Cisatracurium: Dosierung, Indikation und Monitoring
Hintergrund
Cisatracurium ist ein mittellang wirkendes, nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans aus der Klasse der Benzylisoquinoline. Es wirkt als kompetitiver Antagonist an den nikotinergen Acetylcholinrezeptoren der motorischen Endplatte und verhindert so die Muskelkontraktion.
Ein wesentliches Merkmal der Substanz ist der Abbau über die sogenannte Hofmann-Elimination. Dieser chemische Prozess ist organunabhängig und wird maßgeblich durch den pH-Wert und die Körpertemperatur des Patienten gesteuert.
Als inaktive Abbauprodukte entstehen Laudanosin und ein monoquartärer Acrylat-Metabolit. Da Leber und Nieren für die Elimination der Muttersubstanz nur eine untergeordnete Rolle spielen, eignet sich das Medikament besonders für Patienten mit entsprechenden Organdysfunktionen.
Empfehlungen
Indikation und Anwendung
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Die StatPearls-Monographie nennt als Hauptindikationen die Erleichterung der trachealen Intubation sowie die Skelettmuskelrelaxation während chirurgischer Eingriffe und der maschinellen Beatmung auf der Intensivstation.
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Für die Rapid Sequence Intubation (RSI) wird Cisatracurium aufgrund der benötigten Anschlagszeit ausdrücklich nicht empfohlen.
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Es wird betont, dass das Medikament keine Auswirkungen auf das Bewusstsein oder die Schmerzwahrnehmung hat, weshalb eine neuromuskuläre Blockade erst nach Eintritt der Bewusstlosigkeit induziert werden sollte.
Überwachung (Monitoring)
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Als Standard zur Überwachung der neuromuskulären Blockade wird die periphere Nervenstimulation (z. B. Train-of-Four, TOF) empfohlen.
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Typische Ableitungsorte für die Elektroden sind der N. facialis, der N. ulnaris oder der N. tibialis posterior.
Aufhebung der Blockade (Reversierung)
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Zur Beendigung der Blockade wird die Gabe eines Anticholinesterase-Hemmers (z. B. Neostigmin) in Kombination mit einem Anticholinergikum (z. B. Glycopyrrolat) beschrieben.
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Es wird davor gewarnt, eine Reversierung zu versuchen, wenn klinische oder apparative Hinweise auf eine noch vollständige neuromuskuläre Blockade vorliegen.
Dosierung
| Indikation / Wirkstoff | Dosierung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Intubation (Cisatracurium) | 0,15-0,2 mg/kg IV | Intubationsbedingungen nach 1,5-2 Minuten erreicht |
| Erhaltung per Bolus (Cisatracurium) | 0,02 mg/kg IV | - |
| Erhaltung per Infusion (Cisatracurium) | 1-3 µg/kg/min IV | Anpassung nach peripherem Nervenmonitoring |
| Reversierung (Neostigmin) | 0,03-0,07 mg/kg IV | - |
| Reversierung (Glycopyrrolat) | 0,2 mg pro 1 mg Neostigmin IV | Wird in Kombination mit Neostigmin verabreicht |
Kontraindikationen
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Bekannte Überempfindlichkeit gegen Cisatracurium.
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Vorsicht ist bei Patienten mit Myasthenia gravis oder myasthenischem Syndrom geboten, da eine tiefgreifende und verlängerte Wirkung auftreten kann.
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Bei anamnestisch bekannter Anaphylaxie auf andere neuromuskuläre Blocker wird zur Vorsicht geraten, da Kreuzreaktivitäten innerhalb der Wirkstoffklasse möglich sind.
💡Praxis-Tipp
Laut der Monographie unterliegt Cisatracurium der organunabhängigen Hofmann-Elimination, weshalb die Wirkdauer stark von der Körpertemperatur abhängt. Bei hypothermen Patienten wird oft eine geringere Dosis benötigt, während febrile Patienten auf der Intensivstation einen höheren Dosisbedarf aufweisen können. Zudem wird darauf hingewiesen, dass das Medikament nach Entnahme aus dem Kühlschrank bei Raumtemperatur maximal 21 Tage haltbar ist.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie erklärt, dass der Abbau primär über die organunabhängige Hofmann-Elimination erfolgt. Daher bleibt die Clearance der Muttersubstanz bei Nieren- oder Leberinsuffizienz weitgehend unbeeinflusst, auch wenn sich inaktive Metaboliten anreichern können.
Laut StatPearls wird Cisatracurium für die Rapid Sequence Intubation nicht empfohlen. Der Grund hierfür ist die im Vergleich zu anderen Relaxanzien längere Zeit bis zum Wirkeintritt.
Es wird eine gekühlte Lagerung bei 2 bis 8 °C unter Lichtschutz empfohlen, um einen Wirkungsverlust zu vermeiden. Nach Entnahme aus dem Kühlschrank kann das Medikament bei Raumtemperatur für maximal 21 Tage verwendet werden.
Die Aufhebung der Blockade erfolgt gemäß der Monographie durch die Gabe von Neostigmin in Kombination mit Glycopyrrolat. Ein solcher Reversierungsversuch sollte jedoch erst gestartet werden, wenn das periphere Nervenmonitoring eine beginnende Erholung anzeigt.
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Quelle: StatPearls: Cisatracurium (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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