Blasensteine (Zystolithiasis): Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Blasensteine machen etwa 5 % aller Harnsteine aus und entstehen primär durch Harnstauung. Häufige Ursachen sind die benigne Prostatahyperplasie (BPH) oder eine neurogene Blasenentleerungsstörung.
Bei Erwachsenen bestehen etwa 50 % der Blasensteine aus Harnsäure, oft ohne Vorliegen einer Gicht oder Hyperurikämie. In Entwicklungsländern treten Blasensteine häufiger bei Kindern auf, meist bedingt durch diätetische Faktoren wie proteinarme Ernährung und Dehydration.
Fremdkörper in der Blase, wie nicht resorbierbares Nahtmaterial oder zurückgebliebene Fragmente von Katheterballons, stellen laut Leitlinie ebenfalls ein signifikantes Risiko für die Steinbildung dar.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Evaluation und Behandlung von Blasensteinen:
Diagnostik
Zur initialen Abklärung wird eine Urinuntersuchung empfohlen, die häufig Blut, Nitrit, Leukozyten oder einen niedrigen pH-Wert zeigt. Als bildgebende Verfahren werden Computertomografie (CT) oder Ultraschall empfohlen, da reine Röntgenaufnahmen bei strahlendurchlässigen Harnsäuresteinen oft unzureichend sind.
Für eine definitive Diagnosestellung wird eine Zystoskopie empfohlen.
Zusätzlich wird eine metabolische Evaluation mittels 24-Stunden-Urin, Basislabor und Serum-Harnsäure für folgende Risikogruppen empfohlen:
-
Personen mit Harnsäuresteinen oder Nephrolithiasis
-
Fälle ohne identifizierbare Obstruktion oder Nidus
-
Rezidivierende Blasensteine oder positive Familienanamnese
Medikamentöse Therapie
Eine medikamentöse Auflösung von Harnsäuresteinen kann laut Leitlinie durch orale Alkalisierung erreicht werden. Hierfür wird Kaliumcitrat empfohlen, wobei die Dosis so titriert werden sollte, dass ein Urin-pH-Wert zwischen 6,5 und 7 aufrechterhalten wird.
Bei Patienten mit Dauerkathetern und Neigung zu Calciumphosphat-Ablagerungen wird eine periodische Blasenspülung mit einer 0,25%igen Essigsäurelösung empfohlen. Dies hilft, Kristallbildungen aufzulösen und Katheterverstopfungen vorzubeugen.
Chirurgische Therapie
Die endoskopische Zystolitholapaxie stellt die bevorzugte chirurgische Methode für die meisten Blasensteine dar. Dabei wird die Laserlithotripsie aufgrund ihrer hohen Erfolgsrate und geringen Komplikationsrate zunehmend als Standard angesehen.
Es wird in den meisten Fällen empfohlen, die zugrunde liegende Ursache der Harnstauung zeitgleich zu behandeln (z.B. mittels transurethraler Resektion der Prostata). Die Leitlinie weist jedoch darauf hin, dass einige neuere Übersichtsarbeiten aufgrund der multifaktoriellen Genese eine individualisierte Entscheidungsfindung befürworten.
Für spezifische Patientengruppen nennt die Leitlinie alternative Verfahren:
-
Bei Kindern (insbesondere Jungen unter 16 Jahren) wird die perkutane suprapubische Zystolitholapaxie bevorzugt, um ein urethrales Trauma zu minimieren.
-
Die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) kann als minimalinvasive Alternative erwogen werden, erfordert jedoch oft mehrere Sitzungen.
-
Eine offene suprapubische Operation wird für extrem große Steine oder bei gleichzeitig stark vergrößerter Prostata (über 75 Gramm) empfohlen.
Dosierung
| Wirkstoff | Dosierung / Konzentration | Indikation |
|---|---|---|
| Kaliumcitrat | ca. 60 mEq/Tag (oral) | Auflösung von Harnsäuresteinen (Ziel-pH 6,5-7,0) |
| Essigsäurelösung | 0,25 % (als Blasenspülung) | Auflösung von Calciumphosphat-Ablagerungen bei Kathetern |
Kontraindikationen
Elektrohydraulische Lithotripsie-Geräte werden laut Leitlinie für Blasensteine im Allgemeinen nicht empfohlen. Die Steine neigen bei dieser Methode zur Bewegung, was zu einem höheren Risiko für Schleimhautverletzungen der Blase führt.
💡Praxis-Tipp
Ein besonders wichtiger Hinweis der Leitlinie betrifft traumatisch entfernte oder herausgefallene Foley-Katheter. Es wird dringend empfohlen, den Katheter auf fehlende Ballonfragmente zu überprüfen, da intravesikal verbliebene Reste als Nidus für eine schnelle Steinbildung dienen. Bei Unklarheit sollte eine zystoskopische Kontrolle erfolgen, um Fragmente frühzeitig zu entfernen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie bestehen etwa 50 % der Blasensteine bei Erwachsenen aus Harnsäure. Dies tritt häufig auch ohne begleitende Gicht oder Hyperurikämie auf.
Es wird primär eine Computertomografie (CT) oder ein Ultraschall empfohlen. Reine Röntgenaufnahmen (KUB) sind oft unzureichend, da Harnsäuresteine strahlendurchlässig sind.
Die Leitlinie empfiehlt eine orale Alkalisierungstherapie, meist mit Kaliumcitrat. Ziel ist es, den Urin-pH-Wert konstant zwischen 6,5 und 7 zu halten, um den Stein aufzulösen.
Bei Kindern, insbesondere bei Jungen unter 16 Jahren, wird die perkutane suprapubische Zystolitholapaxie empfohlen. Dieses Vorgehen minimiert das Risiko eines urethralen Traumas.
Ja, die Leitlinie empfiehlt in der Regel die zeitgleiche Behandlung der Blasenentleerungsstörung. Nach der endoskopischen Steinentfernung sollte bei entsprechender Indikation eine transurethrale Resektion der Prostata (TURP) erfolgen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: StatPearls: Bladder Stones (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen