 350 mcg/dL | Geringes Risiko |
| 350 - 500 mcg/dL | Moderate Toxizität |
| > 500 mcg/dL | Schwere systemische Toxizität |
Dosierung der Chelattherapie bei akuter Intoxikation
| Medikament | Dosierung | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| Deferoxamin (i.v.) | 15 mg/kg/Stunde (kontinuierliche Infusion) | Bei Serumeisen > 500 mcg/dL, metabolischer Azidose oder Schock |
| Deferoxamin (i.v.) | Maximal 35 mg/kg/Stunde | Dosisobergrenze bei schwerer Toxizität |
| Deferoxamin (i.v.) | Maximal 6 g/Tag | Maximale Tagesdosis |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor dem Einsatz von Aktivkohle bei akuter Eisentoxizität, da diese Eisen nicht bindet und somit wirkungslos ist.
Zudem wird von einer Magenspülung (Gastric lavage) in den meisten Fällen abgeraten, da die potenziellen Risiken den Nutzen oft überwiegen.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler bei der Beurteilung der akuten Eisentoxizität ist eine zu frühe Blutentnahme. Die Leitlinie betont, dass die Serumeisenkonzentration erst vier bis sechs Stunden nach der Ingestion ihren Höhepunkt erreicht und frühere Messungen die Schwere der Intoxikation unterschätzen können. Zudem wird darauf hingewiesen, dass das Fehlen von röntgendichten Tabletten im Abdomenröntgen eine signifikante Ingestion nicht ausschließt.
Häufig gestellte Fragen
Laut StatPearls-Leitlinie erhärtet sich der Verdacht bei einem Serumferritin von über 300 ng/mL bei Männern und über 150 bis 200 ng/mL bei menstruierenden Frauen. Dies sollte idealerweise in Kombination mit einer Transferrinsättigung von über 45 Prozent betrachtet werden.
Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie die therapeutische Phlebotomie (Aderlass). Diese wird in der Regel alle ein bis zwei Wochen durchgeführt, bis ein Ziel-Ferritinwert von etwa 50 µg/L erreicht ist.
Die Leitlinie beschreibt fünf Phasen: initiale gastrointestinale Symptome (0,5-6 h), eine trügerische asymptomatische Latenzphase (6-24 h), systemische Verschlechterung mit Schock und Azidose (6-72 h), Leberversagen (12-96 h) und späte gastrointestinale Strikturen (2-8 Wochen).
Es wird eine intravenöse Therapie mit Deferoxamin empfohlen, wenn die Serumeisenkonzentration 500 mcg/dL überschreitet. Weitere Indikationen sind das Vorliegen einer metabolischen Azidose, Schock oder klinische Zeichen einer Organdysfunktion.
Nein, die Leitlinie rät von der Gabe von Aktivkohle ab. Aktivkohle ist nicht in der Lage, elementares Eisen zu binden und bietet daher keinen therapeutischen Nutzen.
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Quelle: StatPearls: Iron Overload and Toxicity (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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