Darmstoma: Indikation, OP-Technik und Komplikationen
Hintergrund
Ein intestinales Stoma ist eine der häufigsten chirurgischen Prozeduren, bei der Dünndarm (Ileostoma) oder Dickdarm (Kolostoma) durch die vordere Bauchwand nach außen abgeleitet wird. Laut der StatPearls-Übersicht handelt es sich oft um einen lebensrettenden Notfalleingriff, der weltweit bei einer Vielzahl gutartiger und bösartiger gastrointestinaler Erkrankungen durchgeführt wird.
Die physiologischen Auswirkungen hängen stark von der Lokalisation ab. Ein Ileostoma fördert täglich etwa 600 ml weichen Stuhl, während der Inhalt eines linksseitigen Kolostomas in der Regel halbfest ist. Je weiter proximal das Stoma angelegt wird, desto flüssiger ist das geförderte Sekret.
Empfehlungen
Die StatPearls-Übersicht beschreibt detaillierte Vorgehensweisen für die Planung und Anlage eines Darmstomas.
Präoperative Vorbereitung
Es wird eine Optimierung des Patientenstatus im Rahmen von ERAS-Protokollen (Enhanced Recovery After Surgery) empfohlen. Dazu gehören die Minimierung von Alkohol- und Nikotinkonsum sowie die psychologische Betreuung zur Reduktion von Angstzuständen.
Die präoperative Markierung der Stomaposition durch geschultes Personal wird als essenziell beschrieben, um spätere Komplikationen zu vermeiden. Als idealer Ort wird häufig der Apex der infraumbilikalen Fettfalte genannt.
Zur Reduktion von Wundinfektionen wird eine mechanische Darmvorbereitung in Kombination mit oralen und parenteralen Antibiotika empfohlen. Eine rein mechanische Vorbereitung ohne Antibiotika senkt das Infektionsrisiko laut Leitlinie nicht.
Indikationen nach Stoma-Art
Die Wahl des Stomas richtet sich nach der zugrundeliegenden Pathologie und der Notwendigkeit einer temporären oder permanenten Ableitung.
| Stoma-Typ | Häufige Indikationen |
|---|---|
| Endständiges Kolostoma | Rektumresektion ohne Kontinuitätswiederherstellung, perforierte Divertikulitis, abdominoperineale Rektumexstirpation |
| Doppelläufiges Kolostoma | Inoperables Rektumkarzinom, protektives Stoma bei tiefer Rektumresektion, Strahlenproktitis, Stuhlinkontinenz |
| Endständiges Ileostoma | Versagen einer Ileumpouch-analen Anastomose, Notfall-Kolektomie, massive Darmresektion bei Ischämie |
| Doppelläufiges Ileostoma | Protektives Stoma nach Proktokolektomie, Fournier-Gangrän, fulminante toxische Kolitis, Anastomoseninsuffizienz |
Operationstechnik
Bei der Anlage wird darauf hingewiesen, dass die Durchblutung des Stomas zwingend erhalten bleiben muss. Der durch die Bauchwand geführte Darmabschnitt sollte ausreichend mobilisiert sein, um eine spannungsfreie Anlage zu gewährleisten.
Für ein Ileostoma wird eine Eversion empfohlen, sodass ein 2 bis 3 cm langer Ausguss (Spout) über das Hautniveau hinausragt. Bei einem Kolostoma reicht eine Prominenz von etwa 2 cm, es kann aber auch auf Hautniveau (flush) eingenäht werden.
Postoperatives Management
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit eines interprofessionellen Teams. Die postoperative Stomaversorgung und Patientenedukation sollte durch spezialisiertes Pflegepersonal oder Stomatherapeuten erfolgen.
Kontraindikationen
Laut der Übersicht gibt es keine absoluten Kontraindikationen für die Anlage eines Stomas.
Als relative Kontraindikationen werden eine Peritonealkarzinose sowie ein kurzes Mesenterium genannt. Ein unzureichend langes Mesenterium verhindert eine spannungsfreie Ausleitung des Darms. Eine solche Spannung, die besonders bei adipösen Patienten auftritt, stellt einen unabhängigen Risikofaktor für Stomakomplikationen dar.
💡Praxis-Tipp
Die präoperative Markierung der Stomaposition durch eine spezialisierte Fachkraft wird als entscheidender Schritt hervorgehoben, um spätere Passformprobleme der Stomaversorgung zu verhindern. Zudem wird intraoperativ auf eine absolut spannungsfreie und gut durchblutete Ausleitung des Darms hingewiesen, da ein zu enges Trepanationsloch im Bauchdeckenbereich zu Ischämie oder Obstruktion führen kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut der Übersicht fördert ein Ileostoma im Durchschnitt etwa 600 ml pro Tag, mit einer Schwankungsbreite von 500 bis 700 ml. Bei einer Fördermenge von über 1,5 Litern wird von einem exzessiven Output gesprochen, der zu einer Dehydratation führen kann.
Es wird eine Kombination aus mechanischer Darmreinigung und der Gabe von oralen sowie parenteralen Antibiotika empfohlen. Die Leitlinie betont, dass eine rein mechanische Vorbereitung ohne Antibiotika das Risiko für Wundinfektionen nicht ausreichend senkt.
Zu den häufigsten genannten Komplikationen zählen Stomaprolaps, parastomale Hernien, Hautirritationen, Retraktion, Ischämie und Stomastenosen. Bis zu 70 % der Patienten können im Verlauf von derartigen Komplikationen betroffen sein.
Die Autoren beschreiben, dass ein Ileostoma evertiert werden sollte, um einen 2 bis 3 cm langen Ausguss (Spout) zu bilden. Ein Kolostoma hingegen wird meist mit einem Überstand von etwa 2 cm oder direkt auf Hautniveau angelegt.
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Quelle: StatPearls: Intestinal Stoma (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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