Blalock-Taussig-Thomas-Shunt: Indikation & Management
Hintergrund
Der modifizierte Blalock-Taussig-Thomas-Shunt (mBTT) ist ein palliatives chirurgisches Verfahren für Neugeborene mit zyanotischen angeborenen Herzfehlern. Laut StatPearls-Leitlinie dient der Shunt dazu, die Lungendurchblutung temporär zu verbessern, die Zyanose zu lindern und das Wachstum der Pulmonalarterien zu fördern.
Im Gegensatz zum klassischen Blalock-Taussig-Shunt wird beim mBTT-Shunt ein Polytetrafluorethylen (PTFE)-Interponat zwischen dem System- und Lungenkreislauf eingesetzt. Dies schont die Arteria subclavia, erhält die Durchblutung der oberen Extremität und erleichtert eine spätere Shunt-Entfernung bei der definitiven Korrekturoperation.
Obwohl die Häufigkeit des Eingriffs in Industrienationen aufgrund früherer Korrekturoperationen abnimmt, bleibt der mBTT-Shunt bei komplexen univentrikulären Herzfehlern relevant. Die Leitlinie betont die Notwendigkeit einer sorgfältigen Abwägung zwischen ausreichender Oxygenierung und der Vermeidung einer lebensbedrohlichen pulmonalen Überzirkulation.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte für den Einsatz des mBTT-Shunts:
Indikationen
Ein mBTT-Shunt wird empfohlen, wenn eine sofortige vollständige Korrektur des Herzfehlers nicht möglich ist und die Pulmonalarterienentwicklung gefördert werden muss. Zu den Hauptindikationen zählen:
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Hypoplastisches Linksherzsyndrom (als Teil der Norwood-Operation, Stadium 1)
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Fallot-Tetralogie bei symptomatischen Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht
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Pulmonalatresie und Ebstein-Anomalie mit funktioneller Pulmonalatresie
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Trikuspidalatresie und andere univentrikuläre Bedingungen
Präoperative Planung und Shunt-Größe
Es wird eine präoperative Bestimmung der PTFE-Graft-Größe empfohlen, um eine optimale Balance der Durchblutung zu erreichen. Die Leitlinie gibt folgende Richtwerte basierend auf dem Körpergewicht an:
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Körpergewicht unter 2,5 kg: Shunt-Durchmesser unter 3,0 mm
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Körpergewicht 2,5 bis 4,0 kg: Shunt-Durchmesser 3,0 bis 3,5 mm
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Körpergewicht über 4,0 kg: Shunt-Durchmesser 4,0 mm
Chirurgisches Vorgehen
Laut Leitlinie wird der Eingriff meist über eine mediane Sternotomie ohne den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. Die proximale Anastomose erfolgt an der Arteria innominata oder subclavia, die distale an der rechten Pulmonalarterie.
Es wird eine Heparinisierung nach Abschluss der proximalen Anastomose empfohlen, um die Gerinnselbildung im Graft zu minimieren. Bei duktusabhängigen Patienten sollte der Ductus arteriosus erst ligiert werden, nachdem die Durchgängigkeit des neuen Shunts bestätigt wurde.
Postoperatives Management
Die Leitlinie warnt vor einer pulmonalen Überzirkulation als schwerwiegendste Frühkomplikation, die zu Lungenödem und Herzstillstand führen kann. Zur Vermeidung von Shunt-Thrombosen wird ein spezifisches Antikoagulationsschema mit Heparin und anschließender lebenslanger Aspirin-Gabe empfohlen.
Dosierung
| Medikament | Dosierung | Indikation |
|---|---|---|
| Heparin | 10 Einheiten/kg/h (intravenös) | Postoperative Thromboseprophylaxe (unmittelbar postoperativ, Anpassung nach Gerinnungsprofil) |
| Aspirin | 3 bis 5 mg/kg/Tag (maximal 75 mg/Tag) | Lebenslange Thromboseprophylaxe nach mBTT-Shunt-Anlage |
Kontraindikationen
Laut Leitlinie stellt eine pulmonale Hypertonie mit erhöhtem pulmonalvaskulärem Widerstand eine relative Kontraindikation für die Anlage eines mBTT-Shunts dar. Zudem wird darauf hingewiesen, dass ein Körpergewicht von unter 4,25 kg das Mortalitätsrisiko um das 20,8-Fache erhöht und Notfalleingriffe das Risiko um das 3,5-Fache steigern.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor der Gefahr einer pulmonalen Überzirkulation in der frühen postoperativen Phase, die durch einen zu großen Shunt entstehen kann. Klinisch ist ein neu aufgetretenes, kontinuierliches Strömungsgeräusch (Thrill) im subklavikulären Bereich ein verlässliches Zeichen für einen gut funktionierenden Shunt.
Häufig gestellte Fragen
Laut StatPearls-Leitlinie wird bei Neugeborenen mit einem Körpergewicht von unter 2,5 kg ein PTFE-Shunt mit einem Durchmesser von weniger als 3,0 mm empfohlen. Eine exakte Größenanpassung ist essenziell, um eine pulmonale Überzirkulation zu vermeiden.
Die Leitlinie empfiehlt eine unmittelbare postoperative Heparinisierung mit 10 Einheiten/kg/h. Im weiteren Verlauf wird eine lebenslange Therapie mit Aspirin in einer Dosierung von 3 bis 5 mg/kg/Tag angeraten.
Als schwerwiegendste Frühkomplikation nennt die Leitlinie die pulmonale Überzirkulation, die zu systemischer Hypotension und Lungenödem führen kann. Weitere Risiken umfassen Shunt-Thrombosen, Serombildung durch das PTFE-Material und eine ungleiche Entwicklung der Pulmonalarterien.
Eine pulmonale Hypertonie mit hohem pulmonalvaskulärem Widerstand gilt laut Leitlinie als relative Kontraindikation. In solchen Fällen kann der Shunt die Hämodynamik weiter verschlechtern.
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Quelle: StatPearls: Modified Blalock-Taussig-Thomas Shunt (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
StatPearls: Central Aortopulmonary Shunt
StatPearls: Perioperative Management of Patients With Congenital Heart Disease
StatPearls: Pulmonary Artery Banding
StatPearls: Catheter Management Pulmonary Valvular Disorders
StatPearls: Transposition of the Great Arteries
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