Chronische Hepatitis C: Sofosbuvir/Velpatasvir Therapie
Hintergrund
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Zusatznutzen der Wirkstoffkombination Sofosbuvir/Velpatasvir (SOF/VEL) bewertet. Die Begutachtung erfolgte für erwachsene Patienten mit chronischer Hepatitis C (CHC) der Genotypen 1 bis 6.
Die Bewertung unterscheidet verschiedene Patientengruppen basierend auf dem vorliegenden Genotyp und dem Zirrhosestatus. Als zweckmäßige Vergleichstherapien dienten je nach Indikation unter anderem Sofosbuvir plus Ribavirin oder Ledipasvir/Sofosbuvir.
Ziel der Nutzenbewertung war es, patientenrelevante Endpunkte wie Mortalität, Morbidität, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Nebenwirkungen zu analysieren. Ein besonderer Fokus lag dabei auf dem dauerhaften virologischen Ansprechen (SVR) als Surrogatparameter für Leberkomplikationen.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen von Sofosbuvir/Velpatasvir (SOF/VEL) im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie:
Genotyp 2 (ohne oder mit kompensierter Zirrhose)
Für diese Patientengruppe wird ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber Sofosbuvir plus Ribavirin abgeleitet.
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Bei Männern zeigt sich ein positiver Effekt beim dauerhaften virologischen Ansprechen (SVR12).
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Zudem gibt es Anhaltspunkte für einen geringeren Schaden bei den Endpunkten Ermüdung und psychiatrische Erkrankungen.
Genotyp 3 (ohne oder mit kompensierter Zirrhose)
Laut Bericht ergibt sich für diese Gruppe ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen gegenüber Sofosbuvir plus Ribavirin.
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Es liegt ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen beim Endpunkt hepatozelluläres Karzinom (berücksichtigt über das Surrogat SVR12) vor.
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Zusätzlich zeigt sich ein geringerer Schaden beim Endpunkt Therapieabbruch wegen unerwünschter Ereignisse.
Weitere Genotypen und dekompensierte Zirrhose
Für die folgenden Patientengruppen ist ein Zusatznutzen laut IQWiG nicht belegt:
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Genotyp 1 und 4 (jeweils ohne oder mit kompensierter Zirrhose).
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Genotyp 5 und 6 (ohne oder mit kompensierter Zirrhose).
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Genotyp 1 bis 6 bei Vorliegen einer dekompensierten Zirrhose.
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Patienten mit einer HIV-Koinfektion, da hierzu keine verwertbaren Daten vorgelegt wurden.
Dosierung
Die empfohlene Dosis von Sofosbuvir/Velpatasvir (SOF/VEL) beträgt eine Tablette (400 mg/100 mg) pro Tag, unabhängig von einer Mahlzeit.
| Patientengruppe | Behandlung | Dauer |
|---|---|---|
| Patienten ohne Zirrhose | SOF/VEL | 12 Wochen |
| Patienten mit kompensierter Zirrhose | SOF/VEL (bei Genotyp 3 ggf. + Ribavirin) | 12 Wochen |
| Patienten mit dekompensierter Zirrhose | SOF/VEL + Ribavirin | 12 Wochen |
Bei Patienten mit dekompensierter Zirrhose (Child-Pugh-Turcotte Klasse B oder C) erfolgt die Dosierung von Ribavirin gewichtsadaptiert. Laut Fachinformation erhalten Patienten unter 75 kg Körpergewicht 1000 mg Ribavirin pro Tag und Patienten ab 75 kg Körpergewicht 1200 mg pro Tag.
Kontraindikationen
Laut Fachinformation wird die gleichzeitige Anwendung von Sofosbuvir/Velpatasvir mit folgenden Arzneimitteln nicht empfohlen oder erfordert eine besondere Überwachung:
-
Mittelstarke P-gp-Induktoren oder mittelstarke CYP-Induktoren.
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Efavirenz-haltige Therapien.
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Protonenpumpeninhibitoren (PPI), da diese den gastrischen pH-Wert erhöhen und die Konzentration von Velpatasvir verringern.
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Amiodaron (engmaschige Überwachung beim Einleiten der Therapie empfohlen).
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Digoxin (Überwachung der therapeutischen Konzentration empfohlen).
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht betont, dass das dauerhafte virologische Ansprechen (SVR) bei Patienten mit bereits bestehender dekompensierter Zirrhose nicht mehr als geeigneter Surrogatendpunkt für die Vermeidung von Leberkomplikationen angesehen wird. Es wird darauf hingewiesen, dass bei diesen Patienten die mittel- und langfristigen klinischen Effekte des SVR mit hoher Unsicherheit behaftet sind.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen für Patienten mit Genotyp 1 weder mit noch ohne kompensierte Zirrhose belegt. Die vorgelegten Daten zeigten keine signifikanten Vorteile gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Ledipasvir/Sofosbuvir.
Die Standardbehandlungsdauer beträgt laut Fachinformation 12 Wochen. Bei Patienten mit dekompensierter Zirrhose wird die Therapie für 12 Wochen mit Ribavirin kombiniert.
Ja, die Kombination kann bei dekompensierter Zirrhose eingesetzt werden. In diesem Fall wird laut Fachinformation die zusätzliche Gabe von Ribavirin für 12 Wochen empfohlen. Ein Zusatznutzen gegenüber der Vergleichstherapie ist laut IQWiG jedoch nicht belegt.
Die gleichzeitige Anwendung mit Protonenpumpeninhibitoren wird laut Fachinformation nicht empfohlen. Arzneimittel, die den gastrischen pH-Wert erhöhen, können die Plasmakonzentration von Velpatasvir verringern.
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Quelle: IQWiG A16-48: Sofosbuvir/Velpatasvir (chronische Hepatitis C) - Nutzenbewertung gemäß §35a SGB V (IQWiG, 2017). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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