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Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei rasch progredienten Demenzen mit neurologischer Begleitsymptomatik (Ataxie, Myoklonien) sollte an eine CJK gedacht werden.
  • Die Liquordiagnostik (RT-QuIC, 14-3-3-Protein) ist zentral, während Routineliquorparameter meist unauffällig sind.
  • Im MRT (DWI/FLAIR) zeigen sich typische hyperintense Signalveränderungen im Striatum, Thalamus oder Kortex.
  • Es existiert keine kausale Therapie; Myoklonien können symptomatisch mit Clonazepam oder Valproat behandelt werden.
  • Verdacht, Erkrankung und Tod sind nach dem Infektionsschutzgesetz streng meldepflichtig.
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Hintergrund

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) gehört zu den Prionenerkrankungen und ist eine meldepflichtige, rasch fortschreitende und stets letal verlaufende Erkrankung. Sie ist neuropathologisch durch spongiforme Veränderungen, astrozytäre Gliose, Neuronenverlust und die Ablagerung einer abnormen Form des Prionproteins gekennzeichnet. Die Inzidenz der sporadischen Form liegt stabil bei etwa 1 bis 2,5 Fällen pro Million Einwohner pro Jahr.

Klassifikation

Prionenerkrankungen des Menschen werden in drei Hauptgruppen unterteilt:

  • Sporadische Prionenerkrankungen: Häufigste Form (z. B. sporadische CJK [sCJK]). Erkrankungsgipfel zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr.
  • Genetische Prionenerkrankungen: Verursacht durch Mutationen im Prionprotein-Gen (PRNP), z. B. familiäre CJK, Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom (GSS) oder letale familiäre Insomnie (FFI). Autosomal-dominanter Erbgang.
  • Übertragene Formen: Iatrogene CJK (z. B. durch kontaminierte Dura-mater-Transplantate) oder die Variante der CJK (vCJK), welche ätiopathogenetisch mit der bovinen spongiformen Enzephalopathie (BSE) zusammenhängt.
MerkmalVariante der CJK (vCJK)Sporadische CJK (sCJK)
Medianes Todesalter30 Jahre65 Jahre
Mediane Krankheitsdauer14 Monate6 Monate
Klinik bei BeginnDysästhesien, VerhaltensänderungenGedächtnisstörungen, Ataxie
EEGNicht typisch66 % PSWCs
14-3-3-Protein (Liquor)Selten positivIn 90 % positiv
MRT (FLAIR/DWI)Hyperintensitäten im Thalamus ("pulvinar sign")Hyperintensitäten im Striatum und/oder Kortex

Diagnostik

Die Diagnose stützt sich auf Klinik, Liquor, MRT und EEG. Differenzialdiagnostisch müssen behandelbare Ursachen (z. B. Autoimmunenzephalitiden) ausgeschlossen werden.

Liquordiagnostik

Die Routineparameter (Zellzahl, Gesamteiweiß, Glukose) sind in der Regel unauffällig. Eine intrathekale Synthese oder oligoklonale Banden fehlen meist.

  • RT-QuIC: Weist die abnorme Aggregationsneigung des Prionproteins nach (Sensitivität ca. 85 %). Erlaubt eine sichere laborgestützte Diagnose.
  • Biomarker: Nachweis abnorm hoher Konzentrationen neuronaler und astrozytärer Proteine (14-3-3, Tau, NSE, S100b) unterstützt die Verdachtsdiagnose.

Kernspintomographie (MRT)

Eine MRT-Untersuchung sollte zwingend FLAIR- und diffusionsgewichtete (DWI-)Aufnahmen enthalten. DWI ist der FLAIR-Wichtung überlegen.

  • Typischer Befund: Uni- oder bilaterale Signalanhebungen in den Stammganglien (Striatum) sowie im Kortex.
  • vCJK: Hyperintensitäten im posterioren Thalamus ("pulvinar sign").

EEG

Bei etwa zwei Dritteln der sCJK-Fälle zeigen sich typische Veränderungen, die im Median 12 Wochen nach Symptombeginn auftreten.

KriteriumAusprägung
TypPeriodische Sharp-Wave-Komplexe (PSWCs)
PeriodizitätWichtigstes Kriterium
Frequenz0,5–2/s
Dauer100–600 ms
Amplitude> 150–300 μV

Diagnosekriterien der sporadischen CJK

Die definitive Diagnose erfordert eine neuropathologische Untersuchung (Obduktion). Klinisch wird wie folgt klassifiziert:

KlassifikationKriterien
Wahrscheinliche CJKProgrediente Demenz + mind. 2 klinische Zeichen (Myoklonus, visuelle/zerebelläre Symptome, pyramidale/extrapyramidale Störungen, akinetischer Mutismus) PLUS pos. Zusatzuntersuchung (EEG, 14-3-3, MRT) ODER progredientes Syndrom + positiver RT-QuIC im Liquor.
Mögliche CJKProgrediente Demenz < 2 Jahre + 2 der o.g. klinischen Zeichen, jedoch Zusatzuntersuchungen nicht wegweisend.

Therapie

Es existiert derzeit keine kausale Therapie. Die Behandlung erfolgt rein symptomatisch:

  • Myoklonien: Sprechen in der initialen Krankheitsphase gut auf Clonazepam oder Valproat an.
  • Experimentelle Ansätze (z. B. Doxycyclin, Flupirtin, monoklonale Antikörper) zeigten in Studien bisher keinen durchschlagenden oder nur temporären Effekt auf die Überlebenszeit.

Hygienemaßnahmen und Meldepflicht

  • Hygiene: Bei medizinischen Eingriffen (insbesondere an Gehirn, Rückenmark, Augen) gelten strenge RKI-Empfehlungen zur Desinfektion und Sterilisation von Instrumenten.
  • Meldepflicht: Verdacht, Erkrankung und Tod sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz gesetzlich meldepflichtig. In Österreich ist zudem eine Obduktion bei Verdachtsfällen vorgeschrieben.

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei rasch progredienten Demenzen frühzeitig an eine CJK. Fordern Sie im MRT zwingend DWI- und FLAIR-Sequenzen an und veranlassen Sie eine Liquordiagnostik mittels RT-QuIC in einem spezialisierten Labor.

Häufig gestellte Fragen

Klinisch stehen häufig eine rasch fortschreitende Demenz sowie eine progrediente Ataxie im Vordergrund. Im Verlauf kommen Myoklonien, extrapyramidalmotorische Störungen und Pyramidenbahnzeichen hinzu.
Die Routineparameter sind meist völlig normal. Diagnostisch entscheidend sind der Nachweis des 14-3-3-Proteins und eine positive RT-QuIC-Reaktion (Nachweis von fehlgefaltetem Prionprotein).
Ja, in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Verdacht, Erkrankung und Tod namentlich meldepflichtig.
Nein, eine kausale Therapie ist derzeit nicht bekannt. Die Behandlung erfolgt symptomatisch, beispielsweise mit Clonazepam oder Valproat gegen die Myoklonien.

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