CochraneIa2023

Chronische Veneninsuffizienz: Evidenz Bewegungstraining

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Chronische Veneninsuffizienz (CVI) ist eine periphere Gefäßerkrankung, die durch venöse Hypertonie und eine gestörte Funktion der Muskelpumpe entsteht. Sie führt zu Symptomen wie Schmerzen, Ödemen und Hautveränderungen, die die Lebensqualität der Betroffenen deutlich einschränken können.

Bewegungstraining wird in der klinischen Praxis häufig empfohlen, um die Wadenmuskelpumpe zu stärken und den venösen Rückfluss zu verbessern. Bisher war jedoch unklar, wie stark die wissenschaftliche Evidenz für diese Maßnahme bei Personen ohne venöse Ulzera tatsächlich ist.

Der vorliegende Cochrane Review (2023) schloss fünf randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 146 Teilnehmern ein. Ziel der Meta-Analyse war es, den Nutzen und mögliche Schäden von strukturierten Trainingsprogrammen bei nicht ulzerierter CVI im Vergleich zu fehlendem Training zu bewerten.

Empfehlungen

Der Review formuliert folgende Kernaussagen zur Wirksamkeit von körperlichem Training:

Klinische Symptomatik und Lebensqualität

Laut Meta-Analyse gibt es keine ausreichende Evidenz dafür, dass Bewegungstraining die Intensität der CVI-Symptome signifikant verringert (sehr niedrige Evidenzqualität). Auch bezüglich einer Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bleiben die Ergebnisse aufgrund der schwachen Datenlage unklar.

Hämodynamische Parameter

Der Review untersuchte verschiedene hämodynamische Messwerte zur Beurteilung des venösen Blutflusses. Es konnte kein eindeutiger Effekt des Trainings auf folgende Parameter nachgewiesen werden:

  • Ejektionsfraktion (Auswurfleistung der Muskelpumpe)

  • Venöse Wiederauffüllzeit

  • Venöser Füllungsindex

Körperliche Leistungsfähigkeit und Muskelkraft

Es bleibt gemäß den Studiendaten ungewiss, ob körperliches Training die allgemeine Leistungsfähigkeit, beispielsweise gemessen im 6-Minuten-Gehtest, verbessert. Ebenso ist die Evidenz für eine Steigerung der Muskelkraft oder der Sprunggelenksbeweglichkeit als sehr gering einzustufen.

Klassifikation der chronischen Venenerkrankung

Zur einheitlichen Diagnostik und Stadieneinteilung der CVI wird in den eingeschlossenen Studien die CEAP-Klassifikation herangezogen. Die klinische Einteilung (C) stellt sich wie folgt dar:

StadiumKlinische Beschreibung
C0Keine sicht- oder tastbaren Zeichen einer Venenerkrankung
C1Teleangiektasien oder retikuläre Venen
C2Varizen
C3Ödem
C4Hautveränderungen (a: Pigmentierung/Ekzem, b: Lipodermatosklerose, c: Corona phlebectatica)
C5Abgeheiltes Ulcus cruris venosum
C6Aktives Ulcus cruris venosum

Venous Clinical Severity Score (VCSS)

Zur Beurteilung der Symptomschwere wurde in den Studien unter anderem der validierte VCSS verwendet. Dieser bewertet klinische Parameter nach folgendem Schema:

Klinischer ParameterFehlend (0)Mild (1)Moderat (2)Schwer (3)
SchmerzKeinerGelegentlichTäglich, nicht limitierendTäglich, limitierend
VarizenKeineWenigeWade oder OberschenkelWade und Oberschenkel
Venöses ÖdemKeinesFuß und KnöchelUnterhalb des KniesKnie und oberhalb
HautpigmentierungKeineBegrenzt perimalleolärDiffus unteres Waden-DrittelWeiter über unteres Drittel hinaus
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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Obwohl Bewegungstraining in der Praxis häufig zur Stärkung der Muskelpumpe bei CVI empfohlen wird, zeigt die aktuelle Studienlage keine gesicherte Evidenz für einen signifikanten klinischen Nutzen bei nicht ulzerierten Stadien. Es wird im Review darauf hingewiesen, dass diese mangelnde Evidenz nicht zwingend eine Unwirksamkeit bedeutet, sondern primär auf die geringe methodische Qualität und die kleinen Fallzahlen der bisherigen Studien zurückzuführen ist.

Häufig gestellte Fragen

Laut Cochrane Review gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz, um eine signifikante Linderung der Symptome durch Bewegungstraining zu belegen. Die Qualität der eingeschlossenen Studien wurde für diesen Endpunkt als sehr niedrig eingestuft.

Die Meta-Analyse konnte keinen eindeutigen Effekt auf hämodynamische Parameter wie die Ejektionsfraktion oder die venöse Wiederauffüllzeit nachweisen. Auch hier ist die Datenlage aufgrund methodischer Mängel unzureichend.

Der Review schlussfolgert nicht, dass Training unwirksam oder schädlich ist, sondern bemängelt das Fehlen qualitativ hochwertiger Studien. Allgemeine Empfehlungen zur körperlichen Aktivität bleiben von dieser spezifischen Evidenzlücke unberührt.

In klinischen Studien wird standardmäßig die CEAP-Klassifikation zur klinischen, anatomischen und pathophysiologischen Einteilung herangezogen. Zur detaillierten Beurteilung der Symptomschwere kommt oft der Venous Clinical Severity Score (VCSS) zum Einsatz.

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Quelle: Cochrane Review: Physical exercise for the treatment of non-ulcerated chronic venous insufficiency (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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