COPD: Diagnostik, Therapie und Exazerbationsmanagement
Hintergrund
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine häufige Atemwegserkrankung, die durch fortschreitende Atemnot, chronischen Husten und Auswurf gekennzeichnet ist. Die vorliegende Zusammenfassung basiert auf der NICE-Leitlinie NG115 und behandelt die Diagnostik sowie das Management der stabilen COPD und akuter Exazerbationen bei Personen ab 16 Jahren.
Eine frühzeitige Diagnose und eine strukturierte, multidisziplinäre Betreuung sind entscheidend, um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten und das Risiko für Exazerbationen zu minimieren. Die Leitlinie legt besonderen Wert auf die Raucherentwöhnung, die Optimierung der Inhalationstherapie und die pulmonale Rehabilitation.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie NG115 formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie der COPD:
Diagnostik und Schweregrad
Ein Verdacht auf COPD sollte bei Personen über 35 Jahren mit Risikofaktoren (meist Rauchen) und typischen Symptomen geäußert werden. Zu den Leitsymptomen zählen Belastungsdyspnoe, chronischer Husten, regelmäßige Sputumproduktion und Giemen.
Zur Bestätigung der Diagnose wird eine Post-Bronchodilatator-Spirometrie empfohlen. Ein FEV1/FVC-Quotient unter 0,7 sichert in der Regel die Diagnose.
Die Leitlinie empfiehlt, den Schweregrad der Atemwegsobstruktion anhand des FEV1-Wertes zu klassifizieren:
| Schweregrad | Post-Bronchodilatator FEV1/FVC | FEV1 % des Sollwerts |
|---|---|---|
| Mild (Stadium 1) | < 0,7 | ≥ 80% |
| Moderat (Stadium 2) | < 0,7 | 50–79% |
| Schwer (Stadium 3) | < 0,7 | 30–49% |
| Sehr schwer (Stadium 4) | < 0,7 | < 30% (oder < 50% mit respiratorischer Insuffizienz) |
Zur Graduierung der Atemnot sollte die MRC-Dyspnoe-Skala verwendet werden:
| Grad | Ausmaß der Atemnot |
|---|---|
| 1 | Keine Atemnot außer bei starker körperlicher Anstrengung |
| 2 | Atemnot beim Beeilen oder beim Gehen einer leichten Steigung |
| 3 | Geht langsamer als Gleichaltrige in der Ebene oder muss beim Gehen im eigenen Tempo anhalten |
| 4 | Muss nach etwa 100 Metern oder wenigen Minuten in der Ebene anhalten |
| 5 | Zu atemlos, um das Haus zu verlassen, oder Atemnot beim An- und Ausziehen |
Bei diagnostischer Unsicherheit ist eine Differenzierung zwischen COPD und Asthma erforderlich:
| Klinisches Merkmal | COPD | Asthma |
|---|---|---|
| Raucher oder Ex-Raucher | Fast alle | Möglicherweise |
| Symptome unter 35 Jahren | Selten | Häufig |
| Chronisch produktiver Husten | Häufig | Ungewöhnlich |
| Atemnot | Anhaltend und fortschreitend | Variabel |
| Nächtliches Erwachen mit Atemnot/Giemen | Ungewöhnlich | Häufig |
| Signifikante tageszeitliche Variabilität | Ungewöhnlich | Häufig |
Therapie der stabilen COPD
Die wichtigste Maßnahme ist die Raucherentwöhnung. Es wird empfohlen, bei jeder Gelegenheit den Rauchstopp zu thematisieren und entsprechende Unterstützung anzubieten.
Für die medikamentöse Inhalationstherapie gelten folgende Stufen:
-
Kurzwirksame Bronchodilatatoren (SABA/SAMA) als initiale Bedarfstherapie
-
Kombination aus LAMA und LABA bei anhaltender Atemnot oder Exazerbationen
-
Kombination aus LABA und ICS bei Vorliegen von Asthma-Merkmalen oder Steroid-Responsivität
-
Eskalation auf LAMA+LABA+ICS bei schweren oder wiederholten Exazerbationen unter dualer Therapie
Eine pulmonale Rehabilitation wird für alle Personen empfohlen, die sich durch die COPD funktionell eingeschränkt fühlen (meist ab MRC-Grad 3).
Langzeit-Sauerstofftherapie (LTOT)
Eine LTOT wird bei schwerer chronischer Hypoxämie empfohlen. Vorab muss eine strukturierte Risikobewertung (insbesondere bezüglich Sturz- und Brandgefahr) erfolgen.
Management von Exazerbationen
Bei einer akuten Exazerbation muss zunächst entschieden werden, ob eine ambulante oder stationäre Behandlung erforderlich ist. Folgende Faktoren sprechen laut Leitlinie für eine Krankenhauseinweisung:
| Faktor | Behandlung zu Hause | Behandlung im Krankenhaus |
|---|---|---|
| Atemnot | Mild | Schwer |
| Allgemeinzustand | Gut | Schlecht/verschlechternd |
| Zyanose | Nein | Ja |
| Bewusstseinslage | Normal | Eingeschränkt |
| SaO2 < 90% | Nein | Ja |
Bei stationärer Aufnahme wird eine systemische Kortikosteroidgabe sowie bei purulentem Sputum eine antibiotische Therapie empfohlen. Bei persistierender hyperkapnischer respiratorischer Insuffizienz ist die nicht-invasive Beatmung (NIV) die Therapie der Wahl.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungsschemata für bestimmte Indikationen:
| Medikament | Dosis | Indikation |
|---|---|---|
| Prednisolon (oral) | 30 mg täglich für 5 Tage | Akute Exazerbation der COPD |
| Azithromycin (oral) | 250 mg dreimal wöchentlich | Prophylaxe bei häufigen Exazerbationen (Off-Label-Use) |
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Eine Langzeittherapie mit oralen Kortikosteroiden wird bei stabiler COPD in der Regel nicht empfohlen.
-
Orale Kortikosteroid-Reversibilitätstests sollen nicht verwendet werden, um das Ansprechen auf inhalative Kortikosteroide vorherzusagen.
-
Eine Langzeit-Sauerstofftherapie darf Personen, die weiterhin rauchen, nicht angeboten werden (Brandgefahr).
-
Ambulanter Sauerstoff oder eine Kurzzeit-Sauerstofftherapie wird bei Personen mit milder oder fehlender Hypoxämie in Ruhe nicht empfohlen.
-
Antitussiva und eine Alpha-1-Antitrypsin-Ersatztherapie werden bei stabiler COPD nicht empfohlen.
-
Medikamente wie Bosentan, Losartan oder Sildenafil dürfen nicht isoliert zur Behandlung einer COPD-bedingten pulmonalen Hypertonie eingesetzt werden (außerhalb von Studien).
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, die Wirksamkeit einer Bronchodilatator-Therapie ausschließlich anhand der Lungenfunktion zu beurteilen. Es wird empfohlen, stattdessen eine Vielzahl anderer Parameter wie die Besserung der Symptome, die Bewältigung von Alltagsaktivitäten und die Belastungstoleranz in die Bewertung einzubeziehen. Zudem wird betont, dass Pulsoximeter bei Personen mit dunkler Hautfarbe die Sauerstoffsättigung überschätzen können.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie sollte eine COPD bei Personen über 35 Jahren mit Risikofaktoren (insbesondere Rauchen) und Symptomen wie Belastungsdyspnoe, chronischem Husten oder regelmäßiger Sputumproduktion vermutet werden.
Es wird eine Post-Bronchodilatator-Spirometrie empfohlen, um die Diagnose zu bestätigen. Ein FEV1/FVC-Quotient unter 0,7 ist hierbei richtungsweisend.
Die Leitlinie erwägt Azithromycin für Nichtraucher mit optimierter Therapie, die weiterhin unter häufigen oder schweren Exazerbationen mit Sputumproduktion leiden. Vorab müssen andere Ursachen wie Bronchiektasen ausgeschlossen werden.
Bei einer akuten Exazerbation wird eine Behandlung mit 30 mg oralem Prednisolon täglich für eine Dauer von 5 Tagen empfohlen.
Eine Langzeit-Sauerstofftherapie wird bei schwerer chronischer Hypoxämie empfohlen, jedoch ausdrücklich nicht für Personen, die weiterhin rauchen. Eine rein nächtliche Hypoxämie ist laut Leitlinie keine Indikation.
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Quelle: NG115: Chronic obstructive pulmonary disease in over 16s (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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